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Der gegrillte Mann Erotische Mythen vom Amazonas. Herausgegeben von Betty Mindlin. Herausgegeben von Betty Mindlin

  • Verlag: Unionsverlag
eBook (ePUB)
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Der gegrillte Mann

Vogelfrauen, Schlangenmänner, fliegende Köpfe, Riesenpenisse und gefräßige Vaginen bevölkern die Mythenwelt der brasilianischen Amazonas-Indianer. Der Kampf der Geschlechter wird mitunter mit drastischen Mitteln ausgefochten, und so mancher Galan endet auf dem Grill. Doch neben schwarzem Humor und dem Vergnügen am Schrecken dominiert die Hingebungsfreude, die Lust an der Lust, die sich frei von urbaner Scheu offenbart. Diese Geschichten mit ihrer großen literarischen Kraft entführen uns in eine fremdartige, schillernde, verzauberte Welt, doch die Themen - Liebe, Verführung, Eifersucht, Schmerz - sind universell. Sie erschließen erstmals eine unbekannte Literatur, die vom Untergang bedroht ist. 'Eine beeindruckende Sammlung, der ein Platz unter den Klassikern der Amerindischen Mythologie gebührt. Ich habe dieses Buch mit großem Genuss gelesen.' Claude Lévi-Strauss

Betty Mindlin beschäftigt sich als international bekannte Anthropologin seit 1976 mit den Kulturen der indigenen Völker im brasilianischen Amazonasgebiet und lehrt an der Universität von São Paulo. Seit vielen Jahren engagiert sie sich außerdem für die Rechte der Ureinwohner Lateinamerikas.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783293302310
    Verlag: Unionsverlag
    Originaltitel: Moqueca de maridos
    Größe: 2980 kBytes
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Der gegrillte Mann

Einleitung

Dieses Buch ist eine Anthologie indianischer Mythen über die Liebe, die ich in verschiedenen indianischen Sprachen aufgenommen habe und die hier erstmals in schriftlicher Form erscheinen. Lieben und Nicht-Lieben: eines der beliebtesten Themen der Menschheit. Arbeit, Essen, Liebe, das Jenseits und die Kunst sind Grundthemen des Lebens. Amouröse Verstrickungen bilden den roten Faden in den hier vorliegenden Mythen.

Paare, die sich lieben oder streiten, mögen glauben, ihre Situation sei einzigartig und ihr Glück oder Unglück hänge allein mit ihrer Persönlichkeit und ihrer individuellen Geschichte zusammen, mit ihren Gemeinsamkeiten und Gegensätzen.

Archaische, vielleicht jahrtausendealte Mythen wie die der Indianer Rondônias, die von Generation zu Generation überliefert werden und im Gedächtnis der Erzähler wie der Zuhörer aufbewahrt werden, regen zu einem anderen Blickwinkel an. Sie zeigen ein ewiges Moment der Liebe, ein Grundmuster von Einig- und Uneinigkeit zwischen den Geschlechtern, das über die Zeit hinweg, ungeachtet der verschiedenen Gesellschaften, Bräuche, sozialen Bedingungen und Sprachen, überraschend ähnlich geblieben ist.

Vieles, was wir bei diesem grundlegenden Aspekt des Lebens, dem Zusammenleben der Geschlechter, uns selbst zuschreiben, unserem Verhalten oder unserem Schicksal, hat in Wirklichkeit einen allgemeinen Ursprung. Wir bauen uns unsere Existenz innerhalb gegebener sozialer Bedingungen auf, ohne zu wissen, dass wir nur wiederholen, was so viele andere Generationen schon vor uns durchlebt haben. Eine Lektion, die tröstend oder auch niederschmetternd sein kann, je nach Standpunkt.

Die kleinen Lebensgemeinschaften in den Dörfern des brasilianischen Urwalds bieten reichlich Material, um über diese Tatsache nachzudenken. Die Geschichten sind überraschend und aktuell und würden durchaus auch als Grundgerüst moderner Romane taugen. Einige sind Musterbeispiele des Dramas der Liebe. Die Themen sind alt: Verführung; das Mutter-Tochter-Verhältnis zwischen Konkurrenz und Solidarität; die einsame Liebe; Unersättlichkeit; der Traum von einer abenteuerlichen, um nicht zu sagen romantischen Liebe; verzauberte Frauen und Männer mitten im Urwald oder auf dem Grund des Wassers; Inzest, die verbotene Liebe; rivalisierende Liebhaber, die sich gegenseitig umbringen; Witwenschaft und die Rolle des Toten; Gewalt und Rache; und so weiter und so fort. Die Liebe erscheint in diesen Geschichten oft kompliziert und schwer zu finden, und manchmal kommt sie unerwartet wie ein Geschenk daher.

Im Laufe der Jahre zeichnete ich bei den verschiedenen Völkern immer mehr Geschichten auf. Daraus sind bereits zwei Bände über die Mythologie indianischer Völker derselben Region entstanden: Vozes da origem (Stimmen des Ursprungs) und Tuparis e Tarupás. Und auch Der gegrillte Mann ist Teil einer viel größeren Sammlung von Mythen, die in verschiedenen Sprachen festgehalten und seit 1993 ins Portugiesische übertragen wurden. Je weiter dieses Forschungsprojekt fortschritt, desto mehr drängten sich Vergleiche, Kommentare, Erklärungen und Theorieversuche auf. Ich denke aber, dass es wichtig ist, dem Leser die Freude an der Überraschung und am Entdecken nicht zu nehmen. Die Geschichten sollen für sich sprechen; unser Ideensystem sollte als Einführung entbehrlich sein. Andererseits kann ein gewisses Maß an Analyse so etwas wie ein Ariadnefaden sein, der uns durch das Gewirr der Handlungen führt und uns zeigt, wie heutig die Gedankenwelt einer Gesellschaft sein kann, die so anders ist als die unsere. Um diese beiden widersprüchlichen Überlegungen miteinander zu versöhnen, habe ich einen kleinen Essay über die Mythen ans Ende des Buches gesetzt.

Die für Der gegrillte Mann ausgewählten Geschichten, die sich immer um das Thema Liebe drehen, sind nach den einzelnen Volksgruppen der Erzähler geordnet: Macurap, Tupari, Ajur

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