text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Galerie der unterhaltendsten Geister- und Zaubergeschichten (Sammelband: Band 1-3) Galerie der unterhaltendsten Geister- und Zaubergeschichten. [1826]. von Vulpius, Christian A. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.10.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
2,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Galerie der unterhaltendsten Geister- und Zaubergeschichten

= Digitale Neufassung für eBook-Reader = Vulpius: So ausgemacht und gewiss es ist, dass meine Leser und Leserinnen nicht mehr an Geister-und Gespenster-Erscheinungen, an Walten und Wirken der Hexen und Zauberer, ja an den Teufel und seine Kunstwirkungen, der neuesten Erklärung des Bischofs von Lausanne ungeachtet, glauben, so habe ich doch gemeint, als romantische Erzählungen betrachtet, würden viele Gespenstergeschichten und dergleichen sich lesen lassen und vielleicht auch unterhalten.

Der Autor Christian August Vulpius wurde am 23. Januar 1762 in Weimar geboren. Er studierte in Jena sowie Erlangen Jura und wurde mit Hilfe seines Schwagers Goethe Sekretär des Buchhändlers Georg Joachim Göschen. Im Jahr 1797 wechselte er als Librettist an das Weimarer Theater, bevor er als Registrator, später Bibliotheksekretär und folgend Bibliothekar an der Weimarer Bibliothek tätig wurde. Christian August Vulpius starb am 26. Juni 1827 in Weimar.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 190
    Erscheinungsdatum: 10.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741236891
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 523kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Galerie der unterhaltendsten Geister- und Zaubergeschichten

I. / I. Die doppelte Erscheinung.

Et visio est nihil!

Opsopaeus.

Ganz gemächlich ließ Ritter Gandolf, der Edle von Morungen, sich in seinem wohlgepolsterten Bequemstuhle nieder, erwartend den Pater Gervasius, seinen und seiner Familie Beichtvater, welchen er zu sich hatte entbieten lassen, mancherlei mit ihm zu sprechen. Sein geschäftiger Rüstmeister Steinhart trug zwei Tischchen herbei, besetzt und belegt mit wohlgefüllten Weinkännchen und Bechern und mehreren Küchleinscheibchen; und kaum war alles gehörig besorgt, als der Erwartete eintrat.

"Pax vobiscum!" herausstöhnend, nahm er sogleich Platz und sprach, nach einem eingenommenen Schluck weiter: "Ihr seid wohl zu loben und beneidenswert zu preisen, edler Ritter Morungen für die

Wohltat, welche der Allmächtige Euch erzeigt hat, indem er Euch eine so edel, schöne und kluge Tochter, die fromme Gisela, geschenkt hat, welche allen ihren Bekannten gefällt."

"Ja, wertester Herr Pater!" fiel Ritter Gandolf ein, "deshalb sei Gott gelobt und gepriesen; wenn Ihr aber bedenkt -"

"O! welchem Manne Gott hinieden eine Tochter geschenkt hat, welche sich nach und nach ihrer Ehebürtigkeit naht, den hat er auch zu diesen und jenen Rücksichten erkoren."

"Das würde sich wohl geben, was aber jetzt meine Gisela erfahren muss -"

"Lieber Mann, davon und darüber wird viel zu reden sein!" -

"Als ihr Beichtvater werdet Ihr wohl selbst wissen -?"

"Sie hat sich in einer langen Ohrenbeichte mir, hoffe ich, ganz vertraut -"

"Also hat sie Euch erzählt -"

"Die doppelte Erscheinungsgeschichte? o ja! - Sonderbar! - rufe ich auch jetzt wieder aus. - Es sind ihre Erscheinungsbilder; - Lasst Euch erzählen, edler Ritter und hört mich wohl an, ohne mich zu unterbrechen. Unsere wichtige, unter Schlössern liegende Chronik habe ich durchgesehen und mich durch dieselbe, in unserer Sangerhäuser Geschichte wohl informiert. Lasst Euch erzählen, was ich gelesen habe. - Cecilia hieß, als sie noch lebte, eine Markgräfin und Herzogin, die durch Heirat Sangerhausen an eine andere Herrschaft brachte.

Man weiß nicht, wie es kam, dass sie, als sie Witwe war, durch der Leute Mäuler verschrien wurde, denn sie soll wohl und dabei sehr unregelmäßig gelebt haben. Dennoch aber fand sich ein Graf, der sie gern sah und sich um ihre Huld bewarb. Das war der erste, nachherige Landgraf Ludwig von Thüringen, der, einen großen Bart tragend, bei den Weibern sich gar angenehm zu machen wusste; deshalb er auch der Bärtige genannt wurde. Dieser gefiel der lebenslustigen Witwe Cecilia, erhielt ihre Hand und

mit ihr ihre Besitzungen, unter denen auch Sangerhausen war. Sie selbst war reich, schön und wohlgestaltet. Dies ist die edle Frau, die längst schon verschieden, vor kurzem Eurer Gisela erschienen ist, heraufsteigend aus ihrer Gruft in der Kirche zu St. Jakob."

Rasch ging die Tür des nahegelegenen Betstübchens auf, Gisela trat ein, eilte herbei und sprach:

"So, mein lieber Vater! wie der Herr Pater von mir erzählt, war es. - Betend lag ich auf den Knien in unserer St. Jakobs-Kirche; da rauschte es vernehmlich hinter mir. Als ist aufstand, sah ich eine weißgekleidete Frau neben mir stehen, und hörte von ihr, dass sie sprach: "Ich bin Cecilia." - - Meinen Augen und meinen Sinnen kaum trauend, sprach ich von dieser Erscheinung nicht, und nur dann erst, als ich mehrere Male dieselbe hatte. Da fragte ich mich selbst: Ist es möglich, dass ein Mensch dergleichen geistische Erscheinungen haben kann? Ja, sprach die Vernunft, wenn der Mensch dazu geboren und erlesen ist. - Denn also hat der Herr über einiger Menschen Geistern gewaltet, dass er die selben des Anschauens verklärter Geister teilhaftig machte."

"Das ist wohl nicht zu leugnen, edle Beichttochter!", sagte der Pater Gervasius.

"Denn also sagt auch der heilige Kirchenvater Hieronymus: Je näher die Geister sich verwandt sind, je anschau

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen