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All About a Girl Roman von Moran, Caitlin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.09.2015
  • Verlag: carl's books
eBook (ePUB)
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All About a Girl

England 1990, die Happy Mondays sind in den Top of the Pops, Margaret Thatchers Regierungszeit neigt sich dem Ende zu, und das Land ächzt unter der Arbeitslosigkeit: Wie soll man bloß in einer Sozialsiedlung in Wolverhampton inmitten einer chaotischen Familie erwachsen werden - mit einem Vater, der seit zwanzig Jahren von einer Karriere als Rockstar träumt und einer Mutter, die, obwohl sie schon drei Kinder hat, eine erneute Schwangerschaft bis zum Geburtstermin als Magenverstimmung deutet? Reicht Johanna Morrigans Trickkiste aus schwarzem Eyeliner, Doc Martens, derben Sprüchen, einem wilden Partystil und einem immensen Wissen über angesagte Popmusik aus, um sich neu zu erfinden, endlich Sex zu haben und die Familie aus der Misere zu retten? Ein intelligenter, sprühend witziger Roman über das Erwachsenwerden, trügerische Rollenbilder und das Glück, ein Kind der Neunzigerjahre zu sein. Caitlin Moran, geboren 1975, ist das älteste von acht Kindern und wuchs in Wolverhampton in England auf. Mit fünfzehn verfasste sie ihren ersten Roman, mit sechzehn ihre ersten Artikel für den Melody Maker. Seit sie achtzehn ist, schreibt sie Kolumnen für die Times. Sie wurde für ihre journalistische Arbeit bereits mehrfach mit dem British Press Award ausgezeichnet. Ihr 'feministisches Manifest mit viel schrägem Humor' (Zeit-Magazin), How to be a woman (dt. 2012), war ein internationaler Bestseller. Ihr neuer Roman About a Girl stürmte in Großbritannien die Spitze der Bestsellerlisten und erscheint in zahlreichen Ländern. Moran lebt mit ihrem Mann und den beiden Töchtern in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 08.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641153847
    Verlag: carl's books
    Originaltitel: How to build a girl
    Größe: 1171 kBytes
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All About a Girl

01

Ich liege im Bett, neben meinem Bruder Lupin.

Er ist sechs Jahre alt und schläft.

Ich bin vierzehn und schlafe nicht. Ich masturbiere.

Im Grunde tue ich es nur ihm zuliebe, aus reinem Edelmut, denn schließlich liegt ihm mein Glück doch am Herzen.

Er hat mich gern und würde nicht wollen, dass ich gestresst bin. Ich habe ihn auch gern - bloß nicht gerade beim Masturbieren. Es wäre nicht richtig, dabei an ihn zu denken. Dabei kann ich keine Geschwister gebrauchen. Zwar lasse ich ihn heute bei mir schlafen - er ist um Mitternacht weinend aus dem Etagenbett geklettert und zu mir unter die Decke geschlüpft -, aber in meinem sexuellen Hinterland hat er nichts verloren. Ich kann ihn in meinen Gedanken nicht brauchen.

"Da muss ich alleine durch", sage ich energisch - wenn auch nur im Stillen - zu ihm und baue, um meine Privatsphäre zu schützen, ein Kopfkissen zwischen uns auf. Unsere eigene kleine Berliner Mauer. Geschlechtsreife Jugendliche auf der einen Seite (Westdeutschland), sechsjährige Knaben auf der anderen (Ostblock). Grenzübertritte müssen verhindert werden. Das gehört sich so.

Kein Wunder, dass ich Hand an mich legen muss - ich habe einen furchtbar stressigen Tag hinter mir. Unser alter Herr ist - mal wieder - nicht berühmt geworden.

Nachdem er zwei Tage verschwunden war, kreuzte er heute nach dem Mittagessen wieder auf, Arm in Arm mit einem ramponierten Streuselkuchengesicht im abgewetzten grauen Anzug mit rosa Schlips um den Hals.

"Dieser Sack ", verkündete Dad frohgemut, "ist unsere Zukunft. Sagt unserer Zukunft guten Tag, Kinder."

Höflich sagten wir dem Sack, unserer Zukunft, guten Tag.

Eingehüllt in eine Wolke aus Guinness-Dunst ließ Dad uns wissen, dass es sich bei dem jungen Mann vermutlich um den Talentscout einer Plattenfirma aus London namens Rock Perry handelte. "Kann aber auch sein, dass er Ian heißt."

Wir lugten aus der Diele ins Wohnzimmer. Rock hockte auf unserer durchgesessenen rosa Couch und hielt sich den Kopf. Er war knülle. Man hätte meinen können, der Schlips wäre ihm von einem Feind umgebunden worden, um ihn zu erdrosseln. Er sah nicht wie die Zukunft aus, sondern nach 1984. Was im Jahr 1990 sehr vorgestrig war - sogar oben bei uns in Wolverhampton.

"Wenn wir unsere Trümpfe richtig ausspielen, sind wir bald Millionäre ", flüsterte unser Vater weithin hörbar.

Lupin und ich rannten in den Garten, um zu feiern. Wir schaukelten zusammen auf der Schaukel und schmiedeten Zukunftspläne.

Mutter und unser großer Bruder Krissi blieben stumm. Sie hatten schon zu oft mit ansehen müssen, wie die Zukunft bei uns im Wohnzimmer Platz nahm - und wieder entschwand. Auch wenn sie jedes Mal einen anderen Namen und andere Klamotten trägt, läuft ihr Besuch immer nach dem gleichen Schema ab: Sie lässt sich stets nur angetrunken bei uns blicken und darf unter gar keinen Umständen wieder nüchtern werden, weil wir sie mit List und Tücke dazu bringen müssen, uns mitzunehmen, wenn sie wieder geht. Wir müssen uns wie Kletten in ihren Pelz hängen - alle sieben - und uns aus unserer armseligen Hütte bis nach London tragen lassen, wo Ruhm, Reichtum und rauschende Feste auf uns warten. Wo wir hingehören.

Es hat noch nie geklappt. Bis jetzt ist die Zukunft noch immer ohne uns aus dem Haus gewankt. Und wir sitzen seit dreizehn Jahren in einer Sozialsiedlung in Wolverhampton fest und warten, fünf Kinder - die Zwillinge kamen erst vor drei Wochen überraschend dazu - und zwei Erwachsene. Wir müssen hier raus. So schnell wie möglich. Viel länger halten wir es nicht mehr aus, arm und verkannt zu sein. Die 1990er sind kein gutes Jahrzehnt für Leute ohne Geld und Ruhm.

Wieder im Haus, geht auch schon alles den Bach runter. Der geraunte Wunsch meiner Mutter - "Ab in die Küche, kipp noch'ne Dose Erbsen in die Bolognesesoße! Wir haben Besuch!" - ist mir Befehl. Mit eine

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