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35 Tote Roman von Álvarez, Sergio (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.04.2013
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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35 Tote

"Ich wuchs in einer marxistischen Kommune in Bogotá auf. Doch die Träume von der Revolution platzten, nicht zuletzt wegen amouröser Verstrickungen. Das Leben draußen auf der Straße lockte mit Salsa, Mädchen und kleineren Überfällen. Irgendwann wagten wir uns an größere Geschäfte. Aber die Drogenmafia kennt keine Gnade, und als immer mehr meiner Freunde getötet wurden oder verschwanden, mußte auch ich fliehen. Damit begann meine Wanderschaft durch Kolumbien, auf der ich philosophierenden Drogenhändlern, geschäftstüchtigen Marionettenspielern und freundlichen Mördern begegnet bin. Genausowenig wie ich die Frauen verstehe, die mir immer nur Unglück bringen, begreife ich, wie dieses Land funktioniert, wer auf welcher Seite steht und wo mein Platz ist." Dem magischen Realismus von García Márquez' Hundert Jahre Einsamkeit setzt Sergio Álvarez mit 35 Tote einen kraftvollen Roman entgegen, der die jüngere Geschichte Kolumbiens genauso drastisch realistisch wie unterschwellig humorvoll erzählt.

Sergio Álvarez, geboren 1965 in Bogotá, Kolumbien, lebt in Barcelona. Er hat in der Werbe,- Fernseh- und Kinobranche gearbeitet, bevor er sich dem Schreiben zuwandte. Für die Recherche zu diesem Roman ist er viele Jahre durch sein Heimatland gereist. 35 Tote ist sein dritter Roman; er wird in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 546
    Erscheinungsdatum: 15.04.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518737552
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: 35 muertos
    Größe: 1314kBytes
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35 Tote

mit diesem Toten hab ich nichts im Sinn,

da ich noch nicht mal der Mörder bin ...

Botones verübte sein letztes Verbrechen neun Monate nach seinem Tod; zu Lebzeiten tötete dieser Bandit in Kolumbien gut dreihundert arglose Menschen, die den Mut oder das Pech hatten, sich seinem Unwillen, Ehrgeiz oder seinen Waffen auszusetzen. Doch wie jeder Mörder, der etwas auf sich hält, tötete Botones weiter, als er bereits auf dem Friedhof vermoderte. Und dazu brauchte er keine Kugel mehr zu verschwenden, niemanden mehr zu erstechen oder eigenhändig zu erwürgen. Ihm genügte meine bescheidene Mitarbeit, denn ich, ein Trottel bereits vor der Geburt, zerriss meiner gebärenden Mutter das Fleisch und löste die Blutung aus, die der langen Liste der Morde dieses Ex-Armeegefreiten den letzten hinzufügte.

Der Bandit hatte sich gerade mit Cándida vergnügt, war vom Orgasmus in die Siesta übergegangen und mit dem melancholischen Bedürfnis aufgewacht, Javier Solís zu hören. Als er die Nadel gerade auf die Vinylscheibe setzen wollte, erwachte sein Verbrecherinstinkt und sagte ihm, dass um ihn herum eine merkwürdige Stille herrschte. Cándida!, rief Botones, und als er sah, dass die Frau verschwunden war, fiel ihm ein, wie bereitwillig sie sich ihm hingegeben hatte, und er wurde noch unruhiger. Er trat ans Fenster und blickte auf die Straße, und trotz ihrer scheinbaren Verlassenheit konnte er den Helm eines der tausendfünfhundert Männer erkennen, die die Armee für seine Ergreifung abgestellt hatte. Diese verräterische Hure!, fluchte Botones, zog sich an und inspizierte das Haus. Auf der Schwelle zum Hinterhof kam ihm erneut sein Instinkt zu Hilfe, denn statt selbst hinauszutreten, hielt er lediglich seinen Hut hinaus und konnte förmlich zusehen, wie die Kugel den Filzstoff durchlöcherte. Es gab keinen Fluchtweg. Botones ging wieder hinein und informierte Víctor und Emma, das Haushälterpaar, über die Umzingelung durch die Armee und wies die beiden an, die Kinder zu verstecken und, falls jemand klopfte, sofort aufzumachen und sich normal zu verhalten. Und falls sie nach mir fragen, dann sagt, dass ihr mich nicht kennt und noch nie gesehen habt, fügte er mit diesem Lächeln hinzu, mit dem er seine Befehle zu begleiten pflegte. Der Bandit kehrte ins Schlafzimmer zurück, schnappte sich das Maschinengewehr, kauerte sich in eine Ecke und versuchte den Husten zu unterdrücken, der ihn plagte. Er hatte sich schon öfter aus solchen Situationen befreien können und glaubte, wenn er nur den ersten Angriff abwehrte und bis zum Abend durchhielte, das Dunkel der Nacht für die Flucht nutzen zu können.

Dies alles ereignete sich im Juni 1965, als Bogotá bereits nicht mehr dieses verschlafene, kalte und regnerische Nest war, sondern sich dank der falschen Hoffnungen, die sich die tausende, mit der letzten Gewaltwelle angespülten Menschen machten, in eine lärmende, bunte Stadt verwandelt hatte. Es gab zwar noch keine Industrie, keinen Handel und kaum Autos, und die Armenviertel hatten noch nicht die Hochebene erobert, doch die Stadt wuchs im Schutze dieser Berge, die in der Sonne ebenso grün glänzten wie die Uniformen der Militärs.

"Alirio Beltrán, ergeben Sie sich, und wir lassen Sie am Leben!", erklang von der Straße her die megafonverstärkte Stimme eines Militärs. Botones hielt den Atem an und wurde noch wachsamer, denn er wusste, die Armee hatte ihn zum Tode verurteilt und wollte ihm mit diesem Angebot lediglich ein weiteres Mal mitteilen, dass sie ihn diesmal nicht entkommen lassen, sondern endlich töten würde. Wir müssen das Haus stürmen, dieser Dreckskerl ergibt sich nicht, sagte Hauptmann Arellana, der den Überfall befehligte. Rogelio un

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