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Überleben ist ein guter Anfang Roman von Ulmer, Andrea (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.02.2017
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Überleben ist ein guter Anfang

Selbsthilfegruppen sind deprimierend, findet Anja Möller. Und die für krebskranke Frauen erst recht. Sie geht nur hin, weil ihr Mann das will. Und trifft dort auf die 83-jährige Sieglinde. Sieglinde ist trotz ihrer Diagnose voller Lebensfreude und plant eine Weltreise. Doch bevor sie die antreten kann, stirbt sie. Als die übrigen fünf absolut unterschiedlichen Frauen der Selbsthilfegruppe beschließen, an ihrer Stelle die Welt zu sehen, nimmt eine abenteuerliche Reise ihren Lauf: Sie haben nichts mehr zu verlieren, sondern alles zu gewinnen. Andrea Ulmer wurde 1985 geboren. Sie arbeitet als Lektorin und Autorin vorwiegend im Bereich der Phantastik. Ihre Romane erscheinen unter anderem bei Knaur und Klett-Cotta. 2015 erhielt sie den Deutschen Phantastikpreis in der Kategorie 'Bestes Sekundärwerk'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 10.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843714198
    Verlag: Ullstein
    Größe: 2056 kBytes
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Überleben ist ein guter Anfang

S elbsthilfe war Anja Möllers Meinung nach etwas, was man allein machte. Daher der Name.

Eine Selbsthilfe gruppe war in ihren Augen genau so ein Widerspruch wie eine Eremiten- WG .

Nun stand sie trotzdem auf dem Vorplatz des Gemeindehauses von Unteröffelsheim und hielt diesen blöden Flyer in der Hand, den Robert im Krankenhaus gefunden hatte, während sie damit beschäftigt gewesen war, sich Gift durch die Adern jagen zu lassen. Tja ... das hatte sie dem Blick zu verdanken. Mit dem Blick sah ihr Mann Robert sie an, seit sie die Diagnose erhalten hatte. Brustkrebs, Metastasen in den Knochen, unheilbar. Der Blick sagte: "Bist du dir sicher, dass du diese Einkaufstasche tragen solltest?" Er sagte: "Kannst du noch?", wenn sie mehr als zehn Schritte ging. Und wenn er versuchte, ihr den Haushalt abzunehmen, und dabei den roten Pullover mit seinen Unterhosen in die Kochwäsche gab, hatte Robert etwas von einem getretenen Welpen.

Anja atmete tief durch. Es war sein Problem, dass er nun rosa Unterhosen tragen musste. Sie starrte auf den Flyer. "Gemeinsam stark gegen Krebs", stand auf der ersten Seite. Als wäre Krebs ein schlechter Politiker, den man wegdemonstrieren konnte. Darunter war ein Kreis aus stilisierten Menschen abgebildet, die ein bisschen zu sehr wie die Piktogramme an öffentlichen Toiletten aussahen und einander an den Händen hielten. Auf der Rückseite war zu allem Überfluss auch noch eine gezeichnete Sonnenblume. Anja hielt Sonnenblumen für überbewertet. Sie sahen meistens viel zu schnell schrecklich zerrupft aus.

Aber die Adresse über der Sonnenblume schien richtig zu sein. "Raum E 3 " hieß es außerdem auf dem Flyer. Noch einmal atmete Anja tief durch. Dann öffnete sie die verkratzte Metalltür des Gemeindehauses und machte sich auf die Suche nach Raum E 3 . Natürlich waren die Räume nicht beschildert. Aber durch eine angelehnte Tür drang Gelächter. Vielleicht konnte ihr dort jemand sagen, wo Raum E 3 war. Anja ging näher und klopfte an den Türrahmen.

"Immer hereinspaziert!", hörte sie die Stimme einer älteren Frau.

Anja drückte die Tür auf. Mehrere weiße Tische waren aneinandergeschoben worden. Darum saßen Frauen unterschiedlichen Alters. Eine spindeldürre Frau mit schneeweißem Haar lächelte sie breit an, bevor sie sich einen Schokoladenkeks von einem Teller in der Mitte nahm. Eine Dame ungefähr Mitte vierzig mit einer spitzen Nase schenkte den anderen gerade Kaffee ein. Was auch immer das für eine Veranstaltung war, diese Leute hatten ganz sicher mehr Spaß, als Anja gleich haben würde.

"Ich suche Raum E 3 ."

Die Frau stellte die Kaffeekanne ab. "Da sind Sie hier richtig."

Anja verglich die Uhrzeit auf dem Flyer mit ihrer Armbanduhr. Sie war doch nicht etwa am falschen Tag gekommen? Oder die Treffen der Selbsthilfegruppe fanden gar nicht mehr statt. Dann hätte sie es zumindest versucht, Robert wäre glücklich, und sie musste sich nicht weiter damit herumschlagen.

Die alte Frau zeigte wieder ihr breites Lächeln. "Schau mal, Marion. Sie hat deinen Flyer gefunden!"

So viel zu der Hoffnung, dass es die Gruppe nicht mehr gab ... Aber dieses Kaffeekränzchen konnte doch unmöglich die Brustkrebs-Selbsthilfegruppe sein? Wo war der Stuhlkreis? Wo waren die ernsten Mienen, während man sich gegenseitig erzählte, wie schlecht es einem ging?

"Wird jo auch mol Zeit, dass die Dinger ebbes bringe", meldete sich eine kräftig gebaute Frau mit einer geblümten Bluse und einem ebensolchen Kopftuch zu Wort. Sie sprach den breiten Dialekt der Region.

Das genaue Gegenteil von ihr - dürr und in einem teuer aussehenden Blazer - schniefte auf der anderen Seite des Tisches über seiner Kaffeetasse. "Na ja, ein neues Mitglied bei hundert Flyern ... Ich habe ja gleich gesagt, dass es rausgeworfenes Geld ist."

"Bitte!", rief die Frau, d

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