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Alles, was Sie über Philine Blank wissen müssen von Buschmann, Katja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.08.2016
  • Verlag: Residenz Verlag
eBook (ePUB)
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Alles, was Sie über Philine Blank wissen müssen

So glasklar und schmerzhaft schön ist die Geschichte vom Erwachsenwerden lange nicht erzählt worden. Philine hat eine in Liebesdingen wankelmütige Mutter und wechselnde Väter, sie bewegt sich im Wasser wie ein Fisch und verliert schließlich auch an Land den Boden unter den Füßen. Als Philine nach einem Zusammenbruch in ein Dorf umziehen muss, lernt sie Planta kennen, Planta-derden-Plan hat, der ihr im Morgengrauen das beste Rührei der Welt serviert und dessen Augen so blau sind wie ein Haifischbecken. Er zeigt ihr das 'Flaschenhaus' am See, wo jeder willkommen ist. Hier scheint ein anderes Leben möglich, ein glückliches, schwereloses, freies. Doch als sich die Flaschenhauskommune im Winter auflöst, entscheidet sich Philine gegen das Kaputtgehen und hält fest - was war und was nicht gewesen ist, und alles, was Sie wissen müssen. Katja Buschmann geboren 1987 in Leisnig (Sachsen), studierte Dramaturgie, Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität sowie der Bayerischen Theaterakademie in München, dann Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Veröffentlichungen in Anthologien, u. a. in '5 von 12. Geschichten junger Münchner Autoren', 'Tippgemeinschaft 2012. Jahresanthologie der Studierenden des Deutschen Literaturinstituts Leipzig'. Katja Buschmann lebt in Leipzig und auf dem Land, 'Alles, was Sie über Philine Blank wissen müssen' ist ihr erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 296
    Erscheinungsdatum: 16.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783701745340
    Verlag: Residenz Verlag
    Größe: 974 kBytes
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Alles, was Sie über Philine Blank wissen müssen

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Dämmerung, Zwischenreich

Später, viel später. Der Wind streichelt das Gras. Leicht bewölkt. Nicht zu kalt und nicht zu warm. Nicht mehr Tag. Noch nicht Nacht.

"Das kannst du doch nicht machen."

"Zeit für Tatsachen. Das hast du selbst gesagt."

"Das werde ich nicht zulassen."

"Man muss der Wahrheit ins Auge sehen."

"Es ist nur die halbe Wahrheit. Höchstens."

Die wiederum reicht für eine ganze Geschichte. Es hat mich einige Zeit gekostet, die Wahrheit herauszufinden. Warum sollte ich gleich alles verraten?

"Dir scheint viel daran zu liegen."

"Wir müssen uns an die Fakten halten."

Und die Fakten sind -

"So ein Ende hat sie nicht verdient."

Wer sagt, dass es das Ende ist?

"Verschweigst du mir etwas, Philine?"

Sommer, Planta, weißt du noch? Wie wir im Garten hinterm Flaschenhaus saßen und du mir geholfen hast, meine Geschichte zu schreiben? So wie ich dir half mit deiner? Über uns der Himmel, Wolken. Unter uns die Erde, Gras. Vor uns die Überreste von dem, das hinter uns lag, das uns alles gewesen ist. Ein Traum, den wir träumten, bis es keiner mehr war. Sondern schon ein Leben. Das sich so richtig angefühlt hatte, so wirklich, ganz und gar. Weil es unser Leben war. Wie du es gesagt hast, Planta: weil wir uns nicht darum gekümmert haben. Weil wir sorglos waren. Weil wir unser Schicksal in die Hände von anderen gelegt haben. Weil wir nicht sicher waren, wo die Wirklichkeit aufhörte, wo etwas anderes begann, weil wir alles durcheinandergebracht hatten, was konnten wir dafür? Wir haben nichts getan. Nur das, was wir für richtig hielten. Weil wir den Moment liebten, und es nichts gab als das: Momente. Immer, wenn ich mich auf den langen Weg zum Flaschenhaus machte, merkte ich, wie die Zeit sich veränderte. Wie sie unwichtiger wurde. Aufhörte. Sich auflöste. Endete. So wie die Pfade. Wie die Wege. Und irgendwann nur noch plattgetretenes Gras. Und irgendwann nur noch hohes Gras. Und irgendwann nur noch ein Schritt. Und ein nächster. Und ein nächster. Irgendwann setzte der Regen ein. Als ich das Flaschenhaus erreichte, völlig durchnässt, hatte ich die Zeit längst vergessen. Dort gab es nur noch Jetzt. Und Jetzt. Und Jetzt. Und Vitali, der vielleicht der beste Lügner von uns allen war. Der nicht zu kämpfen bereit war, als es darauf ankam. Für Träume kämpft man nicht, hat Vitali gesagt. Man lässt sie geschehen. Kommen und gehen. So wie Vitali, der sich eines Tages in unser Dorf verlaufen hatte, was wohl die einzig mögliche Art ist, diesen Ort überhaupt zu finden. Sich niederließ, in der Wildnis, zwischen den Tagebaurestlöchern, wo die Bagger ruhen und die Kräne schlafen, sich erholen von den Strapazen vergangener Tage, abgelegt von einer Horde spielender Kinder, die, bei näherer Betrachtung, erstaunlich erwachsen aussehen - und die vergessen haben, aufzuräumen. Vitali, der einfach fortgegangen ist, wie viele hier. Die nichts zurückließen als Leere, Lücken, Scherben. Aber auch Erinnerungen. Und uns, die wissen, dass man eine Leere füllen kann. Eine Lücke schließen. Scherben sammeln. Blätter sortieren. In den Trümmern der Geschichte wühlen.

"Die Leute werden das nicht mögen."

"Sie müssen es auch nicht mögen. Es reicht, wenn sie es lesen."

"Warum sollten sie? Wo ist da die Hoffnung?"

Natürlich hatte ich, wie so oft, nicht an die Leute gedacht. Planta hingegen ... Er dachte an nichts anderes.

"Da trennt sich gleich die Spreu vom Weizen. Die, die sich abschrecken lassen. Und die, die es wissen wollen, die mutig sind, weitergehen."

Und allen, die sich an dieser Stelle bereits von uns verabschieden: gute Reise und viel Glück! Und allen anderen, die sich ein Herz fassen und weiterlesen: gute Entscheidung. Viel Glück. Planta, sage ich, denk doch mal nach. Die Leute sind wankelmütig, mal wollen sie dies, dann jenes, heute gefällt ihnen das, morgen etwas anderes. Den eine

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