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Als das Leben unsere Träume fand Roman von Di Fulvio, Luca (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)

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Als das Leben unsere Träume fand

Drei Leben. Zwei Welten. Ein Neuanfang.

Es ist das Jahr 1913, und eine Schiffsreise nach Buenos Aires verheißt eine zweite Chance für drei junge Menschen: Der Sizilianer Rocco hat den Zorn der Mafia auf sich gezogen, als er sich weigerte, sein Leben in den Dienst der ehrenwerten Gesellschaft zu stellen. Rosetta hat in einem sizilianischen Dorf dem Don die Stirn geboten und nur knapp eine Vergewaltigung überlebt. Die russische Jüdin Raquel ist die einzige Überlebende eines Pogroms, ihre kostbarste Habe ist die Erinnerung an die Liebe ihrer Eltern. Doch das Leben in der Neuen Welt stellt sie vor schier unüberwindbare Hindernisse ...

Luca Di Fulvio, geb. 1957, lebt und arbeitet als freier Schriftsteller in Rom. Bevor er sich dem Schreiben widmete, studierte er Dramaturgie bei Andrea Camilleri an der Accademia Nazionale d'Arte Drammatica Silvio D'Amico. Seine Romane Der Junge, der Träume schenkte, Das Mädchen, das den Himmel berührte und Das Kind, das nachts die Sonne fand standen monatelang auf den ersten Plätzen der Spiegel-Bestsellerliste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 765
    Erscheinungsdatum: 01.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732555727
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 2755 kBytes
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Als das Leben unsere Träume fand

1

Alcamo, Sizilien

" B ottana! ", zischte jemand.

Doch Rosetta Tricarico setzte ihren Weg durch die staubigen Gassen von Alcamo fort, ohne sich nach der Frau umzudrehen, die sie als Hure beschimpft hatte.

" Bottana svergognata! ", rief eine andere, von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidete alte Frau, deren Gesicht mit zahllosen Falten übersät und von der unbarmherzigen Sonne Siziliens gebräunt war.

Schamlose Hure, so hatte sie sie genannt. Aber auch das konnte Rosetta nichts anhaben, sie hastete unbeirrt weiter, barfuß, in ihrem luftigen mohnroten Kleid, dessen Saum um ihre Beine flatterte.

An einem Tisch unter dem schilfgedeckten Vorbau der Osteria saßen ein paar Männer, in Hemden mit speckigen Kragenrändern und dunklen Westen mit ausgebeulten Taschen, die coppola tief in die Stirn gezogen, und mit Bartstoppeln am Kinn. Sie alle verschlangen Rosetta wie eine Jagdbeute mit geradezu gierigen Blicken. Einer spuckte einen zähen Klumpen Schleim aus, dunkel vom Tabak.

"Wo willst du denn so eilig hin?", höhnte der Wirt, während er sich die Hände an seiner Schürze abwischte.

Die Männer lachten spöttisch, doch Rosetta ging wortlos und mit erhobenem Haupt an ihnen vorbei.

Einer der Männer trank einen großen Schluck süßen Passito. "Ich hab gehört, heut Nacht sind die Wölfe aus den Bergen gekommen", sagte er, und wieder lachten alle. "Zum Glück haben sie meine Herde verschont", fuhr der Mann fort.

"Wölfe suchen halt nur Huren heim, brave Christenmenschen lassen sie in Ruhe", warf der Wirt ein, und alle Männer nickten.

Rosetta blieb abrupt stehen. Sie ballte die Hände zu Fäusten, hielt den Männern aber den Rücken zugewandt.

"Hast du uns was zu sagen?", fragte einer herausfordernd.

Rosetta zitterte vor Wut, antwortete aber nicht. Schließlich riss sie sich zusammen und setzte ihren Weg zur Kirche San Francesco d'Assisi fort. Dort stürmte sie wie eine Furie in das Pfarrhaus und baute sich vor dem Pfarrer auf.

"Wie könnt Ihr so etwas zulassen, Pater?", brüllte sie. Ihr Gesicht war weiß vor Wut, ihre Haare, schwarz und glänzend wie das Gefieder eines Raben, fielen offen über ihre Schultern, ihre dunklen Augen, von dichten Wimpern umrahmt, glühten im Zorn wie zwei brennende Kohlestücke. "Wie kann ein Mann Gottes wie Ihr nur so tun, als wäre nichts geschehen?"

"Was meinst du?", fragte Pater Cecè sichtlich verlegen.

"Das wisst Ihr sehr genau!"

"Beruhige dich ..."

"Heute Nacht haben sie zehn meiner Schafe getötet!"

"Ach so ... das ... natürlich", stammelte der Pfarrer. "Man sagt, das waren die Wölfe ..."

"Wölfe schneiden Schafen nicht die Kehle durch!"

"Aber mein Kind ... wie kannst du das sagen ..."

"Wölfe fressen Schafe auf", fuhr Rosetta fort. In ihrem Blick lag jetzt neben Wut auch Verzweiflung. "Sie fressen sie! Sie lassen sie nicht einfach liegen!" Wieder ballte Rosetta die Hände zu Fäusten, so fest, dass ihre Fingerknöchel weiß hervortraten. "Aber das wisst Ihr sicher", fügte sie hinzu. "Wie könnt Ihr, wie könnt Ihr nur ...?"

Pater Cecè seufzte, er fühlte sich sichtlich unwohl unter Rosettas Blick. Als er sich abwandte, bemerkte er, dass die Haushälterin sie belauschte. "Verschwinde!", fuhr er sie an und schloss die Tür. Dann holte er aus dem hinteren Teil des Raumes zwei Stühle, die er einander gegenüber aufstellte. Einen davon wies er Rosetta zu.

Rosetta trat auf ihn zu und sah ihn lange an, ehe sie sich schließlich setzte. "Wie könnt Ihr das nur zulassen?", fragte sie noch einmal.

"Ich habe dich lange nicht mehr in der Kirche gesehen", entgegnete der Pfarrer.

Rosetta lächelte bitter. "Na und? Wenn ich in die Kirche komme, helft Ihr mir dann?"

"Unser Herr wird dir helfen."

"Und wie?"

"Er wird zu deinem Herzen sprechen und dir raten,

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