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Warum ein Leben ohne Goethe sinnlos ist von Bollmann, Stefan (eBook)

  • Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
eBook (ePUB)
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Warum ein Leben ohne Goethe sinnlos ist

'Ergründe, ergrabe, ergreife das Glück' - Goethe für fast alle Lebenslagen Der Sinn des Lebens? Wenn einer mit beharrlicher Leidenschaft danach gesucht hat, dann Johann Wolfgang von Goethe. Stefan Bollmann destilliert aus Goethes Leben und seinen Werken ein so liebenswürdiges wie kurzweiliges Buch für alle, die es wie er nicht lassen können, nach dem Guten, Wahren und Schönen zu fragen. Goethe hat als Erster verstanden, dass der Sinn des Lebens die Summe dessen ist, wie wir jeden einzelnen unserer Tage gestalten. So gesehen und gelesen ist Goethe der beste und klügste aller vorstellbaren Ratgeber: Wie übersteht man die ersten 25 Jahre, ohne den Lebensmut zu verlieren? Warum kann die Zerstreuung zur Fokussierung führen? Von ihm erfahren wir aber auch, dass das Wichtigste am Reisen das Zurückkommen ist und wie man die Liebe neu entflammt. Stefan Bollmann zeigt uns einen Goethe, den wir gerade in unserer unübersichtlichen Gegenwart dringender denn je brauchen. Ohne ihn wäre das Leben tatsächlich sinnlos. Stefan Bollmann, geboren 1958, promovierte nach einem Studium der Literatur, Geschichte und Philosophie über Thomas Mann. 1998 tauschte er den Beruf des Hochschullehrers gegen den des Lektors in Publikumsverlagen. Stefan Bollmann hat zahlreiche Bücher veröffentlicht. Mit seinen Bestsellern 'Frauen, die lesen, sind gefährlich' (2005) sowie 'Frauen, die lesen, sind gefährlich und klug' (2010), beide erschienen im Elisabeth Sandmann Verlag, ist er dem Wandel der Lesekultur nachgegangen und hat den Boom des Themas mit angestoßen, das er in 'Frauen und Bücher. Eine Leidenschaft mit Folgen' (DVA 2013) noch umfänglicher betrachtet hat. Seine Bücher wurden in 16 Sprachen übersetzt und verkauften sich annähernd eine halbe Million Mal.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641157203
    Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
    Größe: 795 kBytes
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Warum ein Leben ohne Goethe sinnlos ist

II.
WIE MAN EINE LEBENSKRISE MEISTERT - UND DABEI ZUM AUTOR WIRD

"Sieh Lieber, was doch alles Schreibens Anfang und
Ende ist, die Reproduktion der Welt um mich, durch
die innre Welt, die alles packt, verbindet, neuschafft,
knetet und in eigner Form, Manier wieder hinstellt,
das bleibt ewig Geheimnis, Gott sei Dank, das ich auch
nicht offenbaren will den Gaffern und Schwätzern."

GOETHE AN FRIEDRICH HEINRICH JACOBI,
DEN DÜSSELDORFER FREUND, AM 21. AUGUST 1774

D er Entschluss, ein eigenes, unverbrauchtes, einzigartiges, kurz: ein individuelles Leben zu führen, ist ein erster Schritt. Doch Unabhängigkeitserklärungen wie die des jungen Goethe am Shakespeare-Tag sind eine Momentaufnahme, kein Dauerzustand. Die Frage, die sich sofort einstellt, lautet: Wie soll es denn aussehen, das eigene Leben? Wer oder was gibt Orientierung, wenn nicht mehr jene Sozialformen, die vorherige Generationen vorgelebt haben? Das eigene Leben ist nach einer Formulierung des Soziologen Ulrich Beck zunächst nur eine Leerstelle, die eine Gesellschaft hinterlässt, die der nachwachsenden Generation keine verbindlichen Angebote mehr macht, jedenfalls keine, die deren Erwartungen ans Leben entsprechen.

Goethe hat in dieser Situation eine Zeit lang mit der Religion geliebäugelt. Die Depression im Anschluss an seine Leipziger Studentenzeit trieb ihn in die Arme des Pietismus. Dort machte er intensive Bekanntschaft mit einer Frömmigkeit, die auf das Leben einwirken, es verwandeln wollte. Das Gemeinschaftsgefühl, dem er dort begegnete, hat ebenso zu seiner Heilung beigetragen wie der allem Religiösen eigentümliche Perspektivenwechsel: auf das zu sehen, was unsere Vorstellungskraft übersteigt, statt um das eigene Befinden zu kreisen. Die Abkehr von äußeren Attributen wie Macht und Erfolg, stattdessen die Hinwendung zu inneren Werten und solchen, die unser Bewusstsein transzendieren - alles das macht Religion bis auf den heutigen Tag nicht nur für junge Menschen attraktiv.

Schon bald wandte sich Goethe von den pietistischen Kreisen wieder ab, weil er mit ihrer Sektiererei und ihrem Sündenbewusstsein nichts anzufangen wusste. Die Energien jedoch, die der Glaube freisetzen kann, beeindruckten ihn nachhaltig. Aus dieser Phase brachte er den Gedanken mit, dass nur eine Lebensorientierung, die den ganzen Menschen anspricht, auch seine Ängste und Nöte, und diese negativen in positive Gefühle zu verwandeln versteht, seiner Generation etwas zu sagen und überhaupt eine Zukunft hat. Was seien "die tausendfältigen Religionen anders als tausendfache Äußerungen" jener Heilungskraft, die die Natur "in die Existenz eines jeden lebendigen Wesens" gelegt habe, wird er Jahre später, am 4. Oktober 1782, gegenüber dem reformierten Pfarrer und charismatischen Prediger Johann Caspar Lavater bekennen.

Je stärker er sich als Dichter profilierte - zuerst im Freundeskreis, später auch in gedruckter Form -, desto mehr übertrug Goethe die Energien des Glaubens auf die Literatur. Goethe war, was man bibelfest nennt - mit den Geschichten und Lebensweisheiten des Alten wie des Neuen Testaments war er aufgewachsen. Mit der Bibel lernte er - wie in protestantischen Elternhäusern üblich - Lesen und Schreiben; sie war seine Fibel. Spuren davon finden sich in seinen literarischen Texten ohne Zahl. Sie sind jedoch keineswegs ein Beleg für seine Gläubigkeit; bereits mit Anfang zwanzig hat Goethe einen naiven so gut wie einen metaphysischen Gottesglauben abgelegt. Vielmehr setzt er das Verfahren der Überblendung gewöhnlicher Ereignisse mit elementaren christlichen Mustern als Stilmittel ein. Es verleiht seinen Texten ein Pathos, das die zeitgenössischen Leser ungeheuer beeindruckte. Sein berühmtestes Werk, das in diesen Jahren entsteht - der Briefroman Die Leiden des jungen Werthers -, wendet mit großer Konsequenz Elemente der Passionsgeschichte Jesu au

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