text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Warum Architektur keine Kunst ist Fundamentales über scheinbar Funktionales von Loos, Adolf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.01.2014
  • Verlag: Metroverlag
eBook (ePUB)
10,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Warum Architektur keine Kunst ist

Hat der Architekt alle Freiheiten des Künstlers? Wie modern muss ein Haus sein? Und warum ist Stuck aus Beton ein Verbrechen? Scharfzüngig geht der berühmte und für seine Polemiken berüchtigte Architekt Adolf Loos mit seinen Zeitgenossen ins Gericht. In seinen Essays geht er weit über Architekturthemen hinaus, immer stellt sich auch die Frage: Wie lebt man zeitgemäß? Loos liefert pointierte Antworten - amüsant, provokant, treffsicher! Geboren 1870, war Journalist und Architekt. Als scharfer Kritiker der angewandten Kunst gilt Loos heute als einer der Pioniere der modernen Architektur. Adolf Loos starb 1933 in Wien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 08.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783993007034
    Verlag: Metroverlag
    Größe: 476 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Warum Architektur keine Kunst ist

Die alte und die neue Richtung in der Baukunst

Eine Parallele mit besonderer Rücksicht auf die Wiener Kunstverhältnisse

Mir will es scheinen, als nähme die Architektur unter den bildenden Künsten in Bezug auf die Reihenfolge in der Anpassung an die herrschenden Zeitströmungen den letzten Platz ein. Das ist sehr erklärlich. Das Bild, der Stich, das Bildwerk verdanken einem glücklichen Gedanken ihre Entstehung, und das Kunstwerk kann nach Wochen oder Monaten der Welt übergeben werden. Anders das Bauwerk. Schon die Vorarbeiten erfordern eine geistige und künstlerische Tätigkeit von Jahren, undüber die Ausführung vergeht wohl gar ein Menschenalter.

Umso leichter wird es uns nun aber auf Grund der Wandlungen, die die anderen Künste bereits überstanden haben, die neuen Pfade der Architektur erraten zu können. Die Architektur, eine Raum und Formkunst (zum Unterschiede jener Anschauung, die die Architektur unter die grafischen Künste verweisen will), wird insbesonders von der Bildhauerei beeinflußt werden. Wir sehen, wie sich im Laufe des Jahrhunderts eine soziale Strömung bemerkbar machte, die gegenwärtig die Plastik bereits erfaßt hat: Die Handarbeit kommt wieder zu Ehren.

Wir lebten noch vor kurzem in einem merkwürdigen Zeitalter. Dem war der Kopfarbeiter alles, der Handarbeiter nichts. Der Mann in der blauen Schürze, war er noch so tüchtig, stand in sozialer Beziehung tief unter dem schlecht besoldeten Schreiberlein im Amte. Auch die Künste wurden von diesem Wahne erfaßt: Wo es nur immer anging, überließ man die eigentliche Handarbeit dem sklavisch schaffenden Handarbeiter. Bei der Malerei ging das wohl nicht. Der Bildhauer dagegen modellierte nur die verkleinerte Skizze. Die Bildhauerarbeit, das technische Beherrschen des Materials, blieb ihm fremd. Der Architekt aber vollends rührte sich schon gar nicht aus seinem Büro heraus und verfertigte seine Pläne, ohne vielleicht auch nur den Schauplatz seiner künstlerischen Tätigkeit gesehen zu haben. Dem Handwerker überließ er alles. Die Strebsamsten unter ihnen gingen wohl, nachdem jede Änderung ausgeschlossen war, auf den Bau und fluchten und wetterten über den dummen Gewerbsmann, der selbstverständlich ihren gezeichneten Intentionen nicht in allen Stücken nachgekommen war. Sie vergaßen eben, daß der Handwerker ein Mensch und keine Maschine sei.

Mit der Ansicht von der Minderwertigkeit der Handarbeit räumten vor allem die Engländer tüchtig auf. Willst du einen Topf machen, so konstruiere keine Rotationskörper, sondern setze dich nur selbst an die Drehscheibe. Willst du einen Sessel machen, so zeichne nicht erst lang herum, sondern greife nach dem Hobel. Sie führten den Künstler in die Werkstatt und riefen ihm das hic Rhodus, hic salta zu.

Nun kam es zur Reaktion. War es früher ordinär, in der Werkstatt zu arbeiten, so wurde es jetzt piekfein. Der Bildhauer N. N. wird die Danaebüste in verschiedenfarbigem Marmor mit eigener Hand aushauen. Hei, wie das klang! Renaissanceluft wehte einem aus einer solchen Nachricht entgegen. Der Künstler, der sich nicht scheute, Hammer und Meißel zu führen, das Steinmetzgewerbe zu erlernen, stand im Mittelpunkt des Interesses. Er stand nicht unter, wie ehemals, sondern über seinen nur zeichnenden und modellierenden Kollegen. Jene Bildhauer, die ihr Werk nicht einer geistlosen Kopiermaschine oder einem anders denkenden Steinbildhauer überlassen wollen, wurden immer mehr und mehr.

Auch die Architektur wird dieser Zeitforderung gerecht werden müssen. Der Architekt wird mehr am Bau arbeiten, er wird erst nach Fertigstellung des Raumes und nach der Feststellung seiner Beleuchtung auf seine dekorative Ausschmückung Beda

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen