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13 und andere Geschichten von Pankow, Freimund (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.05.2020
  • Verlag: Karina Verlag
eBook (ePUB)
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13 und andere Geschichten

In dreizehn Geschichten und vier Miniaturen erzählt Freimund Pankow fiktive Episoden menschlichen und zwischenmenschlichen Erlebens. Sie erzählen von Realität und Traum, Leben und Tod, der Suche nach dem Glück, von Irrtum und Versagen. Die Mischung ernster und heiterer Geschichten ist anrührend und spannend. Der nachdenkliche Leser wird behutsam und auf verschlungenen Pfaden mit überraschenden Wendungen durch die Ereignisse geführt, wobei ihm Lösung und Deutung oft selbst überlassen bleiben. Mitglied bei der Autorengruppe Karina Verlag Wien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 140
    Erscheinungsdatum: 04.05.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783967993615
    Verlag: Karina Verlag
    Größe: 1017 kBytes
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13 und andere Geschichten

Am anderen Morgen

Marina hat schlecht geschlafen. Vielleicht verdankt sie die grässlichen Albträume dem Festessen zu ihrem zehnten Hochzeitstag am Abend zuvor, zu dem Friedrich sie in ein exklusives Lokal eingeladen und ihr die ganze Zeit über liebevoll den Hof gemacht hatte. Vielleicht ist aber auch das Wetter daran schuld. In letzter Zeit spürt sie dessen Auswirkungen immer deutlicher und beginnt, sich vor dieser Entwicklung zu fürchten. Früher hatte sie es belächelt, wenn ältere Damen baten, die Tür zu schließen und doch bitte auf ihre Knochen Rücksicht zu nehmen, welche Zugluft überhaupt nicht mehr vertrügen. Und heute ...? Sollte es schon so weit gekommen sein, dass sie die unangenehmen Auswirkungen ihres fortgeschrittenen Alters zu spüren bekommt? Sie ist doch erst Anfang fünfzig!

Ein kleiner Seufzer entfährt ihr und wird sogleich durch das entschlossene Zurückschlagen der Bettdecke in seine Schranken gewiesen. Sie schwingt ihre Beine aus dem Bett und lässt den übrigen Körper energisch folgen. Noch während sie in die Pantoffeln schlüpft, riskiert sie einen verhaltenen Blick zurück auf das Lager. Friedrich schläft tief und fest, gibt gelegentlich grunzende Laute von sich und lässt beim Ausatmen eine Haarsträhne flattern, die sich über sein Gesicht geschlichen hat. Nein, sie hat ihn durch ihr abruptes Aufspringen nicht geweckt, er wird wie gewöhnlich noch ein gutes Stündchen weiterschlafen, wenn sie ihn denn lässt. Nach nunmehr zehn Ehejahren weiß sie das nur zu gut.

Im Bad ist es schön warm. Sie lässt das Nachthemd fallen und reckt sich genießerisch. Ein flüchtiger Blick in den Spiegel lässt sie erschauern. Das Gesicht darin erscheint ihr kaum wie ihr eigenes, zerknautscht, missmutig, seltsam fremd, entzaubert. Enttäuscht stöhnt sie auf.

"Heute ist ein guter Tag."

Sie fährt herum, reißt ein Handtuch vom Haken und versucht, ihre Blöße zu bedecken. Da ist niemand. Sie prüft die Verriegelung der Tür: abgeschlossen. Woher kommt die Stimme? Und wem, zum Teufel, gehört sie? Sie schlägt das Badetuch um den Leib und setzt sich, mit dem Rücken gegen die Wand, die Knie fest geschlossen, ratlos auf den Hocker. Sich wieder zu entblößen und die Dusche zu betreten, wagt sie nicht, solange die Quelle der Stimme nicht entdeckt ist. Ihre Augen durchsuchen den Raum: das kleine Fenster mit dem noch geschlossenen blickdichten Vorhang, Wanne, Duschkabine, das Schränkchen mit den Handtüchern, Bidet und Toilette. Nichts, der gut überschaubare Raum ist leer. Ach ja, den Wäschekorb neben sich hat sie übersehen! Sie wagt es, den Deckel vorsichtig anzuheben: Bis auf eins ihrer Höschen und Friedrichs Paar Socken vom Vortag ist auch er leer. Sie hat ja gerade erst gewaschen.

"Hast du verstanden? Es ist ein guter Tag heute, du musst dich beeilen."

Es schnürt ihr die Kehle zu. "Wer spricht? Ich kann Sie nicht sehen! Wie sind Sie hier hereingekommen und was wollen Sie von mir?" Über den Kloß in ihrem Hals presst sie die Fragen hervor.

Keine Antwort. Woher kennt sie nur die Stimme? Und warum wird sie von ihr eigentlich geduzt?

Ach, hätte sie doch in dieser Situation ein Mobiltelefon zur Hand! Aber Friedrich hatte immer abgewinkt: Solchen Firlefanz brauchen wir nicht; und außerdem sind die Funkstrahlen ungesund. Der hat gut reden, er schläft tief und fest nebenan, während sie womöglich ihrem Vergewaltiger gegenübersteht. Wenn ich hier heil herauskomme, werde ich Friedrich zur Rede stellen, denkt sie, und wehe, er weigert sich noch länger! Man braucht einfach auf jeder Ebene des Hauses ein mobiles Telefon, am besten in jedem Zimmer eins. Seine Sparsamkeit ist geradezu abartig! An sie und ihre Bedürfnisse hat er ohnehin noch nie einen Gedanken verschwendet, dieser Egomane. Wie anders ließe sich sonst erklären, dass sie ihre eigenen Wünsche und kleine Begierden immer wieder zu zügeln bereit ist, während er sich jeden noch so banalen Wunsch umgehen

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