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Schreibt Thomas Bernhard Frauenliteratur? von Schreiner, Margit (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.02.2014
  • Verlag: Schöffling & Co.
eBook (ePUB)
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Schreibt Thomas Bernhard Frauenliteratur?

Im Roman wie im Essay: 'Margit Schreiner ist eine radikale Autorin, nicht in der Form, aber im Inhalt. Sie operiert mit Rasanz und schneidender Ehrlichkeit, sie bohrt in Wunden, bis es weh tut und fährt dem Leser immer wieder in die Magengrube', urteilte Daniela Strigl in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. SCHREIBT THOMAS BERNHARD FRAUENLITERATUR? sammelt endlich und umfassend die Essays und die betrachtende Prosa von Margit Schreiner - eine hochwillkommene Ergänzung ihres literarischen Werks, das vollständig bei Schöffling & Co. vorliegt. 'Über Margit Schreiners Sätzen liegt, wie Bitterschokolade, ein Hauch von zartem Zynismus' (Ulrich Weinzierl, Frankfurter Allgemeine Zeitung) - im Roman wie im Essay. Margit Schreiner wurde 1953 in Linz geboren. Sie studierte Germanistik und Psychologie in Salzburg und ging 1977 für drei Jahre nach Japan. Sie lebt seit 1983 als freie Schriftstellerin zunächst in Salzburg und Paris, später in Berlin und Italien - heute wieder in Linz. Für ihre Bücher erhielt sie zahlreiche Stipendien und Preise, zuletzt den Oberösterreichischen Landeskulturpreis, den Kunstwürdigungspreis der Stadt Linz und den Österreichischen Würdigungspreis für Literatur.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 27.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783731760283
    Verlag: Schöffling & Co.
    Größe: 1132 kBytes
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Schreibt Thomas Bernhard Frauenliteratur?

Ich bin Autor

J etzt ist schon wieder was passiert. (So hätte Wolf Haas einen seiner Krimis begonnen. Mit dem Schreiben von Krimis hat er mittlerweile aufgehört.) Seit dem – relativen – Erfolg von Haus, Frauen, Sex habe ich mir vorgenommen, alles anzunehmen, was mir angeboten wird. Lesungen, Interviews, Vorträge, Essays. Veranstalter und Auftraggeber aller Art denken ja meistens gar nicht daran, wie mühsam sich ein Schriftsteller ernährt und dass er manchmal sogar noch ein Kind oder mehrere Kinder ernähren muss. Was man den Veranstaltern auch nicht verdenken kann. Nicht ohne Grund haben viele Schriftsteller gar keine Kinder und stattdessen Frauen, die zumindest als Lehrerinnen arbeiten. Aber ich wollte auf etwas anderes hinaus. Da ich keine Frau habe, die als Lehrerin arbeitet, und auch keinen Mann, der mich ernährt, dafür aber ein Kind, hatte ich mir vorgenommen, alles Mögliche anzunehmen. Das war zunächst sehr fruchtbar. Ich stellte fest, dass es wesentlich mehr Spaß macht, beispielsweise einen Essay zu schreiben, wenn einen jemand dazu auffordert, als einen Essay zu schreiben, wenn einen niemand dazu auffordert. Also entstanden einige Essays. Ich habe Interviews gegeben zu den Büchern, die ich geschrieben habe, aber auch zu Themen wie "Neue Tendenzen der österreichischen Literatur", "Schreiben Frauen anders?", zu autobiographischer und fiktionaler Literatur, zu Satzanfängen in Romanen und so weiter. Ich muss nun leider sagen, so etwas schleift sich ab mit der Zeit. Vor allem auch deshalb, weil der Eindruck entsteht, dass die Literatur, die die Schriftsteller schreiben, eine immer kleinere Rolle und das, was sie so sagen, eine immer größere Rolle spielt. Abgesehen davon, dass das kränkt, denn schließlich ist man deshalb als Schriftsteller angetreten, weil man der Überzeugung war, auf eben diese Weise am besten sagen zu können, was man zu sagen hat, stellt man fest, dass allenthalben die Primärliteratur ab- und das Gerede über Literatur zunimmt. Das wird auch daran liegen, dass Reden meist billiger kommt als Schreiben. Zumindest für die Medien. Die zahlen nämlich fürs Reden meist gar nichts, für den Druck oder die Lesungen von Texten gibt's fixe Sätze. Und die will man sparen. Überhaupt ist Sparen das oberste Gesetz geworden in den reichsten Ländern der Erde. In Deutschland sparen die Kulturinstitutionen neuerdings so fleißig, dass ohne die deutsche Bahncard 50 , was immer das sein mag (die Karte für den Menschen über fünfzig?), die Bezahlung längerer Anreisen zu Lesungen nicht mehr gewährleistet werden kann. Aber ich schweife schon wieder ab.

Zu den bereits erwähnten Irritationen kommt hinzu, dass ich neuerdings immer stärker den Eindruck habe, dass der Schriftsteller zwar zu allem Möglichen befragt wird, dass man seine Antworten aber immer weniger hören will. Das heißt, man will natürlich schon eine Antwort auf die eigene Frage hören, aber nicht die, die der Schriftsteller gibt. Man will lieber, sagen wir einmal, die Antwort eines Germanisten hören oder eines Journalisten, eines Politikers, Historikers oder eines Lesers. Je nachdem. Umso erfreulicher, wenn eine Einladung zu einem Abend bei einem Symposion über niederländische und deutschsprachige Literatur im Kontext "Ich bin Autor, nicht Leser" lautet. Und das in Bezug auf Thomas Bernhard. Gut, also Leser bin ich auf jeden Fall auch, wenn ich lese, aber vor allem, da muss ich zustimmen, bin ich Autor.

Es gibt auch unter Autoren Vorurteile über Autoren. Zum Beispiel, dass man von Thomas Mann nichts lernen kann, weil er das 19. Jahrhundert noch einmal literarisch zusammenfasst, aber sprachlich

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