text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Werkausgabe Ernst Brauner / Theater von Brauner, Ernst (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.10.2016
  • Verlag: Wieser Verlag
eBook (ePUB)
5,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Werkausgabe Ernst Brauner / Theater

Ernst Brauner schreibt: 'Wie bei allen jungen Menschen begann das Schreiben mit Gedichten. Die sollten in einer Zeitung publiziert werden. Aber: 'Alles - nur keine Zeitung!' Da war ich 18. Später arbeitete meine erste Frau beim eben gegründeten österreichischen Fernsehen. Das war damals für mich noch schlimmer als eine Zeitung. Also: ,Alles - nur kein Fernsehen!' Doch durch neue Freundschaften kam ein Theaterstück, das ich eben geschrieben hatte (Das Kreuz), nicht auf eine Bühne, aber ins Fernsehen. Und dann gleich ein zweites, zum Opernlibretto mutiert, wieder ins Fernsehen (Der Kardinal). Und wieder über einen Freund, der Dramaturg im Wiener Theater in der Josefstadt war, gelangte mein nächstes Theaterstück in eine Schreibtischlade dieses Theaters. Zu einer Aufführung kam es zwar nicht, aber von einem Bühnenverlag wurde es angenommen und herumgereicht und dann auch in einem Buchverlag gedruckt: Oratorium für Wölfe. Realiter spielt das Stück zwischen den Gräueln des Dreißigjährigen Kriegs und dann - fiktiv - als eine Alternative, die in der Geschichte niemals zustande kam und leider wieder vermutlich 'realiter' nie zustande kommen wird. Und auch in meinem nächsten Theaterstück Wir, Kaiser von Haiti geht es vordergründig um einen historischen Ablauf in einem einst tatsächlich existierenden karibischen Kaiserreich, in dem sich alles so ereignet hat wie später und heute in den Pseudodemokratien und Defacto-Diktaturen der jungen, eben den kolonialistischen Ausbeutungen entronnenen Staaten Schwarzafrikas. Ebenso spielt sich in Rosenbaum, König der Juden eine besonders schlimme, durch alle Zeiten hinweg wirkende Apokalypse ab: wie Opfer zu Tätern werden ... auf dem unvermeidlichen Geschichtsweg von Auschwitz zu den Gemetzeln von Sabra und Shantila, im Libanon, nahe der israelischen Grenze. Und auch bei anderen meiner Theaterstücke wie in den viel später geschriebenen Goethe- und Ovid-Paraphrasen Philemons Sohn geht es um Apokalypsen - oder um Parallelwelten. Ernst Brauner, geboren 1928 in Wien; Studium der Philosophie, Germanistik, Theaterwissenschaften; als Chefredakteur und Verlagsleiter in der Medienbranche tätig. Zuletzt bei Wieser: Struldbrugs. Eine Chronik aus den ersten Jahrzehnten des dritten Jahrtausends (2008). Die wundersame Päpstin. Ein Schelmenroman (2009). Jenseits von Sodom (2010). Die Mühlfelds (2011). O Böhmerwald! (2012), Srinagar (2013), Parallelwelten (2014), Befreiung (2015), Die Schalen des Zorns, Werkausgabe Band 1 (2015), Der Bund, Werkausgabe Band 2 (2015)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 360
    Erscheinungsdatum: 06.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990470572
    Verlag: Wieser Verlag
    Größe: 500 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Werkausgabe Ernst Brauner / Theater

DAS KREUZ

Schauspiel in 3 Akten und 5 Bildern

Personen:

Lucien

Rocky Morone

Der Pfarrer

Debres, ein ehemaliger Richter

Luigi

Jacques

Giaffino

Mariuccia, eine Stumme

Ein Alter

Ein Betrunkener

Eine Frau

Männer, Frauen, "Jünger", Kinder

Das Stück spielt auf Korsika, um die Osterzeit.

ERSTER AKT

1. Bild

(Erhöhter Platz im Dorf. Hinten die Kirche, links und rechts, bereits an den abfallenden Flanken des Hügels, verhältnismäßig hohe, schmale Häuser, wie auch die Kirche aus rohen, nur notdürftig übertünchten Mauern; nur die Fensterläden leuchten blau - blau wie der tiefe Himmel über diesem grauen Stein. Es ist seltsam mit diesem Platz: Menschen können hier mitten im warmen, strahlenden Licht der Sonne stehen, sich strecken und regen und lachen, und sind doch immer wie zwischen den Mauern eines Gefängnisses, dem sie nie entrinnen. - Vor der Kirche stehen zwei hölzerne Kreuze, wie man sie von Bildern der Passion Christi kennt; ein drittes in der Mitte, ist eben von zwei Männern aufgerichtet worden und wird noch gehalten. Die beiden Männer sind LUIGI, ungefähr 50, und JACQUES, ungefähr 20 Jahre alt, zwei Zimmerleute. Vor ihnen steht DEBRES, ein pensionierter Richter. Links an der Hauswand lehnt GIAFFINO, ein jüngerer Polizist, und sieht misstrauisch zu.)

LUIGI: Jedes Jahr wird es größer, das Kreuz, und schwerer. Ich möchte wissen, warum!

DEBRES: Warum? Das muss so sein! Noch etwas nach rechts, Luigi!

LUIGI: (verschiebt das Kreuz mit Jacques) Etwas nach rechts, etwas nach links, weiter vor, weiter zurück! Wozu soll das gut sein? Wir tragen es ohnedies wieder weg!

DEBRES: Du verstehst nichts von der Kunst, Luigi. Warst du schon einmal im Theater?

LUIGI: Nur im Kino!

DEBRES: Eine ordentliche Premiere braucht eine harte Probe! Applaus kostet Schweiß!

LUIGI: Theater, Herr? Das ist kein Theater! Wir brauchen keinen Applaus!

DEBRES: Schon recht, mein Freund. Ihr braucht keinen Applaus! Aber das Geld steckt ihr ein, das die Fremden dalassen! Wie war das, bevor ich gekommen bin? Ein simples Spiel - nicht mehr! Und eine Gelegenheit, sich nachher zu besaufen und Händel zu suchen! Eine schöne Passion! Genau so wird der da oben es sich vorgestellt haben!

GIAFFINO: Glauben Sie, so hat er sich's vorgestellt, wie Sie es aufziehen? Golgatha zu mäßigen Preisen! Wenn möglich mit Wochenschau und Fernsehen!

DEBRES: Oh, er hat nichts dagegen, wenn Geld ins Haus kommt! Und es kommt Geld ins Haus, auch in seines! Vor zehn Jahren tauchten die ersten Fremden auf. Ich habe sie eingeladen, ich persönlich! Und seither kamen jedes Jahr ein paar Hundert mehr. Ihr habt einen Ruf bekommen! Und drei Kreuze im Fremdenführer!

LUIGI: Schon recht Herr, wir sagen ja nichts mehr! (Rückt das Kreuz) Steht es so gut?

DEBRES: Lass stehen! Prächtig! Wie auf einem Gemälde!

JACQUES: Ist es wahr, dass ein Krimineller kommt? Ein richtiger Schwerverbrecher?

GIAFFINO: Ja, einer, den die Polizei auf der ganzen Welt jagt! Ein Vieh, eine bluttriefende Bestie - aber hier wird er mit allen Ehren empfangen werden. Wie ein gekröntes Haupt! Wie der Heilige Vater selber!

DEBRES: Und du musst dabeistehen, mein Junge, was? Und die Handschellen zwicken dich in der Tasche, und der Revolver juckt dir in der Hand, ha ha!

GIAFFINO: Ich muss mich über Sie wundern, Herr! Sie waren doch auch einmal Rechtsanwalt oder so etwas!

DEBRES: Richter, mein Junge! Fünfundzwanzig Jahre lang! Zuerst in Paris und dann in eurem verfluchten Ajaccio!

GIAFFINO: Richter! Und da finden Sie das in Ordnung, was hier jedes Jahr vorgeht? Finden Sie das im Sinne der Gerechtigkeit?

DEBRES: Es ist das Vorrecht der Pensionisten, sich an ihrem alten Beruf zu rächen. Was aber dich betrifft, so spri

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen