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Alicia jagt eine Mandarinente Roman von Jodl, Angelika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2018
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
13,99 €
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Alicia jagt eine Mandarinente

Drei Mittvierziger, eine turbulente Reise durch China und viele unerhörte Überraschungen

Alicia und Theo, Didi und Gregor: zwei Ehepaare Mitte vierzig, die miteinander befreundet sind. Als Gregor tödlich verunglückt, gerät das Gespann aus der Balance, denn Gregor, Charmeur und Hallodri, war der geheime Mittelpunkt. Im Andenken an Gregor brechen die drei schließlich – aus ganz unterschiedlichen Beweggründen –? zu einer Reise nach China auf, wo sie mit einer fremden Kultur konfrontiert werden. Die täglichen Herausforderungen, mal skurril und witzig, mal ernst und von großer Tragweite, bewältigt dabei jeder auf seine Art. Eine Reise, auf der ihre Freundschaft und ihre Beziehung zueinander auf den Prüfstand gestellt wird.

Angelika Jodl unterrichtet Studenten aus aller Welt in Deutsch. Außerdem schreibt sie Geschichten, hält Vorträge zur deutschen Sprache und reitet ein ausgemustertes Rennpferd. Sie lebt mit Mann, Sohn, Hund und Katzen in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 09.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423432887
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Größe: 936kBytes
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Alicia jagt eine Mandarinente

ALICIA

SCHON KAMEN DIE BLAUEN FLIESEN der nächsten Haltestelle in Sicht, auf den Schienen kreischten die Bremsen, in drei Wellen brachte der Fahrer die U-Bahn zum Stehen. Bei jedem Schub taumelten die Fahrgäste nach vorne, dann zurück. Alicia ließ ihre Tasche fallen und versuchte, die bereits von etlichen Händen umklammerte Metallsäule zu fassen. Die Türen öffneten sich keuchend, und sofort brach Hektik los, Füße stolperten über Füße, Ellbogen brachen sich ihren Weg, ein Hut wurde um dreißig Grad gedreht.

Nur das Liebespaar neben Alicia behielt seine Position bei. Elastisch fing der Mann alle Bewegungen mit seinem Körper ab, er war nicht groß, er wiegte sich und die Frau, die er in seinen Armen hielt, während er sie küsste. Sie löste sich von ihm, legte den Kopf zurück, einen Moment lang sah Alicia ihr Gesicht: hell, schön, lilienhaft. Und so jung. Ein Kätzchen.

Immer noch bahnten sich einzelne Passagiere ihren Weg nach draußen, neue brachen stampfend herein, das Mädchen schob sich an ihnen vorbei zum Ausgang, den Blick weiter sehnsüchtig ins Wageninnere gerichtet. Auf dem Bahnsteig drehte sie sich um. Fauchend schlossen sich die elektrischen Schwingtüren, das Mädchen drückte weiße Zähne auf ihre Unterlippe, übermütig lachten ihre Augen, sie öffnete die Lippen, warf eine Kusshand. Die Bahn fuhr los.

Der Mann stand mit dem Rücken zu Alicia, sie hatte die ganze Zeit nur seine Schultern und den Hinterkopf gesehen und fand, dass er eine unglaubliche Ähnlichkeit mit Gregor hatte - dieser schmale Körper, der dunkle Stoppelschnitt, die feinen Ohren eng an den Schädel geschmiegt.

Der Mann drehte sich um. Es war Gregor.

Die Bahn rollte und holperte.

"Na?", sagte er, während er nach der Metallstange neben Alicia griff. Seine Handkante berührte ihre, sofort rutschte sie mit ihrer Hand einen Zentimeter nach unten.

"Steigst du auch die Nächste aus?", fragte er.

Mit einem Ruck zerrte sie sich ihren Jackenärmel vom Handgelenk, um auf die Uhr zu sehen. "Achtzehn Uhr hieß es doch? Didi hat achtzehn Uhr gesagt."

"Dann bist du ja genauso früh dran wie ich", sagte er und grinste.

Seine Dreistigkeit war unglaublich.

Sie verließen die U-Bahn, gingen nebeneinander her. Ein Spätnachmittag im März, ein paar Spatzen schrien von den Bäumen, in den Pfützen am Boden spiegelten sich die letzten Wolken.

Das Lokal lag halb verborgen hinter immergrünem Buschwerk. Gregor drückte gegen die schwere Tür, ließ sie zuerst eintreten. Sie stand im Halbdunkel des Eingangsrondells, vor sich den schweren Wollvorhang, der die Eintretenden vom Restaurant trennt. Dieses Mal kam sie ihm zuvor. Bevor Gregor weitere Galanterie beweisen konnte, schlug sie den Vorhang zur Seite und marschierte durch den langen, leeren Raum zu dem Hinterzimmer, wo sie immer zu viert saßen. Ihre Absätze tackerten auf dem Holzboden. Noch konnte sie sich ihren Hass erlauben, Didi und Theo kämen frühestens in fünfzehn Minuten. Zeit genug, um ihn zur Rede zu stellen.

Sie knöpfte sich die Jacke auf, wickelte sich den Schal vom Hals, die ganze Zeit schlug ihr Herz. Sie musste ansprechen, was sie gesehen hatte. Aber wie? Sollte sie Gregor befragen? So im Kommissarsstil? Wer ist dieses Mädchen, wie lang geht das schon, weiß Didi davon? Und dann er: Dasgehtdichnichtsan, dasgehtdichnichtsan . Aber übergehen konnte sie ihre Entdeckung erst recht nicht, das wäre Verrat an Didi. Die Stille im Raum war etwas Hörbares, jedes Geräusch schleppte ein Misstrauen nach sich wie Schritte in der Dunkelheit. Sie zog einen Stuhl herbei. Da saß sie, gegenüber von Gregor, dem Mann, der ihre beste Freundin betrog. Dass er keine Skrupel hatte, war ihr längst klar. Aber ein leibhaftiger Beweis ist noch mal etwas anderes.

Der Kellner kam mit zwei stattlichen Speisekarten. Gregor schlug die seine sofort auf.

"Ist sie nicht ein wenig zu j

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