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Wunder der Weihnacht - Die schönsten Geschichten von Heinrich Waggerl, Karl (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.11.2015
  • Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Wunder der Weihnacht - Die schönsten Geschichten

Die Vorfreude auf das Fest ist sicher einer der schönsten Gründe, wieder einmal ein gutes Buch zur Hand zu nehmen und sich damit in die adventlich geschmückte Stube zurückzuziehen. Dieser Band versammelt beliebte und stimmungsvolle Texte zur Weihnachtszeit. Sie erzählen Heiteres und Besinnliches, Bekanntes und Neues, zaubern Schnee unter unsere Stiefel und Tannenduft in die Nasen. Lassen Sie sich berichten vom Wunder der Weihnacht! Mit Texten und Gedichten unter anderem von: Johann Wolfgang von Goethe, Joseph Freiherr von Eichendorff, Peter Rosegger, Ludwig Thoma, Adalbert Stifter, Rainer Maria Rilke, Karl Heinrich Waggerl und Theodor Storm.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 09.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783475545559
    Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
    Größe: 9604 kBytes
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Wunder der Weihnacht - Die schönsten Geschichten

Weihnachtsfahrt und Weihnachtspredigt

von Wilhelm Raabe

Es war der vierundzwanzigste Dezember, und alle die jungen Damen, welche Zigarrentaschen und Polster und Kissen für den Rücken gestickt hatten - die Seelen der Männer, der jungen und alten, zu fangen, nach dem Wort des Propheten Ezechiel im dreizehnten Kapitel, Vers siebzehn und achtzehn, waren fertig mit ihrer Arbeit und erwarteten ihrerseits die Dinge, die da kommen sollten. Es warteten sehr viele Leute - große und kleine - auf kommende gute Dinge - der Himmel war am Morgen und Mittag so blau, wie man es sich nur wünschen mochte. Die Sonne bestrahlte glitzernd die weiße Weihnachtswelt und färbte sich erst am Nachmittag blutrot, als sie in den aufsteigenden Nebel hinab sank. Es schien, als ob die Sonne es wisse, dass hunderttausend Christbäume auf ihren Niedergang warteten, und es schien, als ob sie gutmütig und froh ihren Lauf beschleunige. Um fünf Minuten nach vier Uhr war das letzte Stückchen feuriges Gold hinter dem Horizont versunken - der Heilige Abend war da, war endlich gekommen, nachdem sich Millionen Kinderherzen so lange nach ihm gesehnt hatten. Um fünf Uhr läuteten alle Glocken im Lande den morgigen Festtag ein. Die Kuchen waren fertig, und es wurde Friede in der Brust auch der scheuereifrigsten Hausfrau. Um sechs Uhr stand jeder festlich geschmückte Tannenbaum in vollem Lichterglanz, und wer noch froh und glücklich sein konnte, der war es gewisslich um diese Stunde, in welcher sich das Himmelreich derer, die da sind wie die Kinder, auch dem trübsten Blick öffnet und das dunkelste Herz hell macht.

Das war ein Reisetag! Das war ein Tag, um der Heimat zuzueilen! Hans Unwirrsch und Fränzchen Götz bedurften keines Zaubermantels, keines übernatürlichen Beförderungsmittels mehr. Der Postwagen oder vielmehr Postschlitten, der sie gen Freudenstadt führte, war selber ein zauberhaftes Vehikel, das dreist mit Oberons fliegender Muschel, mit dem fliegenden Koffer der arabischen Märchen, mit dem hölzernen Gaul, auf welchem der Ritter Peter mit dem silbernen Schlüssel und die schöne Magelone ritten, es aufnehmen konnte. Hans hatte sich als der trefflichste Reisemarschall erwiesen, sowohl während der Eisenbahnfahrt als auch am vergangenen Abend im Gasthof zu , wo er das Fränzchen unter den besonderen Schutz der vornehmen Frau Wirtin stellte und die freundliche Versicherung erhielt, dass das Fräulein unter keinem Dach in der Welt sicherer und behaglicher schlafen solle. Richtig wurde es ihm am andern Morgen vergnüglich und wohlbehalten überliefert. Sie nahmen Abschied von der wackern Frau Wirtin, die dem Fränzchen noch einen Sack mit heißem Sand, 'der kalten Füße wegen', nach dem Posthofe schickte. Sie fanden ihre Plätze auf dem Postschlitten und fuhren hinein in den vierundzwanzigsten Dezember, ohne die Lerchen am klaren, hellblauen Himmel zu vermissen.

Wahrlich war die Post und der Weg nach Freudenstadt verzaubert. Hans Unwirrsch, der doch beides ziemlich genau kennen gelernt hatte, erkannte beides nicht wieder. Die Juden schienen bei solcher Kälte nicht zu reisen, und die Passagiere, die unterwegs ein- und ausstiegen, waren mit ihren mannigfaltigen Paketen, Schachteln und Körben in heiterster Weihnachtsstimmung, und der alte joviale Herr, welchem der Hanswurst, der den Enkel am Abend erfreuen sollte, aus der Brusttasche guckte, konnte schon allein die Beschwerlichkeiten der Reise zu einem Spaß machen.

Der Weg war vortrefflich, und kein grober Bauer brauchte mit seinen Gäulen Vorspann zu leisten. Auf der glatten Bahn flog der Schlitten pfeilschnell dahin, und die Postillone wurden nicht müde, ihre Weihnachtsstimmung durch Peitschengeknall und wohlgemeinte Hornmusik kundzugeben. Durch alle Orte, durch welche die Post fuhr, war vor ihr der Weihnachtsmann geschritten, und jedermann sah aus, als ob er ihm so lange als möglich nachgesehen habe. Auch der bösartigste Stallknecht vor den Posthaltereien hatte sein Gesicht z

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