text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Abels letzter Krieg Roman von Heerma van Voss, Daan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.12.2018
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
20,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Abels letzter Krieg

Ein Mann versucht, die Welt zu retten - und sich selbst Für Abel Kaplan läuft es alles andere als gut. Seine Frau Eva trennt sich, er verliert seinen Job an der Schule. Vielleicht ist es immerhin die Zeit, endlich das eine ganz große Buch zu schreiben. Als ihm das unbekannte Tagebuch eines Lagerinsassen in die Hände fällt, wittert Abel seine Chance: Er will und kann aus der Vergangenheit Lehren ziehen, er will sich gegen Verfolgung und eine Gesellschaft stemmen, die diese zulässt. Was am Schreibtisch beginnt, setzt sich schnell fort ins Leben, plötzlich setzt Abel alles daran, einen jungen Flüchtling vor der Abschiebung zu bewahren. Ein mitreißender Roman über einen Mann im Ausnahmezustand und die Frage, wie man in dieser bedrohten Zeit überhaupt noch verantwortlich handeln soll. Daan Heerma van Voss geboren 1986, Nachfahre des Industriellen und Pioniers der modernen Luftfahrt Sybrand Heerma van Voss, ist Autor und Journalist. Er verfasst Beiträge für internationale Zeitungen, darunter ?The New York Times?, die amerikanische ?Vogue? und ?Svenska Dagbladet?. ?Abels letzter Krieg? ist sein erster Roman in deutscher Übersetzung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 21.12.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423434522
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Originaltitel: De laatste oorlog
Weiterlesen weniger lesen

Abels letzter Krieg

3.

Durch die Musik des Streichertrios hindurch hörte man den Wind um die großen Fensterscheiben der Etage pfeifen. Das Bootsrennen war beendet, auf einem Katamaran wurde gefeiert, die anderen trieben weiter.

Es war halb zwölf, richtig betrunken würde er nicht mehr werden, und gerade mal ein bisschen angeschickert reichte ihm nicht. Gäste machten sich fertig zum Gehen. Innerhalb einer Stunde würde das Zimmer leer sein, die Putzkräfte würden sich ranhalten, den Raum innerhalb einer halben Stunde wieder sauber und vorbildlich aussehen zu lassen.

Früher hatte sie nichts schöner gefunden als eine überraschend verlaufene Nacht, mit lauter lockeren Begegnungen, Drama, Zigaretten und Wein. Früher drückte sie ihre Zigaretten - die sie konsequent Kippen nannte - in herumliegenden Kaffeebechern aus. Frühestens in anderthalb Stunden würden er und seine Ex allein sein.

Jetzt begann der schlimmste Teil des Abends: als Letzter übrig bleiben.

Ein Ehemann geht nicht vor dem letzten Gast. Herumstehen, allen zum Abschied zunicken. Früher hätte es die Hoffnung auf eine Nacht mit ihr gegeben, die das Herunterzählen - noch fünf Gäste, vier, drei - erträglicher gemacht hatte.

Ihm bekannte Gesprächsfetzen trieben vorüber. Seit sie richtig gut verdiente, spendete sie, wie es das jüdische Gesetz vorschreibt, zehn Prozent ihres Einkommens für gute Zwecke. Das war etwas, worüber sie mit ihren Gesprächspartnern reden konnte; Unterhaltungen über die Bedeutung von Traditionen, über Respekt, über Gerechtigkeit. Natürlich hatte er sie nie auf ihre gegenwärtige Großzügigkeit angesprochen, er behielt seine unvermeidliche Schlussfolgerung lieber für sich: Eva war eine Frau, die erst freigiebig wurde, als sie es sich leisten konnte.

Die Vorstellung, dass Frank Trustfull ihr neuer Liebhaber sein könnte, erwies sich im Nachhinein als unsinnig. Sie ärgerte sich ganz offensichtlich über seine Bemerkungen, die er über die Art, wie Trustfull sich bewegte, gemacht hatte: ein wenig hölzern, pseudomännlich. Mindestens zehn Gäste waren jetzt noch da.

Dass er an diesem Abend doch wieder gekommen war, hatte seine Verhandlungsposition natürlich weiter geschwächt. Er griff nach einem neuen Glas, schon längst hatte er aufgehört, sie zu zählen. Er bezweifelte, dass er unter diesen Umständen im Bett noch zu irgendetwas in der Lage sein würde.

Daaaarling , warf der steinerne Fußboden zurück. Er schaute sich zuerst gar nicht um, aus Furcht vor dem, dem diese Begrüßung galt. Während in seinem Rücken geselliges Treiben herrschte, starrte er regungslos nach draußen. An einer der Grachten hatte ein Lastwagen angehalten und verursachte einen Stau und fernes Gehupe.

Wer kam noch um diese Zeit? Und warum bemerkte er bei Eva, die mit offenen Armen an ihm vorbeiging, keine Spur von Irritation angesichts der späten Stunde? Es war noch schlimmer, stellte er nach einigen stechenden Blicken fest. Trotz ihrer Rituale und ihrer Pünktlichkeit schien sie wirklich erfreut, den neuen Gast zu begrüßen.

Das musste er sein. Der neue Finger auf der Waagschale.

Seines Wissens war sie nie fremdgegangen. Dafür fehlte ihr die Kreativität, und vor allem, das musste er ehrlich zugeben, die Verlogenheit. Sie war treu geblieben, auch als sie ihn nicht mehr liebte. Sie brauchten keine Untreue, um einander zu verletzen. Von Widerwillen erfüllt, drehte Kaplan sich um.

Die zehn Anwesenden standen in einem Halbkreis um den späten Gast herum. Kaplan kannte sein Foto aus der Zeitung, aber zum Glück war er ihm noch nie begegnet. Glänzendes blondes Haar, hollywoodgrau an den Schläfen. Wie hieß er doch gleich, Den Duyvel? Duifman? Was machte der Kerl hier?

Es konnte durchaus sein, dass dieser Bursche der neue Liebhaber seiner Frau war. Er war nicht hässlich, besaß jene auffällige Art Charisma, zu der machtbewusste - "ambitionierte" - Frauen sich hingezogen fühl

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen