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Das Perchtenerbe von Arnold, Birgit (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.10.2020
  • Verlag: Yellow King Productions
eBook
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Das Perchtenerbe

Trommelschläge, Schreie, Glockengeläut laut und angsteinflößend ziehen wilde Gestalten durch die Straßen der Alpenländer.Die Perchten kommen während der dunkelsten Jahreszeit, um über die Menschen zu richten.Im Haus ihrer Großeltern betritt Marie ein bis dahin verschlossen gebliebenesZimmer ihres verstorbenen Großvaters. Sie entdeckt zahlreiche geschnitzte Holzmasken, die dieser Zeit seines Lebens angefertigt hatte. Darunter eine, deren Ausstrahlung sie besonders in ihren Bann zieht: die Maske der Frau Percht.Und schon bald taucht Marie in die Erzählungen ihrer Großmutter über diese längst vergessene Sagengestalt und die düstere Welt des Brauchtums ein.Eine Geschichte über Enttäuschungen, Verzweiflung und Hoffnung,über den alten Naturglauben, der von der christlichen Kirche immer weiter verdrängt wurde.Eine Geschichte über Licht und Finsternis,hin- und hergerissen zwischen dem Reich der Lebenden und der Unterwelt.Eine Geschichte, die in Marie fortleben wird.Mit farbigen Illustrationen von Benjamin König!

Birgit Arnold wuchs im bayerischen Fünfseenland auf. Schon immer war ihr die Nähe zu Natur und Heimat wichtig. Nach ihrem Studium der Europäischen Betriebswirtschaftslehre war sie lange im Finanzbereich tätig, bis sie sich auf ihre wahre Leidenschaft besann, und ihr Hobby zum Beruf machte. Sie nahm Sprech- und Schauspielunterricht und arbeitet heute hauptberuflich als Sprecherin und Sängerin. Durch das Schreiben verbindet sie ihre Leidenschaften Natur, Heimat und die Arbeit an Texten.

Produktinformationen

    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 104
    Erscheinungsdatum: 30.10.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783946309994
    Verlag: Yellow King Productions
    Größe: 1180 kBytes
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Das Perchtenerbe

PROLOG

Marie stand zitternd am Fenster im Haus ihrer Großmutter und blickte hinaus in die Finsternis. Schreie hallten durch die eisige Nacht. Es war die dunkelste und kälteste Zeit des Jahres. Die Fensterscheiben waren angelaufen, nur schemenhaft erkannte sie eine Gruppe mit gruseligen Masken verkleideter Männer, die durch die Straßen des kleinen Ortes lief. Manche der düsteren Gesellen erinnerten sie an Fantasy-Figuren aus einem Computerspiel, das ihr jüngerer Bruder immer spielte. Sie waren in Fell und Lumpen gehüllt, ihre Augen sahen aus wie zersplittertes Glas, lange schiefe Zähne und große Hakennasen zogen den Blick magisch an. Manche hatten Hörner, gerillt wie bei einem Steinbock. Wildes Glockengeläute hallte zwischen den Häuserwänden wider. Marie wusste, dass der Lärm den Winter vertreiben sollte. Sie zweifelte nicht daran, dass dieses unheimliche Geräusch alles verjagen könnte. Sie selbst wäre auch am liebsten davongelaufen.

Die Zeit, als sie diese Wesen dort draußen für echt hielt, war schon lange vergangen. Doch noch immer jagten sie ihr Schauer über den Rücken. Im Stillen betete Marie darum, dass es bald Mitternacht würde. Dann hätte dieser Spuk endlich ein Ende.

 

Als sie sich umdrehte, stand ihre Großmutter mit einer Tasse heißer Milch vor ihr. Der Dampf stieg, sich leicht kräuselnd, empor. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Das Getränk erinnerte sie an die Zeit, als sie auf dem Schoß ihrer Großmutter saß und sich Tränen des Kummers oder des Schmerzes trocknen ließ. Wenn sie die warme Milch in kleinen Schlucken trank, breitete sich ein wunderbar wohliges Gefühl der Geborgenheit in ihr aus.

"Hast du Angst?", fragte die alte Frau liebevoll.

"Ja, etwas", antwortete Marie und schielte nach der Tasse. Dann griff sie nach ihr und wärmte sich die Hände an dem bauchigen Gefäß.

Die alte Frau sah ihr tief in die Augen. "Komm mal mit. Ich werde dir etwas zeigen."

Langsam drehte sie sich um und ging Marie voraus zu einem Zimmer, welches diese noch nie betreten hatte. Früher war es stets verschlossen gewesen. Als ihre Großmutter die Türe ganz öffnete, wich Marie erschrocken einen Schritt zurück. Kalte, grausame Blicke schienen sie zu durchbohren. Aber nein. Marie atmete erleichtert auf. Das waren nur Masken. Das ganze Zimmer war voller Perchta-Masken. Die meisten waren angsteinflößende Schiachperchten, die Masken welche die Gestalten draußen auf der Straße trugen. Doch aus der Ecke links strahlten ihr auch Sonnenmasken entgegen. Vorsichtig betrat Marie den Raum und sah sich die geschnitzten hölzernen Gesichter näher an. Sie alle waren sehr kunstvoll gearbeitet, richtige Meisterwerke. Und jede von ihnen sah unendlich alt aus. Sie waren gut erhalten und ihre Ausstrahlung zeugte von uraltem Wissen. Jede hatte ihren eigenen Charakter. Marie wollte mit den Fingern den Konturen der Gesichter folgen, die tiefen Falten spüren, die Struktur des Holzes. Ihre Hand hob sich, doch sie hielt scheu in der Bewegung inne. Die Masken strahlten eine unantastbare Würde aus. Und mit ihrer Berührung würde Marie diese verletzen. Es käme ihr wie Frevel vor.

"Die Masken sind nicht so alt, wie sie aussehen", sprach die Großmutter in ruhigem Ton. "Dein Großvater hat sie seit seiner Jugend angefertigt. In jeder freien Minute gab er sich dem Erforschen des Perchtenbrauchtums hin."

Sie lachte leise auf.

"Ich dachte mir oft, dass er und seine Freunde sich wie kleine Jungen benehmen. Nächtelang habe ich diesen Kindskopf nicht zu sehen bekommen, weil er mal wieder mit einer neuen Idee in seiner Werkstatt verschwand. Ich konnte schon froh sein, wenn er zwischendurch erschien, um gemeinsam mit mir zu essen. Er und seine Freunde versanken in der Mystik, die sie sich rund um das Thema Perchten gebaut hatten. Und wenn er dann nach vielen Tagen wieder zum Vorschein kam, lag eine Erwartung in seinem Blick, die ich nicht enttäuschen konnte."

Während ihre

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