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Als wir im Regen tanzten Roman von Saalfeld, Michaela (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.07.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Als wir im Regen tanzten

1928. Berlin pulsiert, gilt als Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Schauspielerin Recha und der Regisseur Willi zur Nieden sind das Traumpaar der Metropole und ihrer blühenden Filmwelt. Hinter der Fassade bröckelt es jedoch. Die Nationalsozialisten gewinnen immer mehr an Zustimmung, auch durch die Filme der vom Großindustriellen Hugenberg übernommenen UFA. Als Jüdin ist Recha unmittelbar betroffen. Willi jedoch verschließt die Augen, und das einstige Traumpaar entfremdet sich. Werden die beiden trotz allem neu zueinander finden - oder verlieren sie einander, während die Welt um sie herum ins Wanken gerät? Liebe und Hoffnung, Mut und Verzweiflung - der große Berlin-Roman zur Weimarer Republik Als Autorin und Historikerin hat sich Michaela Saalfeld ganz der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verschrieben. Sie debütierte im Sommer 2018 mit ihrem Roman über die Anfänge der ersten deutschen Demokratie, Was wir zu hoffen wagten. Michaela Saalfeld lebt mit ihrer Familie in Berlin, wo auch die Haupthandlung ihrer Romane angesiedelt ist.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 463
    Erscheinungsdatum: 31.07.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732572397
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1797 kBytes
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Als wir im Regen tanzten

März

Es regnete in Strömen.

Recha trat aus dem Lichtkegel der Laterne, der den Regen in silberne Blitze verwandelte, und blieb im Dunkeln stehen. Ihr Körper vibrierte. Es war kalt, doch das war nicht der einzige Grund. Erregung und Erwartung trugen das ihre bei.

Sie hatte in der Grünen Minna warten sollen, einer Mischung aus Mokkadiele und Cocktailbar, Überbleibsel eines Hotels, das sich mit Kriegsanleihen in den Bankrott manövriert hatte. Einige ihrer Freunde von der WILWO waren auch gekommen: Gunter Agnelli, der Beleuchtermeister, Lutz Petersen, ihr Filmpartner, und Sonja Vogt-Behringer, eine Kollegin, die in ihrem Alter war, auch wenn sie in den meisten Filmen ihre Mutter spielte. Sie alle hatten unter Wolfgang und für seine aus dem Boden gestampfte Produktionsgesellschaft gedreht, aber Wolfgang und seine WILWO gab es nicht mehr. Ob Richard Oswalds Produktionsgesellschaft ihren Platz einnehmen und ihnen allen Arbeit verschaffen würde, sollte sich an diesem Abend entscheiden.

Gemeinsam war das Warten halbwegs erträglich gewesen. Sie tranken erst Cocktails, dann Sekt, der für die Feier bestimmt und lauwarm geworden war, und zuletzt Tee, wahlweise mit Rum. Ein Mensch namens Lehnitz, den Recha flüchtig von der UFA kannte, gesellte sich mit einem herzzerreißend schönen, braunlockigen Jungen zu ihnen und bat, mit ihnen auf die Entscheidung warten zu dürfen.

"Der Film ist das Medium der Zukunft." Lehnitz hatte eine schnarrende Stimme. "Und wenn der deutsche Film in dieser Zukunft mitmischen soll, dann braucht es Männer wie Willi zur Nieden, die ihm Impulse geben, Männer, die sich was trauen. Gernot hier habe ich ihm schon ans Herz gelegt. Der ist ein kommender Stern."

Die vier WILWO -Leute, einschließlich Recha, hatten kaum aufgeblickt. Sie brauchten eine Produktionsfirma, Geld und Verträge. Keinen kommenden Stern, der vermutlich wie so viele aus irgendeinem Provinznest in die Hauptstadt geschwemmt worden war, weil bei ihm daheim die Leute hungerten und niemand für Film und Theater Geld hatte.

Geld hatte auch in der Hauptstadt niemand. Deutschland war ein besiegtes, in den Boden gestampftes Land, das zwei Millionen seiner Männer in einem sinnlosen Krieg verloren hatte und nicht wusste, wie es die Überlebenden über die nächsten vier Wochen bringen sollte. Und Berlin war eine Stadt, in der Schlachten tobten, eine Stadt, in der Deutsche gegen Deutsche kämpften und dabei über Leichen gingen, als wäre ihr Blutdurst noch immer nicht gestillt. Filme wurden hier trotzdem gemacht - vielleicht weil die Leute mit der Leere im Magen und der Verstörung im Kopf Ablenkung im großen Stil brauchten, vor Leben überquellende Bilder, die ihre Sinne betäubten.

Im Dezember hatte man die Leichen der erschossenen Spartakisten in endlosen Trauerzügen durch die Stadt getragen, während gleichzeitig im Union-Theater, hier am Kurfürstendamm, Ernst Lubitschs Film Carmen wild und rauschhaft Premiere feierte. Wen im eigenen Heim nur Hunger, Kälte und Tod erwarteten, der ging gern ins Kino, um sich aufzuwärmen, und wenn das Kino nicht beheizt war, wärmte die Pracht der Bilder auf der Leinwand.

Der Film, an den Recha und ihre Freunde all ihre Hoffnungen hängten, hatte jedoch weder Ablenkung noch Pracht und Rausch zu bieten. Wärme vielleicht und auch ein wenig Trost, aber nur für die, die den Weg durch Schuld und Traurigkeit mitgingen. Er war kein Schmerzmittel, sondern ein Seziermesser, erzählte vom Krieg, von Tod und Verzweiflung in einer von Deutschen verwüsteten Stadt. Weshalb sollte ein Produzent sein Geld für einen solchen Film ausgeben, den in einem Land, das nach sinnloser Heiterkeit lechzte, kein Mensch würde sehen wollen? Mit den Stunden, die verstrichen, wurden die Hoffnungen der Freunde dünner.

"Oswald wird sich darauf nicht einlassen", sagte Gunter, den Wolfgang früher seinen "Herrn

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