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Märchen von Storm, Theodor (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2014
  • Verlag: Boyens Verlag
eBook (ePUB)
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Märchen

Diese Ausgabe enthält sämtliche Märchen Theodor Storms. Das Kindermärchen 'Hans Bär', das im Nachlass des Dichters gefunden wurde und das er zu Lebzeiten nicht veröffentlichte, wird nach der Handschrift gedruckt. Die übrigen Märchen werden nach ihren Erstdrucken wiedergegeben. Der Leser erhält so die Möglichkeit, Storms Texte in der Gestalt zu lesen, in der sie erstmals einem Publikum vorgestellt wurden. Ferner enthält der Band im Anhang eine ausführliche Darstellung der Entstehungsgeschichte, der Quellen und der Schauplätze von Theodor Storms Märchen. Außerdem werden sämtliche Illustrationen abgebildet, die den Erstdrucken beigegeben waren. Theodor Storm, geb. am 14. September 1817 in Husum, Rechtsanwalt in Husum (1843-1852), Gerichtsassessor und Kreisrichter in Potsdam und Heiligenstadt (1853-1864), Landvogt, Amtsrichter und Amtsgerichtsrat in Husum (1864-1880), Alterssitz in Hademarschen in Holstein (1880-1888), gestorben am 4. Juli 1888.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 172
    Erscheinungsdatum: 01.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783804230361
    Verlag: Boyens Verlag
    Größe: 2534 kBytes
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Märchen

Hans Bär

Ein Mährlein erzählt von H. Th. W. Storm

Seiner jungen Freundin

Bertha von Buchan

gewidmet vom

Verfasser

In einem alten Fichtenwalde wohnte einmal vor vielen, vielen Jahren ein armer Köhler mit seiner Frau, die ihm erst vor kurzem ein gesundes Knäblein geschenkt hatte, das in der Taufe den Namen Hans empfing. Dieser entwickelte bald nach seiner Geburt eine solche Körperstärke, daß er drei kleine Hündchen, die die Eltern ihm als Spielkameraden beigegeben hatten, der Reihe nach mit seinen Händchen zu Tode drückte. Darüber schalten sie nun wohl den Knaben; in ihrem Herzen aber freuten sie sich über die so wunderbaren Anlagen ihres Söhnleins, und gedachten noch einmal etwas Großes aus ihm zu ziehen. Doch nicht lange sollten sie solcher Freude genießen, wie ich dir sogleich erzählen werde. – Es hauste nämlich in diesem selbigen Walde ein ungeheurer Bär; dem hatten die Jäger seine beiden Jungen genommen, worüber er sehr betrübt war, und Tag und Nacht vor Schmerz im Walde umherheulte. So kam er auch einst vor das Haus des Köhlers, wo der kleine Hans an der Erde saß und spielte. Als der Bär ihn gewahrte ward er noch lebhafter an seine eignen Kindlein zu denken, und, um Rache zu nehmen an den bösen Menschen, die sie ihm geraubt hatten, fuhr er auf den kleinen Hans zu, um ihn zu fressen; Hans aber riß ein Bäumchen aus der Erde, und schlug so tapfer auf den großen Bären los, daß dieser, erstaunt über die Kraft und den Mut des Kindes, bald ganz andern Sinnes ward und bei sich selber dachte: "Den Jungen sollst du mit in deine Höhle nehmen, und ihn säugen mit deiner Milch, und ihn so stark machen, wie es wohl sonst deine eignen Bärlein geworden wären, damit er dich wieder pflegen und schützen kann, wenn du einmal alt und schwach geworden bist." Solches dachte die alte Bärenmutter in ihrem Sinn, nahm dann trotz seines Schreiens und Sträubens den kleinen Hans gar sanft zwischen ihre Vordertatzen und trabte mit ihm waldeinwärts ihrer Höhle zu.

Kaum war sie daselbst angekommen, so legte sie auch sogleich ihr neues Pflegesöhnlein auf das weiche Lager, das sie vorher ihren eignen Kindern bereitet hatte, schüttelte ihm die Streu zu rechte und brummte ihn gar freundlich an, daß Hänschen sich allmählich beruhigte und endlich vor Ermattung und Müdigkeit einschlief.

Als er am andern Morgen die Augen aufschlug, sah er den alten Bären vor seinem Lager sitzen, der ihm mit seinen Tatzen eine Menge schöner, roter Erdbeeren darreichte, die er in der Frühstunde für ihn im Walde gepflückt hatte; dann bot er ihm seine Brust und säugte ihn mit seiner Milch, so daß Hänschen gar vergnügt ward, und den alten Bär bald auf dem breiten Rücken klopfte, ihn bald in seinem zottigen Pelz zauste, daß es eine Lust war. – Als sie es so eine Weile getrieben hatten, ging der Bär wieder aus der Höhle, wälzte aber, bevor er wegging, einen ungeheuren Stein vor die Öffnung, daß unserem Hänschen rein Tor und Tür versperrt war, so gerne er auch hintendrein gewesen wäre.

So ging's eine Zeitlang fort; morgens ging der Bär aus, und mittags kam er wieder nach Hause, wo er denn immer eine schöne Beere oder Blume für sein Pflegesöhnlein mitbrachte, und nachdem er eine Weile mit ihm gespielt hatte, trabte er wieder bis gegen Abend im Walde umher; wälzte aber zu Hänschens großem Verdrusse stets den bösen Stein vor die Öffnung der Höhle. –

Nach und nach war Hänschen nun immer stärker und größer geworden, wozu der Genuß de

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