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Als ich unter Sternen schlief von Alibek, Pius (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.05.2011
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Als ich unter Sternen schlief

Ein Lebensweg vom Orient in den Westen, lebendig und farbig erzählt wie ein Roman - eine Geschichte von glücklicher Kindheitsheimat, Entwurzelung und vitalem Neuanfang. Seine Kindheit im gerade in die Unabhängigkeit entlassenen Irak der 50er Jahre gleicht einer orientalischen Erzählung: Pius wächst behütet und abenteuerlich zugleich mit elf Geschwistern in einer Familie auf, die der ältesten christlichen Gemeinde angehört und ihre eigenen Traditionen bewahrt; seine Muttersprache ist das biblische Aramäisch. Im großen Familienclan werden die Gesetze der Gastfreundschaft und des Respekts für den anderen gelebt. Die friedliche Gemeinschaft verschiedener Völker - Araber, Kurden, Armenier und Turkomanen - im Norden des Iraks wird zu einer entscheidenden Prägung für ihn. Doch es sind die Jahre, in denen sich Saddam Husseins Baath-Partei des Iraks bemächtigt. Die Familie flieht in den Süden, erlebt das Exil im eigenen Land. Widerstandsgeist und Religiosität bringen Pius ins Priesterseminar, die Zustände im Jesuitenkolleg und die Enttäuschung über theologische Engstirnigkeit vertreiben ihn jedoch bald. Er ergreift die Chance, englische Literatur in Bagdad zu studieren. Bei einem Studienaufenthalt in London verliebt er sich in ein katalanisches Mädchen: eine Explosion der Sinne nach der Dürre der Seminarzeit. Doch erst durch die Begegnung mit den Wundern und Schrecken der Wüste, die er während seines Militärdienstes kennenlernt, reift der junge Mann zu seiner wahren Bestimmung heran. Ein Überraschungserfolg in Katalonien, wochenlang Platz 1 der Bestsellerliste. "Dies ist reine erzählerische Energie." Jaume Cabré

Pius Alibek, geboren 1955 in Ankawa im kurdischen Irak als Sohn einer chaldäisch-assyrischen Familie, studierte nach prägenden Jahren in einem Priesterseminar der Jesuiten Anglistik in Bagdad. Nach dem Militärdienst setzte er sich nach Barcelona ab. Dort betreibt er ein irakisches Restaurant. Als ich unter Sternen schlief ist sein erstes Buch.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 271
    Erscheinungsdatum: 28.05.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458749103
    Verlag: Insel Verlag
    Größe: 1339 kBytes
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Als ich unter Sternen schlief

2 Ich bin der fünfte der sechs Söhne und sechs Töchter aus der katholischen Ehe der Hausfrau Maria Gorgis und des Landvermessers und Beamten des Zentralen Agrarreformbüros Hermez Alibek. Unser Haus lag mitten in Ankawa an der Hauptstraße, die das Städtchen von Norden nach Süden durchschneidet, fünfzig Meter vom Haus meiner Großeltern väterlicherseits entfernt. Es war einstöckig und nicht besonders groß, aber die Gesamtfläche des Anwesens, wenn man den Garten und den riesigen Hof dazunahm, der mit erdbraunen Ziegeln gepflastert war und das Haus von einem kleinen Gebäude aus Lehmziegeln trennte, wo das Brot gebacken wurde und allerlei Gerümpel stand, betrug insgesamt mehr als sechshundert Quadratmeter. Eine etwa zwei Meter hohe Mauer aus gelben Lehmziegeln umgab das Haus, das ebenfalls aus gelben Lehmziegeln erbaut war. Die Gartenpforte und die Geländer der Dachterrasse waren aus Schmiedeeisen, an dem noch Reste des ursprünglichen silberfarbenen Anstrichs zu sehen waren, der mit der Zeit abgeblättert war. In dem kleinen Garten am Eingang gab es riesige Bäume, einer – ein gewaltiger Eukalyptus, wie ich ganz deutlich erinnere – stand, wenn man hereinkam, links. Auf diesem Baum versteckte ich mich immer, wenn ich etwas ausgefressen hatte.

Meine erste Erinnerung ist eine undeutliche Vision in Rottönen von ein paar Kindern, die auf einem Teppich um einen Kerosinofen herum sitzen. Mein Vater hatte jedem von uns ein paar Münzen gegeben, vielleicht als Weihnachtsgeschenk. Wir spielten damit, machten die Münzen auf dem Ofen heiß, warfen sie dann auf den Teppich, worauf sie mit den Fingern angefasst werden mussten. Gelächter brach aus, wenn man blitzschnell die Hände zurückzog und sich umgehend die Fingerspitzen in den Mund steckte. Meine Schwester Suha, die ungefähr zwei Jahre alt war, saß neben mir, spielte aber nicht mit. Sie hielt ihre Münze mit der Hand umklammert und schrie jedes Mal, wenn ich versuchte, sie ihr wegzunehmen und auf den Ofen zu legen. Schließlich überzeugte ich sie davon, mir die Münze zu überlassen, und machte sie heiß. Mit dem Schlafanzugärmel warf ich sie auf den Teppich und verlangte von ihr, sie mit den Fingern anzufassen. Als sie sich weigerte, ergriff ich ihre Hand und drückte die Handfläche auf die Münze. Sie schrie vor Schmerz und begann zu weinen. Das Bild wird grau und verdunkelt sich. Ich erinnere mich nicht, ob der Vater mir eine Ohrfeige gab, aber ich saß zur Strafe ganz allein im Nebenzimmer, weit weg von dem Schwesterchen, das mir meinen Platz als Jüngster im Haus streitig gemacht hatte.

Ich war kaum älter als vier Jahre, als uns ein Freund meines Vaters besuchte, ein Kurde aus Arbil. Er hatte seinen hellen Volkswagen Käfer vor dem Haus der Großeltern geparkt. Dieses Stück der Straße fiel zu einem Bewässerungskanal hin ab, dem tiefstgelegenen Punkt des Städtchens und gleichzeitig sein Äquator. Er hatte gesehen, wie ich auf der Straße spielte, und mich gebeten, auf den Wagen aufzupassen. Die Handbremse hatte er angezogen, die Tür jedoch nicht abgeschlossen. Der Vater und sein Freund gingen ins Haus, während ich das Auto umrundete, in der Absicht, es vor der Neugier der Kinder zu schützen, die gekommen waren, um zu sehen, wer da eingetroffen war, wie das in einem Städtchen so üblich ist, in dem wenig los ist.

Die Versuchung, in das Auto zu steigen und vor diesen Kindern mit meiner Vorzugsstellung anzugeben, war gewaltig. Ich machte also die Tür auf, setzte mich auf den Fahrersitz und drehte das Lenkrad nach links und rechts. Mit dieser Vorführung hatte ich freilich nicht genug. Es musste noch etwas anderes passieren. Auf die Hupe zu drücken, getraute ich mich

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