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Von der Notwendigkeit des Widerspruchs Gedanken zur Gesundheit, zur Krankheit, zur Medizin, zu Arzt und Patient von Horn, Johannes (eBook)

  • Verlag: Dr. R. Kaden Verlag GmbH & Co. KG
eBook (ePUB)
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Von der Notwendigkeit des Widerspruchs

Professor Dr. med. Johannes Horn beleuchtet mit seiner Erfahrung von über 40 Jahren als Arzt und Chirurg das Erscheinungsbild der heutigen Medizin. Am Anfang steht bei ihm die Überzeugung, dass eine christlich geprägte Wertevorstellung Widerspruch einzulegen hat gegen Entwicklungen, die zu einer Entfremdung des Menschen und zu einer Anonymisierung des Patienten geführt haben. Neben den Gedanken zu Gesundheit und Krankheit wird eine Vielzahl von Problemen angesprochen, die den Arzt und den Patienten im Wandel des medizinischen Selbstverständnisses gleichermaßen betreffen. Johannes Horn, geboren am 23. März 1943 in Wüstegiersdorf bei Waldenburg in Schlesien. Schon während der Schulzeit interessiert er sich für Literatur und Malerei. In dieser Zeit entstehen erste Gedichte. Während seines Medizinstudiums befasst er sich intensiv mit psychologischen und philosophischen Fragestellungen. Es entstehen erste Abhandlungen und essayistische Schriften. Er versteht das Malen und Schreiben nicht als Ausgleich zu seinen beruflichen Ambitionen - er sieht sie als wesentliche Voraussetzung für die Verstehbarkeit des Lebens. Immer wieder beschäftigt er sich mit den Randbereichen der Medizin. So entstehen neben einer Vielzahl von wissenschaftlichen Publikationen umfangreiche Abhandlungen über gesellschaftliche Probleme und ethische Fragen in der Medizin ('Alle Zeit der Welt', 'Stille, du bleibende Sprache', 'Der mündige Patient', 'Goethe, der größte Chirurg'). Johannes Horn war von 1987 bis 2008 Chefarzt der Abteilung für Allgemein- und Visceralchirurgie des Städtischen Krankenhauses München-Harlaching.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783942825740
    Verlag: Dr. R. Kaden Verlag GmbH & Co. KG
    Größe: 555 kBytes
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Von der Notwendigkeit des Widerspruchs

Wesen und Bedeutung der Krankheit

E s ist charakteristisch für die heutige, vom wissenschaftlichen Denken geprägte Zeit, dass der Einstieg in ein Thema mit dem Versuch beginnt, eine treffende Definition des im Mittelpunkt stehenden Begriffes zu geben. Es sollen jedoch nicht die Krankheit bzw. die Krankheiten aus der Sicht der medizinischen Fachlichkeit erörtert werden, vielmehr soll uns im Folgenden das Krank-Sein als subjektive Erfahrung des Menschen beschäftigen. Ausgangspunkt ist ein Zustand, der durch das Fehlen irgendwelcher körperlicher oder psychischer Einschränkungen an sich nicht wahrgenommen wird. Gesundheit ist ein nicht bewusst werdender Zustand. Er ist deshalb selbstverständlich, weil er sich aus sich selbst heraus versteht, weil er da ist, präsent, gegenwärtig, verfügbar. Verfügbar ist er, weil er uns zur Verfügung steht für alles, was im Außen zu tun und zu verrichten ist. Trotz seiner Abhängigkeit von Schlaf, Ernährung und sozialer Eingebundenheit erweist sich dieser Zustand als äußerst stabil. Lange Zeit vermag der Mensch auftretende Defizite zu kompensieren, auch dies, ohne dass es ihm bewusst würde und ohne dass sich daraus zwangsläufig schwer wiegende Folgen ergeben müssten. Soweit also die ersten Feststellungen: Gesundheit ist ein Zustand, der nicht bewusst wird, ein Zustand, der a priori gegeben ist und ein Zustand großer Stabilität, mit weitreichenden Kompensationsmöglichkeiten. Gesundheit ist Ausdruck und Beleg dafür, dass das Leben geschenktes Leben ist.

Nachdem Gesundheit, solange sie gegeben ist, nicht ins Bewusstsein tritt, wird sie kaum oder gar nicht auf ihr Zustandekommen hin reflektiert. Gerade aus der Erfahrung des Kindesalters wissen wir, dass jedem Menschen mit seinem Eintreten in die Welt eine ihm eigene Lebensausstattung zur Verfügung steht. Das Kind nimmt die Außenwelt, nicht aber sich selbst wahr; es hinterfragt seine Lebensausstattung nicht, unabhängig davon, wie sie sich aus der Sicht des Erwachsenen, das heißt von außen darstellt. Einen evtl. bestehenden Mangel stellt das Kind nicht fest, auch wenn er de facto gegeben sein sollte. Das Kind folgt demnach ausschließlich seinem inneren Drang, der ihm sagt: Lebe! Nach seiner Gesundheit befragt, wüsste es nichts zu antworten. Die Frage stellt sich ihm nicht. Die Antwort, gäbe es eine, könnte nur lauten: Ich bin, wie ich bin. Die Augen sind wach, frei und aufnahmefähig für die Welt; das Kind folgt einem inneren Drang, der ihm ein Leben aus sich selbst ermöglicht! Mit der Entdeckung des "ich" und dem reifenden Selbstbewusstsein gerät die Lebensausstattung zunehmend ins Blickfeld aufmerksamer Beobachtung. Das Eigene wird mit den gewonnenen Erfahrungen verglichen, die aus Elternhaus, Schule und dem sich ständig weitenden Umfeld immer konkretere Formen annehmen. Es ist in vieler Hinsicht eine Zeit intensiver Prägungen. Erst jetzt fallen durch vergleichende Beobachtungen dem Kind evtl. bestehende oder empfundene Mängel, Störungen oder Defektbildungen auf, doch auch unabhängig von solchen Feststellungen entscheidet sich in diesen frühen Jahren, wann und ob etwas als gesund oder krank eingeschätzt wird, wann Stärke gefühlt und wann Schwäche empfunden wird. Es bildet sich gleichsam der Bewertungsmaßstab für das Gefühl von "gesund" oder "krank", von stark und schwach, von Selbstsicherheit und Abhängigkeit, ein Vorgang, der stark von äußeren Einflüssen abhängig ist. In den frühen Entwicklungsjahren entscheidet sich, inwieweit das kindliche Urvertrauen auch in der weiteren rationalisierten Lebenswahrnehmung Bestand hat oder ob es sich mit ständigen ängstlichen und zweifelnden Selbstbeobachtungen auseinandersetzt.

Im Tarieren, Ausloten und Vergleichen zwischen dem, was Gabe und Begabung ist und dem, was der junge Mensch im Außen wahrnimmt, spielen Verhaltensweisen im Elternhaus, im Bekanntenkreis und im vertrauten Umfeld eine maßgebliche Rolle für sein eigenes späteres Verhalten.

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