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Von der Liebe zur Kunst Warum es unser Leben so bereichert, sich auf sie einzulassen. Essay von Oberhollenzer, Günther (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.01.2015
  • Verlag: Limbus Verlag
eBook (ePUB)
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Von der Liebe zur Kunst

Kann man Kunst verstehen? Was ist überhaupt Kunst? Wie kann man sie vermitteln? Und was macht eigentlich ein Kurator? Günther Oberhollenzer stellt sich grundlegende Fragen der Kunst und geht der weit verbreiteten Meinung auf den Grund, nach der die zeitgenössische Kunst als schwierig, abgehoben und elitär wahrgenommen wird. Oberhollenzer erzählt von seiner persönlichen Leidenschaft für die Gegenwartskunst, aber auch von seinen Vorurteilen, die er ihr anfangs entgegengebracht hat, er untersucht das Spannungsverhältnis von Zensur, Politik und Religion und stellt sich die Frage nach dem eigentlichen Wert von Kunst jenseits monetärer Maßstäbe. Der Essay ist ein Plädoyer für mehr Subjektivität, Leidenschaft und Emotion im Umgang mit zeitgenössischer Kunst, aber auch für das Wiederentdecken der Neugierde und für den Mut, neue Erkenntnisse in unser Leben zu lassen. Günther Oberhollenzer, seit 2006 Kurator im Essl Museum, wurde 1976 in Brixen geboren und studierte Geschichte und Kunstgeschichte in Innsbruck und Venedig sowie Kulturmanagement in Wien. Er lebt seit 2001 in Wien. Ausstellungsprojekte u. a. mit Tim Eitel, Xenia Hausner, Rosa Loy und Neo Rauch, Muntean/Rosenblum, Markus Prachensky, Martin Schnur, Deborah Sengl, Esther Stocker, Erwin Wurm und Heimo Zobernig. Zahlreiche Aufsätze in Kunstbüchern und -zeitschriften. Seit 2014 Mitglied des Südtiroler Kulturbeirats und Lehrbeauftragter am Institut für Kulturmanagement an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. www.liebezurkunst.com

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 29.01.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990390375
    Verlag: Limbus Verlag
    Serie: Limbus Essay .10
    Größe: 291 kBytes
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Von der Liebe zur Kunst

Können wir Kunst verstehen?

Wir werden nicht mit einem Verständnis für zeitgenössische Kunst geboren - auch wenn manche Kunstkritiker und Kuratoren diesen Eindruck vermitteln. Hören wir ihnen bei Eröffnungsreden, in Diskussionen und Interviews zu oder lesen wir in Katalogbeiträgen und Zeitschriften ihre Texte, glauben wir bisweilen, sie wüssten schon seit Kindertagen, dass dieser oder jener zeitgenössische Künstler von großer Bedeutung ist und sein Werk eine unschätzbare Bereicherung für Kunst und Kunstgeschichte darstellt. Den Ausführungen haftet oft etwas scheinbar Objektives, ja Allgemeingültiges an. Ihre intellektuelle Sprache ist wissend und abgeklärt, ihr Auftreten nüchtern und emotionslos. Keine Zweifel klingen durch. Kein Ringen mit schwierigen (sprich provokanten oder konzeptionellen) Positionen. Man übt sich in ironischer Distanz bis hin zur arroganten Attitüde, nach dem Motto: Mich kann nichts mehr erschüttern oder überraschen, ich habe alles schon gesehen. Das muss langweilig sein.

Wo bleibt die Leidenschaft? Die Hingabe, der Glaube an die Sache? Sollten wir nicht mit Begeisterung über Kunst sprechen, das Risiko in Kauf nehmend, sich damit zu exponieren oder einmal völlig danebenzuliegen? Ist es nicht schöner, für etwas zu brennen und das auch zu zeigen, als vorsichtig jedes Wort abzuwägen, zu versuchen, jede These kunsthistorisch zu untermauern und die eigenen Gedanken hinter theoretischen Exkursen und geschliffenen Satzkonstruktionen zu verschleiern? Es gibt sie, die leidenschaftlichen Menschen im Kunstbetrieb. Aber wieso tut man sich so schwer, diese Begeisterung unverblümt zu zeigen? Weil man sich angreifbar macht, wenn man Kunst mit Emotionen in Verbindung bringt? Natürlich ist das nicht immer möglich, denn manchmal ist eine etwas nüchterne, fachlich ausgewogene Form sinnvoll und ein subjektiver Gefühlsausbruch wenig zielführend und erwünscht. Gegen eine ernsthafte, intellektuell vertiefende Betrachtung eines Kunstwerks oder einer künstlerischen Position ist auch nichts einzuwenden. Doch wenn ich heute manchen Eröffnungsrednern zuhöre, wundert es mich nicht, dass viele Menschen damit nichts anfangen können.

Ich erlebe den Umgang mit und das Betrachten von zeitgenössischer Kunst oft wie die eines elitären Zirkels, dem nur Kenner und Wissende angehören können - eine kleine, eingeschworene Gruppe, die der Kunst einen intellektuellen Überbau und so auch eine Aura des Bedeutsamen, des Unantastbaren verleiht, bestehend aus Inhalten, die nur für diese erwählte Minderheit erschließbar sind. Liest man manche Katalogessays, beschleicht einen das Gefühl, hier wird den Lesern nicht Kunst vermittelt, sondern entrückt - weit weg, in eine andere Sphäre mit exklusivem Zugang. Wir Kuratoren müssen weg von unserem Elfenbeinturm-Denken. Wie von einer Panoramawarte aus betrachten wir das künstlerische Schaffen, teilen ein und katalogisieren, bewerten und analysieren - und das natürlich mit größtmöglicher Distanz und sprachlicher Nüchternheit, als würden wir ein physikalisches Experiment oder eine mathematische Formel beschreiben. Dabei handelt es sich bei Kunst doch um ein visuelles Medium, das unsere Sinne anspricht und, nachdem es als Bild auf die Netzhaut getroffen ist, sich seinen Weg in unseren Geist, Verstand und - ja, ich wage es zu schreiben - auch unser Herz bahnen soll.

Viele "Verhaltensregeln" und "Gesetze" im Kunstbetrieb erscheinen wie in Stein gemeißelt. Sie sind es nicht. Sie wurden von uns selbst aufgestellt und sind verhandelbar. Ich kann zum Beispiel auch heute noch mit manchen, anscheinend sehr wichtigen zeitgenössischen Positionen (glaubt man zumindest dem Kunstmarkt bzw. sieht man diesen als Gradmesser für die Wichtigkeit) wenig, bisweilen auch gar nichts anfangen. Nur weil ein Künstler bekannt, berühmt und von vielen Kritikern gelobt wird, hat man als einzelner subjektiver Betrachter dennoch das Recht, anderer Meinung zu sein. Auch ha

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