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10 Minuten Leselust 10 bewegende Geschichten. Band 3 von Gothe, Barbara (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.03.2016
  • Verlag: dotbooks GmbH
eBook (ePUB)
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10 Minuten Leselust

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Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 101
    Erscheinungsdatum: 24.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955206963
    Verlag: dotbooks GmbH
    Größe: 224kBytes
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10 Minuten Leselust

Scheidung! Traurig fliegt die Thailänderin Li in ihre Heimat. Zurück bleibt ihr an Diabetes erkranktes Töchterchen. Sie hat Jasmin versprochen: "Bald bringt dich ein Märchenprinz zu mir!" Immer wieder muss Oma Martha der kleinen Jasmin diese Geschichte erzählen ...

Die Zufahrt liegt versteckt hinter hohen, ungebändigten Hecken - Buchenhecken, die wie ein Chamäleon je nach Jahreszeit die Farbe wechseln. Weit führt die Zufahrt von dem kunstvoll geschmiedeten Tor mit den goldenen Spitzenhäubchen nach hinten zu dem großen weißen Haus mit den geschlossenen Fensterläden, den weißen Marmorstufen und dem prunkvollen Portal mit dem goldenen Löwenkopf. Sauber sieht es aus, frischgeschrubbt, steril und verlassen. Doch Wurzeln und Gras sprengen den Asphalt an manchen Stellen, bezwingen die geteerte Fläche und schießen ins Freie. Der Garten, einst pedantisch in Ordnung gehalten, quillt über von wildwuchernden Pflanzen, Gestrüpp und Unkraut. Eine Frau tritt aus dem Schatten der scharlachroten Esche, deren Blätter die weiße Fassade des Hauses fächeln. Sie steht einfach da, den Blick unverwandt auf die geschlossenen Fensterläden gerichtet. Der Wind fährt durch ihr schwarzes, dichtes Haar, das ihr fast bis zu den Hüften reicht.

"Jasmin", sagt sie leise. "Jasmin ..." Sie weint.

"Omi, Omi!" rief eine Kinderstimme. "Schau mal, was ich gefunden habe!"

Das kleine Mädchen bückte sich. Behutsam teilte es mit seinen runden Händchen das Schilf, das hoch und dicht den Seerosenteich wie ein grüner Wall umgab. Die ältere Frau, zu deren eleganter Frisur weder Jeans noch Holzfällerhemd passten, wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn, legte die Heckenschere weg und sah sich um.

"Was hast du denn gefunden, Jasmin?"

"Da schau!" Vorsichtig setzte die Kleine einen Fuß vor den anderen, den Blick starr auf ihre Hände gerichtet, die sich um ihre kostbare Fracht wölbten. "Da schau", wiederholte Jasmin fast atemlos vor Aufregung und sah ihre Großmutter an. Ihre Augen wirkten noch größer und dunkler als sonst.

Sie wird ihrer Mutter von Tag zu Tag ähnlicher, dachte Martha liebevoll. Wahrscheinlich wird sie eines Tages ebenso schön und zerbrechlich sein wie Li. Obwohl - zerbrechlich war Jasmin heute schon. Sie war zuckerkrank und vom Insulin abhängig. Mit geheimnisvoller Miene, als enthülle sie einen vergrabenen Schatz, öffnete Jasmin den Spalt, den sie zwischen Daumen und Zeigefinger freigelassen hatte. Ein winziger Frosch lugte aus seinem Gefängnis hervor und quakte ängstlich, wobei sich die Schallblasen an beiden Halsseiten ausstülpten wie winzige Luftballons.

"Muttis Prinz!" sagte Jasmin leise. "Wie im Märchen - ich habe Muttis Prinzen gefunden."

"Sicher hast du das", sagte die Frau und strich dem Mädchen über das lockige schwarze Haar. "Aber lass ihn jetzt wieder frei, er ist noch ein kleiner Prinz und hat große Angst."

"Oh mein armer, armer Prinz", sagte Jasmin, presste einen Moment lang die Augen zusammen, küsste den kleinen Frosch auf die glitschige Stirn, verzog leicht angewidert den Mund und setzte ihn auf den Rasen.

"Erzählst du mir von dem Prinzen, der Mutti mitgenommen hat, Omi?"

"Also gut." Martha seufzte ergeben. Wie oft hatte sie Jasmin die Geschichte schon erzählen müssen, mit der sie ihr zu erklären versuchte, warum ihre Mutter eines Tages einfach weggegangen war. Sie hatte Li gut verstehen können. An leuchtende Orchideen gewöhnt, an zauberhafte Gärten, an sanftes, Licht und an Menschen, die noch im Schmerz lächelten, hatte sie sich nur schwer mit Kälte, Regen und abweisenden Gesichtern abfinden können. Und in ihrem neuen Zuhause hatte sie auch nicht die Geborgenheit gefunden, die ihr vielleicht das Heimweh nach ihrer Familie und nach Thailand genommen hätte. Li hatte einfach nicht in das große, weiße Haus gepasst und das große weiße Haus nicht zu ihr.

Gedankenverlo

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