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Als die Sonne im Meer verschwand Roman von Abulhawa, Susan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.05.2015
  • Verlag: Diana Verlag
eBook (ePUB)
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Als die Sonne im Meer verschwand

"Dieser Roman ist brillant, mutig, überwältigend." Teju Cole In Amerika aufgewachsen, kennt die Palästinenserin Nur die malerischen Dörfer ihrer Heimat bloß aus den Erzählungen ihres Großvaters. Doch dann trifft sie Jamal, der als Arzt in Gaza arbeitet und sie dorthin einlädt. Zum ersten Mal reist Nur zu ihrer Familie und erlebt, wie eng deren Geschichte mit der Israels und Palästinas verflochten ist. Sie ist überwältigt von den Eindrücken, erfährt aber auch eine bittere Wahrheit über Jamal. Stehen lediglich die strengen Regeln seiner Kultur zwischen ihnen? Nur muss herausfinden, wohin sie und ihre Liebe gehören. Die internationale Bestsellerautorin Susan Abulhawa erzählt auch in ihrem neuen Roman voller Poesie von einer Familie ohne Heimat, von Krieg, Frieden und Hoffnung. Susan Abulhawa, 1970 geboren als Kind palästinensischer Flüchtlinge, wuchs in Kuwait, Jordanien und Jerusalem auf. Als Teenager ging sie in die USA, wo sie heute gemeinsam mit ihrer Tochter lebt. Die Autorin engagiert sich für die Menschenrechte und die Lebensumstände von palästinensischen Kindern in besetzten Gebieten. Ihre Romane "Während die Welt schlief" und "Als die Sonne im Meer verschwand" sind internationale Bestseller und wurden in 28 Sprachen übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 18.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641126575
    Verlag: Diana Verlag
    Originaltitel: The Blue Between Sky and Water
    Größe: 879 kBytes
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Als die Sonne im Meer verschwand

14

D ie Witwe des Imkers hatte keine Blutsbande zu uns, nur Bande der Liebe. Diese kinderlose Frau war überall glücklich, solange sie ihre Hände nur in fruchtbare Erde schlagen und mit ihren Pflan zen reden konnte. Solange der lebensspendende Dreck unter ihren Nägeln gedieh.

Mamduh starrte auf sein Zuteilungsbüchlein vom Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge, in dem geschrieben stand, dass er der Haushaltsvorstand sei. Aber einen Haus halt gab es nicht. Er lebte in einem Zelt, das er mit seiner Schwes ter Nazmiyya, deren Ehemann Atiyah und dessen Familie teilte. Er war selten dort. Während der ersten zwei Jahre nach der Ver treibung aus Beit Daras schlief er am Strand von Gaza unter dem Sternenhimmel. Er fand Arbeit als Gehilfe eines Schmieds und gab ein Drittel seines Lohns an seine Schwester Nazmiyya weiter, ein anderes Drittel an die Witwe des alten Imkers. Das fand er nur angemessen, denn er wollte den Mann ehren, der ihm ein Ersatzvater gewesen war. Aber es gab noch einen wei teren Grund. Während seiner Jahre als Lehrling des Imkers hatte er sich in dessen jüngste Tochter, Yasmin, verliebt. Die beiden sprachen nie darüber und lebten die gegenseitige Zuneigung natürlich auch nie aus, denn sie war anderweitig verlobt gewesen und hatte bald geheiratet. Selbst nachdem ihr Ehe mann von den Juden getötet worden war, hatten sie und Mamduh, der regelmäßig vorbeikam und ihrer Stiefmutter das Geld überbrachte, sich nur ganz selten mit Blicken über ihre Gefühle verständigt.

Die Witwe des Imkers war eine fröhliche Frau, die gern kochte, auch noch nach den vielen Schicksalsschlägen, die sie hatte erdulden müssen: Krieg, Vertreibung, Verwitwung, Armut. Sie war die dritte Frau des Imkers gewesen, nicht viel älter als Yasmin. Die beiden Frauen hatten zu Friedenszeiten kein besonders enges Verhältnis zueinander gehabt, waren jetzt aber als die einzigen Überlebenden ihrer Familie zusammengewachsen. Sie litten an denselben Wunden und Verlusten und teilten die Liebe zu gutem Essen. Die Witwe verbrachte ihre Tage meist damit, zu kochen und sich die besten Zutaten für das Mahl des nächs ten Tages zu sichern. Schon nach wenigen Wochen des Le bens im Zelt war ihr gebrochenes Herz wieder ein wenig geheilt, und sie suchte nach einem Stückchen Land, auf dem sie einen kleinen Garten anlegen konnte.

Jeden Tag erntete die Witwe des Imkers die Früchte ihrer Bemühungen. Ihr selbst gezogenes Gemüse tauschte sie gegen frische Ziegenmilch, die sie zu Butter stampfte, zu Quark und Joghurt oder Laban verarbeitete oder zu Käse machte. Sie tauschte ihre Rote Bete, ihren Kohl, ihre Gurken und Kartoffeln auch ge gen Hühner und Eier ein. Während die anderen Frauen schicksalsergeben in ihren Zelten saßen und auf die Zeitung des nächsten Tages, die nächste Essenszuteilung, irgendeine Neuigkeit, den Regen, den Sonnenuntergang oder auf die Rückreise nach Beit Daras warteten, verbreitete die Witwe des Imkers eine Stimmung der Normalität. Sie inspirierte die anderen Frauen, die begannen, sich um die Verschönerung ihrer provisorischen Behausungen zu kümmern. Bald trafen sich die Frauen wieder so wie früher, um zusammen die Wäsche zu waschen, zu tratschen, Weinblätter zu rollen, Reiskörner nach Steinchen und Insekten zu durchsuchen. Ihre Ehemänner stellten Ständer für Wäsche leinen auf, bauten Gemeinschaftsküchen und unterirdische Öfen, in denen die Frauen Brot backen konnten. In dieser Zeit, in der Nationen erschüttert wurden und kollektive Trauer in die Geschichte einsickerte, um über Generationen weitergegeben zu werden, kehrten die Flüchtlinge von Beit Daras zurück zu ihren fröhlichen Witzen, zu Klatsch und Tratsch. Während sie darauf warteten, zurück nach Hause gehen zu dürfen, wurden Babys geboren und Hochzeiten gep

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