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Adrian oder: Die unzählbaren Dinge von Stallhofer, Angelika (eBook)

  • Verlag: Verlag Kremayr & Scheriau
eBook (ePUB)
14,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Online verfügbar

Adrian

Adrian Keller ist Werbetexter und arbeitet für große Unternehmen. Er schreibt Produkte zum Erfolg. Seine Protagonisten sind Autos, Sportschuhe oder Uhren - und unfehlbar. Anna Liebmann, seine Lebensgefährtin, ist Schriftstellerin und erobert sich die Welt durch Worte. Adrian bewundert sie für ihren kritischen Geist und ihren Mut zur Freiheit, doch er sitzt in seinem bürgerlichen Leben fest: Das Pflegeheim seines Vaters ist zu bezahlen und die Projekte werden immer aufwendiger. Als er den Auftrag eines Immobilienmoguls annimmt, wird aus seiner Werbefigur Max Beier der Protagonist einer Kampagne für sicheres Wohnen. Adrian zieht in ein neu gebautes 'Smart Home' und seine Figur entwickelt allmählich ein Eigenleben. In einer Welt der Verrohung, geprägt von Macht und Überwachung, arrangiert Angelika Stallhofer ihre Figuren und Worte wie ein Blumenbouquet - kraftvoll und strahlend. Eine Hommage an die stärkste aller Waffen: die Literatur. 'Wir stehen auf den Schultern von Riesen und kauern doch wie Mäuse darauf - so klein und grau und ängstlich, als säßen im Himmel um uns tausend Katzen.' Angelika Stallhofer, 1983 in Villach geboren, aufgewachsen in Seeboden, lebt in Wien. Studium der Publizistik in Wien und Hamburg und Absolventin des Instituts für Narrative Kunst Niederösterreich. Veröffentlichte Prosa und Lyrik in Literaturzeitschriften und Anthologien. Zahlreiche Preise und Stipendien, u.a. Gewinnerin des Ö1-Literaturwettbewerbs 'Geld und Gier', Start-Stipendium für Literatur des Bundeskanzleramts Österreich 2014 und 2016.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783218011518
    Verlag: Verlag Kremayr & Scheriau
    Größe: 1787 kBytes
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Adrian

Der Auftrag

Ich steige in den Lift und verlasse das Gebäude. Bevor ich ins Freie trete, schließen meine Hände das Sakko - und behalten recht. Der Frühling macht noch keinen Sommer, die Luft ist kühl geworden und kriecht mir in die Ärmel, über den Dächern hängt ein grauer Schirm. Er wird den Regen nicht aufhalten. Ich folge der Donaulände und spüre die Müdigkeit, die mir den Atem nimmt. Noch könnte ich umkehren, doch ich höre die beiden Stimmen, sie schlagen Wellen entlang des Weges. Ihr Wogen macht ein vertrauliches Geräusch.

Ich bin nicht mehr "Keller", neben mir geht Christof, der mich Adrian nennt. Er ist nun nicht mehr "König". Er sagt, er kenne meinen Vater von früher, und fragt mich, wie es ihm gehe. Bestimmt, fügt er hinzu, könne ich eine Menge über ihn erzählen. Vor uns geht die Marketingleiterin, die jetzt Beate heißt, sie kennt den Weg - und hat es eilig. In ihrer Hand schwingt ein weißer Schirm, er macht einen versöhnlichen Eindruck. Ich sehe Christof von der Seite an, das Licht verleiht ihm ein altes Gesicht. Mein Mund ist trocken. Da spült es mir ein paar Silben auf die Zunge, doch sie sind zu leise. Der Regen hat eingesetzt und Beates Schirm schießt laut in unser Gespräch. Dann keucht sie "geradeaus" und die gelben Schuhe lotsen uns weiter. Die Hausfassaden tauchen langsam in die Nässe des Abends.

Ich wende mich dem Ufer zu, lasse meinen Blick eine Weile im Gewässer treiben. Der Regen sticht den Fluss mit feinen langen Nadeln. In einiger Entfernung liegt eine Brücke, die Strömung treibt meinen Blick darauf zu. Laut wiederhole ich meine Antwort.

"Vater geht es gut, vielen Dank."

Christof entgegnet mit einem Lächeln, es trägt einen pflichtbewussten Zug. Erst jetzt erinnere ich mich an den versäumten Anruf. Ich entschuldige mich und greife in mein Sakko, ziehe das Handy aus der linken Innentasche und erwarte Annas Namen auf dem Display zu sehen. Ich höre Beates Stimme:

"Wir sind da."

Als ich aufschaue, zeigt ihre Schirmspitze nach rechts. Ich bedeute Christof, vorauszugehen, und bleibe noch einen Moment im Regen stehen.

Der Anruf kam von Tante Grete. Die feinen Nadelstiche im Genick starre ich auf die Rufnummer. Dann landen Regentropfen auf den Ziffern und ich wische sie mit den Tropfen zur Seite. Im Schutz des Sakkos schreibe ich Anna eine Nachricht.

Ich unterrichte , erwidert Anna prompt und fügt das explodierende Feuerwerk an. Ich lasse ihr keine Wahl. Den gelben Gesichtern, die ich zurückschicke, hängt die Zunge heraus, doch es fehlt der Hals. Es gibt nur einen Satz, den Anna mir darauf antworten kann. Schmunzelnd lasse ich ein paar Sekunden verstreichen, dann stecke ich das Handy ein, wende mich nach rechts, wohin Beates Schirm gewiesen hat, und drücke den Unterarm gegen die Holztür des Restaurants.

Im Inneren des Lampedusa ist es warm. Das Licht taucht die Wände in goldgelbe Felder, hinter der Bar wachen zwei Fässer, davor versammeln dunkle Tische die Menschen um sich im Kreis. Ihre Köpfe beugen sich zu deren Mitte hin, zwischen den Körpern glänzt es silbern, da und dort lösen sich Messer und folgen den Gabeln in die Höhe - Handlanger, die für einen Moment aufblitzen -, die Teller auf den Tischen aber sind breit und stattlich und zwingen die Ausreißer wieder hinab. Nur die Gläser steigen höher und verbleiben länger in der Luft. Man spült sich die Bürostunden fort, heischt um Mitleid oder fischt nach Komplimenten, später zieht man neue Geschäfte an Land. Auf den hinteren Tischen stehen gelbe Tulpen. Auch unser Tisch floriert. Er ist gedeckt - für vier.

Beate, die mich kommen sieht, krümmt ein paar Finger und winkt mich zu sich. Sodann hebt sie das Kinn und deutet auf einen Aperitif.

"Mach es dir bequem."

Ich nicke und

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