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Alte Sorten Roman von Arenz, Ewald (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.03.2019
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
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Alte Sorten

Auf der Suche nach der eigenen Welt Sally und Liss: zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sally, kurz vor dem Abitur, will einfach in Ruhe gelassen werden. Sie hasst so ziemlich alles: Angebote, Vorschriften, Regeln, Erwachsene. Fragen hasst sie am meisten, vor allem die nach ihrem Aussehen. Liss ist eine starke, verschlossene Frau, die die Arbeiten, die auf ihrem Hof anfallen, problemlos zu meistern scheint. Schon beim ersten Gespräch der beiden stellt Sally fest, dass Liss anders ist als andere Erwachsene. Kein heimliches Mustern, kein voreiliges Urteilen, keine misstrauischen Fragen. Liss bietet ihr an, bei ihr auf dem Hof zu übernachten. Aus einer Nacht werden Wochen. Für Sally ist die ältere Frau ein Rätsel. Was ist das für Eine, die nie über sich spricht, die das Haus, in dem die frühere An-wesenheit anderer noch deutlich zu spüren ist, allein bewohnt? Während sie gemeinsam Bäume auszeichnen, Kartoffeln ernten und Liss die alten Birnensorten in ihrem Obstgarten beschreibt, deren Geschmack Sally so liebt, kommen sich die beiden Frauen näher. Und erfahren nach und nach von den Verletzungen, die ihnen zugefügt wurden. »Den Geschmack der alten Birnensorten hat man beim Lesen förmlich auf der Zunge.« Dominika Schriever, LANDLUST »Sensibel, einfühlsam und lebensweise. Ein kleines Meisterwerk.« Dirk Kruse, BAYRISCHER RUNDFUNK »Ewald Arenz lässt den Leser frische Erde riechen und dampfende Kartoffeln schmecken und man wünscht sich, sofort selbst auf einem Bauernhof zu arbeiten.« AUTORENBUCHHANDLUNG »Dieses Buch zu lesen ist wie an einem Spätsommertag in einem Weizenfeld zu liegen. Warm. Friedvoll. Irgendwie 'gelb'. Eine absolute, uneingeschränkte, aus tiefstem Herzen kommende Leseempfehlung!« DRY.SCHAUCH auf LESEJURY »Der Leser schließt als anderer Mensch das Buch. Glücklicher. Beseelter. Ein spätsommerliches Glücksgefühl.« Isabelle Riechelmann, BELLE NOVELLE

Ewald Arenz, 1965 in Nürnberg geboren, hat englische und amerikanische Literatur und Geschichte studiert. Er arbeitet als Lehrer an einem Gymnasium in Nürnberg. Seine Romane und Theaterstücke sind mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Der Autor lebt mit seiner Familie in der Nähe von Fürth.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 18.03.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832184483
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Größe: 881 kBytes
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Alte Sorten

1. September

Auf der Kuppe der schmalen Straße durch die Felder und Weinberge flimmerte die Luft über dem Asphalt. Als Liss mit dem alten offenen Traktor langsam hügelan fuhr, sah sie aus wie Wasser, das flüssiger war als normales Wasser; leichter und beweglicher. Sommerwasser. Man konnte es nur mit den Augen trinken.

Auf den abgeernteten, von Stoppeln glänzenden Feldern stand der Weizen noch als überwältigender Geruch nach Stroh; staubig, gelb, satt. Der Mais begann, trocken zu werden, und sein Rascheln im leichten Sommerwind klang nicht mehr grün, sondern wurde an den Rändern heiser und wisperig.

Der Nachmittag war heiß und der Himmel hoch, aber wenn man den Traktor abstellte, dann hörte man plötzlich, dass die Vogelstimmen schon weniger geworden waren und das Zirpen der Grillen schon lauter. Liss sah und roch und hörte, dass der Sommer zu Ende ging.

Es war ein gutes Gefühl.

Niemand lief ihr hinterher. Niemand verfolgte sie. Niemand war in ein Auto gestiegen, um langsam die Feldwege abzufahren, auf denen sie seit zwei Stunden unterwegs war; seit einer Dreiviertelstunde stetig bergauf. Ehrlich gesagt - warum auch? War ja nicht so, als müsse sie sich jede Stunde irgendwo melden. Obwohl - das hatte sie auch schon gehabt.

Sally blieb stehen und drehte sich um. Unter ihr lag die Scheißlandschaft in der Sonne. Zehntausend Felder mit irgendwas drauf und ganz weit am Horizont, nur noch in einem diesigen Sommerdunst, die Stadt, an deren Rand die Klinik lag. Schön im Grünen. Mit einer Allee. Mit so einer richtigen Allee bis zum Tor. Die Allee war für Mama irgendwie wichtig gewesen. Als ob die Bäume so was wie eine Garantie für eine besonders gute Behandlung wären.

Sie setzte sich ins Gras am Rand des Wirtschaftswegs. Keine richtige Straße, sondern Betonplatten, die immer genau achteinhalb Schritte lang waren. Sie hatte die Schritte gezählt, weil es wichtig war, nicht auf die Fugen zu treten. Und jetzt saß sie am Wegrand, zog die Knie an und umschlang sie mit den Armen. Es war heiß. Ein paar Kilometer hatte sie gestoppt, aber der Typ, der sie mitgenommen hatte, war ein blödes Arschloch gewesen. Er hatte sie die ganze Zeit zugetextet. Eine Frage nach der anderen, und die, die er nicht gestellt hatte, konnte man dazwischen raushören. Wo kommst du her? Wie heißt du? Was machst du so? Fährst du nach Hause? Habt ihr schon Ferien? Bin ich ein bescheuertes, blödes Arschloch? Nehme ich Mädchen mit, weil ich mich für supersozial halte, aber in Wirklichkeit will ich doch bloß irgendwo ranfahren, um sie zu vögeln? Wie heißt du denn? Sag doch.

Irgendwann hatte sie einfach nach der Handbremse gegriffen und sie hochgerissen. Und war ausgestiegen. So was brauchte sie gar nicht. Nicht heute. Eigentlich nie. Und außerdem war es sowieso besser zu laufen. Den Berg hochzusteigen, obwohl es so scheißheiß war.

Scheißheiß. Scheißheiß. Sally wiederholte das Wort für sich, nur, um ihre eigene Stimme zu hören, die von der heißen Luft trocken geworden war. Sie holte die Wasserflasche aus dem Rucksack. Sie war fast leer. Auf dem Abhang neben ihr standen verstreut ein paar Apfelbäume mit Massen an Äpfeln, die vielleicht auch den Durst gestillt hätten, aber darauf fiel sie nicht rein. Essen war heute nicht. Heute mal gar nicht. Sie hasste es, dass man essen musste, wenn die anderen das sagten oder weil man es immer so tat. Essen, weil es Morgen war. Oder Mittag. Oder Abend. Oder, weil man Hunger hatte. Sie wollte dann essen, wenn sie essen wollte. Sie wollte dann trinken, wenn sie trinken wollte. Das verstand niemand.

Sie nahm die letzten zwei Schlucke des lauwarmen Wassers und schraubte die leere Flasche wieder zu. Auf der Hügelkuppe war ein Dorf. Da konnte man sie sicher irgendwo auffüllen. Und wenn nicht, dann eben nicht.

Sie stand auf, um weiter den Hang hinaufzusteigen. Es war noch nicht spät. Sobald das Dorf hinter ihr li

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