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Alle Farben des Himmels Roman von Paredes, Anna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.06.2016
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Alle Farben des Himmels

Vom New York der Jahrhundertwende bis zu den blühenden Kaffeefeldern Costa Ricas

New York, 1897. Ein tragisches Unglück beendet jäh die Familienidylle der Malerin Margarita und des Fotografen Daniel. Hals über Kopf muss die junge Frau eine schwere Entscheidung treffen: Nach sieben unbeschwerten Jahren entschließt sie sich, mit ihren beiden kleinen Kindern nach Costa Rica zu reisen, um dort Zuflucht auf der familieneigenen Kaffeeplantage zu suchen. Doch ist hier noch das Zuhause, das Margarita einst so liebte? Sie spürt, sie ist nicht mehr dieselbe, die einst von dort aufbrach, um sich ihren Traum vom Künstlerdasein zu erfüllen. Margarita will einen Neuanfang wagen. Aber darf sie auch auf ein neues Glück hoffen?

Anna Paredes wurde in Köln geboren. Sie liebt Reisen in ferne Länder und einzigartige Städte. In dem Roman "Alle Farben des Himmels" erzählt sie, wie das Leben der Protagonisten ihrer Costa-Rica-Saga weitergeht. Hierfür hat sie einen anderen, nicht minder faszinierenden Schauplatz gewählt: New York in den Jahren kurz vor 1900, der Zeit des Gilded Age. Die gelernte Volkskundlerin hat mehrere historische Romane unter Pseudonym veröffentlicht. Nach einem vierjährigen Aufenthalt in Belgien lebt die Autorin heute in Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 20.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641195267
    Verlag: Blanvalet
    Serie: Costa-Rica-Saga Bd.4
    Größe: 1910kBytes
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Alle Farben des Himmels

1

JUNI 1897

"Will mitkommen, Mommy." Lilly stellte sich auf die Zehenspitzen und reckte die Ärmchen fordernd in die Höhe.

"Mitkommen, mitkommen", plapperte William seiner älteren Schwester nach, steckte einen Daumen in den Mund und saugte gedankenverloren daran. Mit der anderen Hand zerknüllte er einen grasgrünen Stofffetzen: seinen Drachen, den der kleine Junge immer bei sich haben musste und der sogar Zauberkräfte besaß, wie er felsenfest behauptete.

Margarita ging in die Hocke und drückte ihren Kindern einen herzhaften Kuss auf die Wangen. "Heute nicht, meine Herzchen. Eure Mommy will sich mit einer Freundin treffen und von früheren Zeiten erzählen. Ihr schlaft sonst vor Langeweile ein. Außerdem wolltet ihr doch mit Elsie einen Bananenkuchen backen und mit den Nachbarskindern ein Picknick im Garten veranstalten."

"Lilly will mitkommen", beharrte die Vierjährige, stampfte mit dem Fuß auf und schlang die mageren Kinderarme um den Hals der Mutter.

"Auch mitkommen." William nahm den Daumen aus dem Mund und zog einen Flunsch. Dicke Tränen kullerten ihm über die Pausbäckchen.

Margarita seufzte unhörbar. Seit dem Aufstehen hatte sie sich das Wiedersehen mit ihrer Freundin in den schönsten Farben ausgemalt. Henriette unterrichtete als Französischlehrerin die weiblichen Sprösslinge der New Yorker High Society. Sie kannten sich nahezu neun Jahre, seit der Zeit, als Margarita in die aufregende Stadt zwischen Hudson und East River gezogen war. Damals wohnten sie Tür an Tür in der Bond Street, im südlichen Teil Manhattans. Seither trafen sie sich so oft wie möglich zum Gedankenaustausch in einem Café, gingen ins Theater oder bummelten durch die riesigen noblen Warenhäuser in der West 20th Street, bei deren Auslagen die Herzen aller Frauen höher schlugen. Allerdings verließen Margarita und Henriette den Kauftempel nur höchst selten mit einer Einkaufstüte aus Papier, denn die Preise waren ebenso exquisit wie die Angebote.

Doch nun empfand Margarita fast ein schlechtes Gewissen, dass sie ohne die Kinder aus dem Haus gehen wollte. Unschlüssig blickte sie zu ihrer Haushälterin hinüber, die sich eine Schüssel unter die Achsel geklemmt hatte und mit einem Kochlöffel den Kuchenteig rührte. Elsie bemerkte den fragenden Blick ihrer Dienstherrin und zwinkerte ihr beruhigend zu.

"Wer von euch beiden hilft mir, der Banane die Hose herunterzuziehen? Schließlich wollen wir doch keine Sch alen mitessen!", rief sie mit ihrer tiefen Baritonstimme, die so gar nicht zu der molligen kleinen Frau mit den weiblichen Rundungen passte. Hätte man Elsie nur gehört und nicht gesehen, man hätte ihre Stimme für die eines Mannes gehalten.

"Ich!"

"Nein, ich!"

Wie auf Kommando ließen Lilly und William von der Mutter ab und rannten um den Küchentisch herum auf Elsie zu. Diese stellte die Schüssel auf der Tischplatte ab, zog ein scharfes Küchenmesser aus der Schublade und schnitt den Stängel einer reifen gelben Frucht an. Dann löste sie ringsum die Schale, jedoch nicht mehr als einen Finger breit. Die Kinder griffen gleichzeitig nach der Banane, zogen gemeinsam und unter viel Gekicher den Rest der Schale ab.

"Hose aus", jauchzte William und biss lachend ein Stü ckchen Fruchtfleisch ab. Lilly tat es ihm nach, und Elsi e überließ ihnen mit mildem Lächeln eine zweite Frucht.

Schmunzelnd sah Margarita zu. Bananenkuchen war in ihrer Kindheit ihr Lieblingskuchen gewesen. Auf der Kaffeeplantage ihres Urgroßvaters, auf der sie aufgewachsen war, hatte die Köchin ihn jeden Samstag gebacken. An Tagen, wenn tropische Regenfälle das Spielen unter freiem Himmel unmöglich gemacht hatten, hatte Margarita viele Stunden in der Küche verbracht. Oftmals hatte sie beim Zubereiten der Mahlzeiten zugeschaut, durfte gelegentlich sogar vom rohen Teig naschen.

Vor einigen Wochen hatte ein neuer Obst- und Gemüsehändler in der Jones Street, Ecke

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