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Alles nur ein Zirkus Fehltritte unter Mächtigen von Levin, Daniel (eBook)

  • Verlag: Elster Verlag
eBook (ePUB)
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Alles nur ein Zirkus

Basierend auf persönlichen Erfah- rungen, gesammelt im Laufe seiner weltweiten Beratungstätigkeit für staatliche Institutionen während zwei Jahrzehnten, vermittelt der Autor auf Schauplätzen von Washington über Moskau und Peking bis Dubai und Luanda einen scharfen, bittersüssen Blick hinter die Kulissen der Macht. Er führt ein in die verschlossene und absurde Welt der Mächtigen und ent- hüllt mit viel Humor ihre rechtfertigenden Verrenkungen für eigennützige und skrupellose Handlungen. Daniel Levin, Rechtsanwalt, geboren 1963, verbrachte seine Kindheit als Sohn eines Diplomaten in Mittleren Osten und Afrika, besuchte das Gymnasium in Zürich und absolvierte sein Studium in der Schweiz und in den USA. Seit über zwanzig Jahren arbeitet er weltweit für Regierungen und Institutionen als Berater für wirtschaftliche Entwick- lung und politische Reformen. Gegenwärtig ist er Mitglied des Stiftungsrates der Liechtenstein Foundation for State Governance. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt nahe New York City.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 264
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783906903927
    Verlag: Elster Verlag
    Größe: 289 kBytes
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Alles nur ein Zirkus

Einführung

Im Verlauf der letzten zwanzig Jahre habe ich viel gelacht und viel geweint. Meist überwog das Lachen. In dieser Zeit habe ich eine Menge Experten getroffen, die Lösungen anbieten, obschon kein wirkliches Problem existiert; eine Menge Koryphäen, die spitzfindig Unterscheidungen artikulieren, auch wenn kein wirklicher Unterschied besteht; eine Menge Torwächter, denen es nur darum geht, die von ihnen gehüteten Tore geschlossen zu halten, und eine Menge politischer Macher, getrieben einzig und allein von nacktem Ehrgeiz - mehr oder weniger menschliche Kreaturen, die nichts, aber auch gar nichts tun, was nicht der Förderung ihrer eigenen Karriere dient, und die in keinem Zweck das Gute sehen können, wenn für sie kein eigener Nutzen und Vorteil mit im Spiel ist. Ich habe immer wieder erlebt, wie grandiose Politiker mit bombastischer Zurschaustellung von Reue und Demut die routiniert vorgespielte Verantwortung für ihre Fehler auf sich nehmen, ohne diese Verantwortung tatsächlich zu übernehmen, während sie andere den Preis zahlen und die Prügel einstecken lassen. Ich habe Machthaber getroffen, die echte Pioniere und Genies sind, wenn es darum geht, Macht anzuhäufen und zu verfestigen - allerdings um einiges weniger genial und bahnbrechend, wenn es ums Regieren selbst geht. Mit wachsender Vertrautheit durchlief ich in diesen Jahren alle Stadien des Scheiterns: von Kopfschütteln zu Ablehnung, von Ablehnung zu Enttäuschung, von Enttäuschung zu Ungläubigkeit, von Ungläubigkeit zu Irritation, von Irritation zu Empörung, von Empörung zu Wut, von Wut zu Verachtung und von Verachtung zu Resignation. In diesem Teufelskreis steckte ich fest; ich lernte aus meinen Fehlern nichts außer der ernüchternden Einsicht, dass ich nichts aus ihnen zu lernen imstande bin.

Das Verrückteste an diesen Geschichten ist, dass sie alle wahr sind. Sie ereigneten sich im Verlauf der vergangenen zwei Jahrzehnte während meiner Reisen quer durch die ganze Welt. Ich selbst war in diesen Geschehnissen mehr als Beifahrer und weniger als Lenker der Geschehnisse verwickelt, war eher Zuschauer denn Hauptdarsteller, und dies in vielfältigen Rollen und unter den unterschiedlichsten Umständen: als Rechtsanwalt in Entwicklungsländern während der Gründungsjahre ihrer Finanzmärkte, in Privatisierungen oder Umstrukturierungen von Staatsschulden, in Projekten zur Übertragung von Finanzwissen und politischem Grundverständnis an bisher vernachlässigte Bevölkerungsschichten dieser Länder, oder in der Vermittlung zwischen Kriegsparteien in Konfliktgebieten. Meine Rolle in den turbulenten, bisweilen bizarren Situationen, von denen ich in den folgenden Kapiteln berichte, beruhte nicht auf irgendeiner großartigen beruflichen Strategie oder einer glänzenden Karriereplanung; ich war eher ein zufälliger Augenzeuge, der von einem verblüffenden Abenteuer in das nächste stolperte.

Meine frühesten Erinnerungen gehen zurück auf meine Kindheit in Ostafrika in den 1960er Jahren, auf eine Zeit, als der Kontinent nach erreichter Unabhängigkeit voller Versprechen und Hoffnungen war. Die reine Unschuld und Glückseligkeit dieser Jahre prägten bis heute das Paradies meiner Träume. Vielleicht war es der Wunsch, dieses Paradies wiederzuentdecken, der mich dazu veranlasste, als Erwachsener immer wieder nach Afrika zurückzukehren. Aber ebenso plausibel ist, dass eine Kindheit in ständiger Bewegung mir die Empfindung gab, mich in Afrika ebenso zuhause - oder verloren - zu fühlen wie im Nahen Osten, in Europa, in Nordamerika, oder in Asien. Viele Wurzeln bedeuten keine Wurzeln. Zu viele Neuanfänge, zu viele Abschiede ohne Goodbye. Vielleicht war es der illusorische Vergleich mit dem Glanz meiner Kindheit, der mich dazu bewog zu fragen, warum die Mächtigen ihre Macht so selten nutzten, um den Menschen auf der untersten Stufe der Leiter den Aufstieg zu ermöglichen. Ich fragte mich, vielleicht ebenso illu

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