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Alpengold - Folge 228 Man nannte ihn den Witwenhof von Wallner, Rosi (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.09.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe
eBook (ePUB)
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Alpengold - Folge 228

Als der fesche Amend-Michael als Lehrer in das kleine Bergdorf Wieskirchen versetzt wird und Quartier auf dem Witwenhof nimmt, kann er nicht ahnen, wohin es ihn da verschlagen hat. Seit Jahren schon herrscht auf dem Hof von Ruth und Daniela Buchwieser eine reine Weiberwirtschaft - und keiner ihrer Mieter hält es lange mit den beiden vom Leben enttäuschten und bitter gewordenen Witwen aus. Doch Michael gelingt ein kleines Wunder, denn er schleicht sich unbemerkt in das Herz der schönen Daniela. Aber gerade als er auf ein Glück mit Dani zu hoffen wagt, geraten die Dinge auf dem Witwenhof jäh außer Kontrolle: An einem kalten Winterabend belauscht Danielas kleiner Sohn Jakob ein Gespräch, das er niemals hätte hören dürfen, und steigt bei Eis und Schnee ins Gebirge auf - ein Todesurteil für ein Kind in seinem Alter und die härteste Bewährungsprobe für Michaels und Danielas junge Liebe ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 64
    Erscheinungsdatum: 27.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732536849
    Verlag: Bastei Lübbe
    Größe: 648 kBytes
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Alpengold - Folge 228

"Noch ein Weißes?", fragte die Kronenwirtin freundlich, als Michael Amend das Mittagessen beendet hatte und den Teller zurückschob.

"Nein, eins ist genug. Aber die Knödel mit dem Kraut waren ganz ausgezeichnet, so gut hat es mir noch nirgends geschmeckt. Sicher ist das Rezept ein sorgsam gehütetes Familiengeheimnis", erwiderte Michael.

Die behäbige Wirtin, die zwar schon weiße Haare, aber ein glattes, rosiges Gesicht hatte, was sie sehr jugendlich wirken ließ, lachte auf. "Ganz so arg ist es net. Aber ich hab halt noch richtig kochen gelernt unter der strengen Aufsicht meiner Mutter."

"Die war sicher Köchin von Beruf."

"Aber nein. Früher war's halt selbstverständlich, dass die Madeln bereits als Kind am Herd stehen mussten. Aber jetzt zu Ihnen, haben Sie sich schon das Schulhaus mit der Wohnung angesehen?"

"Ja, heut Morgen. Die Klassenzimmer sind ja einigermaßen in Ordnung, die Grundausstattung halt. Aber die Wohnung ist ein Graus. Dass da noch jemand drin gelebt hat, ist ja kaum zu glauben."

"Ihr Vorgänger, der hier überall noch 'Schulmeister' genannt worden ist, war ein rechter Sonderling und hat sich im Schulhaus buchstäblich vergraben. Sie sind sicher etwas anderes gewohnt."

"Nein, das ist es nicht. Die Wohnung ist vom Schimmelpilz befallen, und die Rohre sind auch nicht dicht. Im Grunde genommen sind die Räume bald völlig unbewohnbar, wenn die Gemeinde nichts dagegen unternimmt. Dort kann ich auf keinen Fall einziehen, das ganze Gebäude muss erst einmal grundsaniert werden."

"Nun, hier können Sie weiter das Kammerl oben haben", meinte die Kronenwirtin entgegenkommend.

"Das ist vorerst sehr hilfreich, aber auf die Dauer brauche ich meine eigenen vier Wände", wandte Michael ein.

"Da hätt ich einen Vorschlag ..."

Auf seine einladende Geste hin hatte die Wirtin ihm gegenüber Platz genommen. Der Gastraum hatte sich inzwischen geleert, und die Aushilfe war schon dabei, die Tische abzuräumen, sodass sie sich eine kurze Ruhepause gönnen konnte, bis die Vorbereitungen für das Abendessen anstanden.

"Oben auf dem Witwenhof ist grad mal wieder der Mieter ausgezogen. Es handelt sich um einen Anbau, ordentlich hergerichtet, der eigentlich als Austragshäusl gedacht war. Aber es ist halt alles anders gekommen. Wenn Ihnen zwei Zimmer mit Dusche reichen ..."

"Ja, das wäre genau richtig. Es ist doch separat, oder?", erkundigte er sich.

"Ja, natürlich. Sie sind dort völlig ungestört, und hinter der Scheune ist auch ein Stellplatz für Ihren Wagen."

"Das klingt doch alles sehr gut." Dann fiel Michael die eigenartige Miene der Wirtin auf. "Aber Sie wollen mir doch noch etwas sagen, oder?"

Die Frau wand sich etwas, ehe sie ihm eine Antwort gab. "Es ist halt so, dass es dort niemand lang aushält. Doch vorübergehend könnt es halt schon passen."

"Heraus mit der Sprache! Was stimmt nicht auf dem Witwenhof?"

"Die Bäuerin ist eine rechte Giftnocken und ihre Schwiegertochter ebenso. Die Mieter haben bei denen nichts zu lachen, und das hält auf die Dauer kein Mannsbild aus. Dort herrschen strenge Sitten und ständige Aufsicht."

Michael musste unwillkürlich lachen. "Dass es so etwas noch gibt! Zwei alte Frauenzimmer, die aus der Zeit gefallen sind."

"Die sind gar net so alt, da werden Sie staunen. Aber das ist eine lange Geschichte."

"Ich mag lange Geschichten. Ich nehm nun doch noch ein Weißes."

Als das Bier vor ihm stand, und er einen tiefen Zug genommen hatte, begann die Kronenwirtin zu erzählen.

"Die waren net immer so, die Ruth Buchwieser und ihre Schwiegertochter, die Daniela. Aber das Schicksal hat es halt net gut mit ihnen gemeint. Ich erinnere mich noch, was für ein schönes und heiteres Madel die Ruth gewesen ist, bevor sie den Buchwieser-Luitpold geheiratet hat."

Ein tiefer Seufzer kam von ihren Lippen, und für einen Augenblick wirkte sie geistesabwesend,

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