text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Agnes betet von Mann, Raya (eBook)

  • Verlag: epubli
eBook (ePUB)
4,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Agnes betet

Serenus glaubt an die Psychiatrie. Seine Sucht führt ihn in eine Privatklinik, wo mit neuartigen Substanzen experimentiert wird. Sorglos schließt er den diabolischen Pakt mit der Pharmazie. Agnes glaubt an Gott. Vor ihrer traumatischen Kindheit flüchtet sie sich von Klinik zu Klinik. Sie ist gewillt, ihr Leben zu beenden und sucht einen Sterbebegleiter. Als die 25-jährige dem doppelt so alten Serenus begegnet, keimt in ihr der Wunsch, getötet zu werden. In einem mysteriösen Kloster finden die beiden die Reliquie der Heiligen Agnes. Die Tötung der Märtyrerin, ein Messerschnitt durch ihre Kehle, fesselt die Phantasie der beiden. Als die Dramen in der Klinik anfangen sich zu überstürzen, gibt es kein Zurück mehr. Raya Mann erzählt von seelischen Wunden und ihrer Heilung, im Spannungsfeld von klinischem Irrglauben und tiefer Spiritualität. Das Lektorat besorgte Nina Eisen. -

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 100
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783748519720
    Verlag: epubli
    Größe: 529 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Agnes betet

Die allerletzte Flasche

Serenus verließ die Autobahn bei Vicenza. Er fuhr durch die Ebene in nördlicher Richtung weiter. Es war später Nachmittag, als er den Ort erreichte. Er stellte den Wagen in der Straße ab, die zur alten Holzbrücke führte. Im Städtchen gab es zwei Destillerien; sie hießen Nardini und Poli. Ihre Läden lagen am anderen Ende der alten Holzbrücke. Heute war Sonntag. In Bassano waren die meisten Läden am Sonntag geöffnet. Zwischen heute und dem übernächsten Sonntag lagen fünfzehn Tage - oder fünfzehn Flaschen Grappa. Mit drei Sechserkartons im Kofferraum fuhr Serenus die letzten zwei Kilometer bis zum Hotel. Er schaffte das Gepäck auf sein Zimmer und nahm eine Dusche. Zuoberst im Koffer lagen die frischen Kleider. Um neunzehn Uhr begann er die erste Grappaflasche zu leeren.

Er war es gewohnt, sich abends zu betrinken und anderntags früh aufzustehen. Er begann den Morgen mit italienischem Kaffee und fuhr los. Gegen Abend kehrte er ins Hotel zurück und wandte sich Nardini und Poli zu. Vor dem Essen legte er sich eine Stunde aufs Ohr. Nach dem Essen trank er weiter, bis die Flasche leer war. Um Mitternacht schlief er bereits. Nach zwei Wochen hatte er halb Venetien besichtigt - vor allem die berühmten Villen und Paläste aus dem sechzehnten Jahrhundert mit ihren wunderbaren Fresken. Er hatte so viel gesehen, dass er die Städte, Museen und Baudenkmäler nicht mehr auseinanderhalten konnte. An die Namen der Renaissance-Maler konnte er sich nicht mehr erinnern. Oben auf dem dunklen Holzschrank standen in zwei Reihen sechzehn leere Grappaflaschen. Heute war der erste Sonntag im Juni.

Als er gegen Abend mit Packen fertig war, trank er die vorletzte Flasche aus. Die allerletzte Flasche leerte er auf der Autofahrt zum Bodensee. Um sechs Uhr früh kam er auf dem Parkplatz vor der Klinik an. Er kauerte sich auf der Rückbank zusammen und schlief sogleich ein.
Sternenstaub statt Supernova

Pünktlich um zehn Uhr betrat er das Haus Jupiter. Die Rezeptionistin wies auf die Sitzgelegenheiten und bat ihn, zu warten. Ein Pfleger - er sah müde und freudlos aus - trug die Hälfte des Gepäcks durch den Park bis zu dem neuen Bettenhaus im entlegensten Teil des Areals. Hier war die Entzugsstation untergebracht. Das Gebäude hieß Mars. Serenus bekam ein Einzelzimmer mit Bad und einem Balkon mit Blick auf den Park. Der Pfleger führte ihn weiter zum Untersuchungsraum. Zuerst musste Serenus eine Urinprobe abgeben, danach wurde ihm Blut abgezapft und in verschiedene Röhrchen gefüllt. Die Messung des Blutdruckes ergab hohe Werte: 104 / 168, und sein Puls lag bei hundert Schlägen pro Minute. Schließlich brachte der Pfleger das Gerät für die Atemluftprobe und Serenus musste blasen. Seine Lunge schied jedoch bereits keinen messbaren Alkohol mehr aus. Auf der Anzeige stand 0,00 in leuchtendem Rot.

Das Mittagessen nahm er auf seinem Zimmer ein, denn er stand unter Beobachtung und durfte den Mars bis auf Weiteres nicht verlassen. Aber er durfte auf dem Balkon rauchen. Am Nachmittag kam seine Psychiaterin, eine fröhliche Mittvierzigerin, die aussah wie dreißig. Sie begrüßte ihn, begann ihn auszufragen und machte sich Notizen auf einem Block.

"Warum haben Sie sich für unsere Klinik entschieden?"

"Sie wurde mir von verschiedenen Seiten empfohlen."

"Was hat Sie denn besonders überzeugt?"

"Dass Sie hier unkonventionelle Methoden anwenden."

"Was meinen Sie genau?"

"Sie arbeiten mit neuen Medikamenten - und zwar außerhalb der Zulassung."

"Warum spricht Sie das an?"

"Weil ich weder depressiv noch psychotisch bin."

"Woher wissen Sie das?"

"Ich wurde schon einmal behandelt."

"Mit Medikame

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen