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30 Tage und ein ganzes Leben Roman von Ream, Ashley (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.05.2015
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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30 Tage und ein ganzes Leben

Aufleben statt aufgeben!

Clementine beschließt zu sterben. In 30 Tagen will die erfolgreiche Malerin, die für ihre Kunst ebenso bekannt ist wie für ihre Scharfzüngigkeit, ihrem Leben ein Ende setzen. Nachdem die Antidepressiva im WC entsorgt worden sind, bleibt ihr noch genau ein Monat, um das eigene Ableben zu organisieren. Schließlich will Clementine kein Chaos hinterlassen: ein letztes großes Bild malen, sich mit dem Ex aussprechen und ein neues Zuhause für den Kater fi nden. Ihre letzten Tage will sie genau so verbringen, wie sie es will - und nicht wie andere es von ihr erwarten. Doch dabei stößt Clementine auf ungeahnte Hindernisse - und nach 30 Tagen ist nichts mehr so, wie es vorher war ...

Mit 16 Jahren bekam Ashley Ream ihren ersten Job bei einer Zeitung. Seitdem hat sie für verschiedene Magazine in ganz Amerika geschrieben, bis sie es irgendwann leid war, ständig einer Deadline hinterherzulaufen. Sie suchte sich einen 'richtigen' Job und schrieb nur noch in ihrer Freizeit - mit Erfolg: Gleich mehrere Verlage wollten ihren Debütroman veröffentlichen. Seitdem zählt sie Gillian Flynn zu ihren größten Fans.

Ashley Ream lebt in Wisconsin, schreibt an ihrem nächsten Buch und läuft in ihrer Freizeit Marathon.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 11.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641158552
    Verlag: btb
    Originaltitel: Losing Clementine
    Größe: 3925 kBytes
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30 Tage und ein ganzes Leben

30 TAGE

Ich warf die Teekanne aus dem Fenster.

Sie donnerte drei Etagen nach unten und zerbrach in unzählige weiße Porzellanscherben direkt hinter Mrs Epstein, die ich ohnehin nie wirklich leiden konnte.

"Hey!", brüllte sie zu mir nach oben.

"Tut mir leid", entgegnete ich und beugte mich halb über den Fenstersims nach draußen, ehe ich mich wieder nach drinnen wandte, mir ein halbes Dutzend Tassen schnappte und sie ebenfalls hinausbeförderte.

Es tat mir nicht wirklich leid.

Rums.

Es tat sogar äußerst gut.

"Sind Sie denn von allen guten Geistern verlassen?", rief Mrs Epstein und tänzelte in ihren Gesundheitsschuhen herum, um den Scherben auszuweichen.

"Ja", ließ ich verlauten und hängte mich mit aller Kraft ans Fenster, um es wieder herunterzuziehen.

Noch besser hätte ich mich dabei gefühlt, es laut polternd herunterkrachen zu lassen, aber diverse Farbschichten aus den letzten fünfzig Jahren machten das gänzlich unmöglich. Bedauerlicherweise. Denn gerade ging ich ganz darin auf, ausschließlich Dinge zu tun, die mir guttaten. Erst an diesem Nachmittag hatte ich meinen Seelenklempner gefeuert. Wenn man sich wirklich und wahrhaftig dazu entschieden hatte, seinem Leben ein Ende zu setzen, wozu brauchte man dann noch einen Seelenklempner?

Auch das war äußerst befreiend. Beides, der Rausschmiss und der Entschluss dazu.

Danach war ich vollkommen vorsätzlich gegen das Auto dieses Arschlochs gefahren, das immer 15 Zentimeter in meine Auffahrt hinein parkte. Ich hatte seine halbe Stoßstange mitgenommen und keinen Zettel hinterlassen, und das geschah ihm recht. In dreißig Tagen würde ich tot sein. Sollte er doch versuchen, mich wegen dieser Bagatelle vor Gericht zu ziehen.

Bei mir oben hatte ich dann die Jacke nicht aufgehängt und den Orangensaft direkt aus dem Tetrapak getrunken. Ich hatte sogar ein klein wenig hineingespuckt, einfach so, weil ich es konnte. Alles überaus befreiend. Das war dann auch der Moment, in dem ich beschloss, dass ich eigentlich gar keinen Tee mochte.

Rums.

Das hätte ich schon vor einer Ewigkeit tun sollen.

Ich wohne quasi um die Mitte meines Ateliers herum. Die Ecken sind zum Wohnen da. Meine Küche, mein Fernseher und ganz hinten, hinter einem roten Samtvorhang, mein Bett. In der Mitte arbeite ich. Das ist keine Metapher. Es ist eine räumliche Beschreibung. Die Arbeitswege sind fantastisch.

Ich ging einen Stapel aufgespannter Leinwände durch, die an der rau verputzten Wand lehnten.

Nein, nein, nein, nein. Ja.

Ich zog eine quadratische hervor, 1,20 auf 1,20. Die war brauchbar. Ich stellte sie auf die Staffelei. Jenny, meine Assistentin, hatte ich in der Woche zuvor gefeuert, nachdem sie ein halbes Dutzend davon aufgespannt hatte. Mit Nachnamen heißt sie Pritchard, wie ich, doch wir sind nicht verwandt. Sie ist 24, sieht aber jünger aus. Als ich sie entlassen habe, hat sie mich angesehen, als hätte ich ihr eine geknallt. Sogar ihre Wange ist rot geworden. Tränen glitzerten an ihren Wimpern, sie flitzte durch das Atelier, sammelte Unterlagen und ihre Tasche ein und nahm schließlich auch die Kaffeetasse mit, die ich ihr gegeben hatte, als sie bei mir anfing. Ich hätte sie die Leinwände gleich noch grundieren lassen sollen, aber daran hatte ich nicht gedacht.

Nachdem sie weg war, rief ich die Essex Gallery in New York an. Der Galerist hatte eine Frau, deren Familie durch luxuriöse Möbelstoffe zu Geld gekommen war. Außerdem finanzierte er noch einen "Freund", einen jungen Mann, der um die 25 sein musste und den er in einem Apartment in den West Fifties logieren ließ. Ich habe in dieser Galerie angefangen, als ich noch nicht sehr bekannt war. Der Galerist und ich mochten einander, so wie man eben jemanden mögen muss, der mehr über einen weiß, als einem lieb ist. Ich sagte ihm, er täte besser daran, Jenny eine eigene Ausstellung einzuräu

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