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364 Tage Roman von Reichel, Sonja (eBook)

  • Verlag: ACABUS Verlag
eBook (ePUB)
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364 Tage

Ein zufälliges Treffen auf der Straße. Der erste Kuss in einer Frühsommernacht. Arvid ist attraktiv, stilsicher und wortgewandt, aber auch kantig, verschroben. Trotz Zweifeln lässt Sofie sich auf ihn ein. Weil sie sich nach ihrer letzten Liebe danach sehnt, wieder Feuer zu fangen für jemanden. 364 Tage hält die Beziehung zu Arvid. 364 Tage, in denen ihre Leben sich zögernd annähern, in denen die Fehler und Eigenarten des anderen sichtbar werden. Mit jedem Tag wird Sofie klarer, was sie von Anfang an ahnte - dass er ihr nicht reichen wird. Kurz vor ihrem Jahrestag zieht sie schließlich den Schlussstrich. Warum aber beschleicht sie diese Sehnsucht nach ihm, als sie später durch Myanmar und Thailand reist und ihn in Gedanken an all die Orte stellt, die er nie betreten hat? Eine berührende Liebesgeschichte unserer Zeit, feinsinnig und poetisch, aber auch ein Großstadtroman über die Generation Beziehungsunfähig.

Sonja Reichel, geboren in Heidelberg. Studierte Kommunikationsdesign und Jura in Bielefeld, Berlin, Montpellier und Potsdam. Längere Auslandsaufenthalte in den USA, Italien und Frankreich. Reisen durch Asien. Lebt und arbeitet als Designerin in Berlin. Ihre Kurzgeschichten sind bereits in mehreren Anthologien erschienen. »364 Tage« ist ihr erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 301
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862827503
    Verlag: ACABUS Verlag
    Größe: 1140 kBytes
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364 Tage

Ich bin die Summe all dieser Jahre. Ohne sie gäbe es mich nicht. Und ich will, dass du den Rechenweg verstehst. Jedes Minus und jedes Plus. Findest du nicht auch, dass damals schon erkennbar war, wie ich später sein würde? Und ist diese Geschichte und jene Angewohnheit nicht ein erster Beweis dafür? Wie ein urzeitliches Fossil, über das man beim Erzählen stolpert. Deine Fragen dabei wie ein Pinsel, der den Staub beseitigt. Alles auf Anfang. Weil du neu bist. Weil ich neu bin für dich. Und während sich in einer stillen Seitenstraße der Fernsehturm wie ein beruhigender Wächter über der Stadt erhob, vertrauten sie sich einige ihrer Eigenheiten an, die sie beim anderen wie ein Pfand hinterlegten. In ihrem Fall waren es Weigerungen. Sofies Weigerung als Kind, Eiweiß zu essen, weil für sie etwas mit der Konsistenz nicht stimmte; Arvids Weigerung, den Buchstaben G zu schreiben, weil er ihn hässlich fand, unausgegoren. Das Lächeln auf beiden Seiten, das Partei ergreifen für die jeweilige Vergangenheit: Du hattest ein frühes Verlangen nach dem Gelben vom Ei. Und du, du warst schon früh ein Ästhet. Da sie ihren Blick nach hinten gerichtet hatten, in die Jahre sahen, die entfernt lagen wie ein Land, das hinter Meeren und Bergketten verborgen war, hakte Sofie ein in diese Vorzeit, hakte nach, was er mit der Kaninchengeschichte habe bezwecken wollen. Den toten Kaninchen. "Ich wollte ein Symptom erklären." "Was für ein Symptom?" "Dass in meiner Nähe Lebewesen kaputtgehen, nicht nur Tiere." Jetzt klang es nicht, als wollte er um Aufmerksamkeit heischen. Bedauern lag in seiner Stimme. "Wer ist unter deinen Händen kaputtgegangen?" "Meine Mutter." Er hielt den Blick geradeaus auf die Straße gerichtet, als er erzählte. Von dem Mann, den sie nach der Trennung von seinem Vater zu lieben wagte, dem Mann, den er in die Flucht geschlagen hatte. Mit der Weigerung, etwas aus seinem Leben zu machen. Mit seinen Szenen und Wutanfällen, mit zerschmissenem Geschirr, das ihr Angst einjagte. Solche Angst, dass sie sich auf die falsche Seite schlug. Auf seine. Nicht auf die des neuen Mannes, der nicht ankam gegen dieses Vorrecht an Besitz, das der jugendliche Arvid wie ein sturer Herrscher für sich reklamierte. Erst später, als Arvid ausgezogen war, war sie wieder eine Beziehung eingegangen, aber es fehlten die echten Gefühle, der Mann übernahm eine Alibifunktion, dass jetzt alles gut sei. In ihrem Leben, zwischen ihr und ihrem Sohn. "Nichts ist gut, obwohl sie es immer wieder beteuert", Arvids Finger krampften. Die Schuldgefühle saßen überall, auch in den Fingerspitzen. "Aber du warst doch fast noch ein Kind. Gib nicht dir die Schuld." "Du warst nicht dabei", seine Augen immer noch unzugänglich, eine Wand. Er schüttelte sich. "Ich will nicht darüber reden. Ich kann es auch nicht, okay?" "Okay." Sie liefen eine Weile schweigend, drückten ab und zu ihre Hände, um sich des anderen zu vergewissern. Die Kindheit als Gefäß. Als Gefäß, in das die Schuld fließt. Von der man glaubt, sie ein Leben lang abarbeiten zu müssen. Der Start in die Erwachsenenwelt mit einem Klotz am Bein, der echtes Wachstum verhindert. Hatte nicht jeder seine Fußfessel? Die warnte, wenn man sich zu weit in die Freiheit wagte, die Freiheit, ohne schlechtes Gewissen zu leben? "Ich habe uns den Abend versaut", stellte er fest, als sie die letzte Straßenecke erreichten, an der sie sich verabschiedeten. "Hast du nicht." Er hatte ihm lediglich Substanz, Schwere, etwas Trauer verliehen. "Leicht kann jeder", fügte sie hinzu. Da nahm er ihr Gesicht behutsam in seine Hände und näherte sich ihrem Mund so zeitverzögert, dass sich ihr Inneres vor Lust zusammenzog. Wie konnte es irgendjemand auf der Welt ohne solche Küsse aushalten? Wie hatte sie es so lange? Aber sie war zu vertieft, um den Gedanken weiterzuspinnen.

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