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Märchen von Mutter Erde Zum Erzählen und Vorlesen.

  • Erscheinungsdatum: 23.11.2015
  • Verlag: Königsfurt Urania
eBook (PDF)
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Märchen von Mutter Erde

Barbara Stamer ist eine profunde Kennerin von Märchen, Mythen und Symbolkunde und hat zu diesen Themen bereits zahlreiche Publikationen herausgegeben.Als geheime Urkraft wurde die Erde einst als heilig verehrt. Die archaische Muttergottheit, die 'Große Göttin' oder 'Mutter Erde' gab es bei allen Völkern auf der Welt. In Mythen und Märchen findet sich dieser Glaube auch heute noch in Gestalt von Hexen und weisen Frauen, Schicksalsgöttinnen und z. B. der bekannten Märchenfigur Frau Holle. Von diesem Aspekt handeln die Märchen im ersten Teil des Buches. Weitere Themenbereiche sind die Erde als heilende (Kräuter, Brunnen), verderbenbringende oder schützende Kraft, Erdgeister (Zwerge, Erdmännlein) und Erdtiere (Kuh, Kröte, Schlange, Spinne).In ihrem Nachwort geht die Herausgeberin auf die vielfältigen Bezüge zwischen Mythen und Märchen ein.

Barbara Stamer studierte Anglistik und Germanistik, war als Gymnasialrätin tätig. Inspiriert durch den reichen Erzählschatz der Märchen aller Völker, entstanden während der jahrzehntelangen Unterrichtstätigkeit als Deutschlehrerin eine Reihe von fach-didaktischen Veröffentlichungen, jeweils Textbände mit vielfältigem Materialienteil und extra Schülerarbeitsheften. Im Mittelpunkt des literarischen Schaffens standen immer -Märchen-, das Interesse an dem geistesgeschichtlichen Zusammenhang zwischen Märchen, Mythos und Kunst im Kulturvergleich und deren Auswirkungen auf das Erzählgut. Bei Fachkongressen und Kulturveranstaltungen, unter anderem den Tagungen der 'Europäischen Märchengesellschaft', den 'Kultur- und Literaturtagen' verschiedener Städte oder der '9th International Conference on Children's Literature', Tel-Aviv, ) hat Barbara Stamer zu ihrem Spezialgebiet 'Märchen' zahlreiche Vorträge und Lesungen gehalten. Die Mehrzahl der publizierten Bücher sind Märchenanthologien, die Märchen aus alten Quellen nach Motiven und Themen präsentieren.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 23.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783868263213
    Verlag: Königsfurt Urania
    Größe: 1238kBytes
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Märchen von Mutter Erde

Der Eispalast der Dòna Kenìna

A ls Tjan-Bolpín aus dem Schloss vertrieben worden war, irrte er lange herum und kam schließlich zu einer alten Bäuerin, die ihn aufnahm und pflegte. Im nächsten Jahr konnte sie ihn schon als Ziegenhirten gebrauchen, und so ging nun Tjan-Bolpín jeden Tag mit seinen Ziegen in den Wald. Tjan-Bolpín wuchs heran und wurde groß und stark; er kletterte auch gut und holte manche Ziege, die sich verstiegen hatte, ohne Scheu von den Felsen herunter.

Nach einiger Zeit geschah es, dass man einen Schafhirten benötigte, und wie ehedem sein Vater, so wurde nun Tjan-Bolpín für diesen Dienst bestellt: "Heuer führen wir die Schafe unter den Sass de Salèi und in das Lastìes-Tal; der Schnee ist schon weggeschmolzen - geh hinauf, und schau dir das Gebiet gut an; dann komm wieder zu mir, und ich werde dich anstellen."

Am nächsten Morgen wanderte Tjan-Bolpín längs des Antermónt-Baches bergauf und hielt eine kurze Rast in Mortíz, wo er Freunde hatte; dann ging er weiter bis zum Waldrand, über welchem die furchtbaren Wände des Sass de Salèi senkrecht in den Himmel starren. Tjan-Bolpín schaute eine Zeitlang zu diesen Felsen hinauf. Mitten in der riesigen Wand war ein Widòr, ein kleiner gartenähnlicher Anger, der ganz unzugänglich zu sein schien. Plötzlich zeigte sich auf dem Anger ein blau gekleidetes Mädchen; es trug einen Haufen Wäsche und breitete die einzelnen Stücke auf dem Gras aus. Dann verschwand es wieder; offenbar war es durch eine Kluft in den Berg zurückgekehrt.

Tjan-Bolpín hatte diesen Vorgang mit außerordentlicher Spannung beobachtet. Nun erfasste ihn ein unbezwingliches Verlangen, jene Behausung in den Felsen zu besuchen und ihre Bewohner kennenzulernen. Er machte sich sofort ans Werk, und nach siebenstündiger äußerst schwieriger Kletterei hatte er den Rand des Angers erreicht. Da bemerkte er mit Staunen, dass der Anger viel größer und schöner war, als man von unten zu ahnen vermochte; mehrere Gänge mit kunstvoll gewölbten Toren führten in den Berg hinein. Ein ganzer Palast schien sich da zu verbergen. Und das alles hing in schwindelnder Höhe an der ungeheuren, senkrechten Wand.

Während Tjan-Bolpín so herumschaute, war auf einmal wieder das blau gekleidete Mädchen da; es schien sehr verwundert zu sein und fragte ihn, wie er denn da heraufgekommen sei und was er da mache.

"Ich bin an den Felsen heraufgeklettert", versetzte Tjan-Bolpín, "und es freut mich sehr, Eure Behausung gesehen zu haben, denn ich finde sie ausnehmend schön."

Das Mädchen wollte nun wissen, was er für ein Mensch sei.

"Ich bin eine Hirte", entgegnete Tjan-Bolpín. "Lasst Eure Hand anschauen", sagte sie.

Er hielt ihr die Rechte hin. Sie nahm sie und betrachtete sie genau. Dabei schien sie in großes Erstaunen zu geraten.

"Noch nie habe ich eine Hand gesehen wie die Eure", bemerkte sie. Und sie deutete auf seine Handfläche, wobei sie weiterredete:

"Diese Hand ist voller Gegensätze - hier habt Ihr eine Fuchslinie und hier eine Hundelinie; hier habt Ihr aber auch eine Prinzenlinie - und hier", sie stockte einen Augenblick vor Überraschung, "hier habt Ihr gar eine Sonnenlinie! Ihr ahnt es nicht, was Ihr für ein Glückskind seid! Gleich werde ich Dòna Kenìna rufen."

"Wer ist Dòna Kenìna?", fragte Tjan-Bolpín.

"Dòna Kenìna ist die Herrin dieses Palastes und des ganzen Berges", entgegnete das Mädchen, "sie will niemanden sehen, doch sagte sie, ich solle sie rufen, wenn einmal ein Mann käme, der die Sonnenlinie trüge, denn der Mann mit der Sonnenlinie sei ihr zum Gemahl bestimmt."

Darob geriet nun Tjan-Bolpín in sichtliche Verwunderung. Das Mädchen bemerkte es und fuhr fort: "Ihr werdet Euch noch viel mehr wundern, wenn Ihr erst Dòna Kenìna vor Euch erblickt, denn es ist die schönste Frau weit und breit durch viele Länder."

Nun entfernte sich das Mädchen, um die Herrin zu rufen. Als diese aber erschien, verschlug es dem H

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