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Am Himmel drei Sterne Roman von Freiberger, Maya (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.08.2020
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)

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Am Himmel drei Sterne

Der Traum von Freiheit. 1942, Siebenbürgen: Selma verliebt sich in den jungen Soldaten Johann, doch dann wird er nach Russland an die Front beordert. Als der Krieg endet, werden Selma und ihre Schwester Irma nach Russland in ein Arbeitslager transportiert. Irma erkrankt während der langen und kräftezehrenden Reise schwer. Selma begreift: Sie müssen fliehen, und ihnen bleibt nicht viel Zeit. Nur so kann sie ihre Schwester retten - und hoffentlich Johann wiederfinden. Unerwartet erhält sie Hilfe von dem Russen Efrem. Die ergreifende und wahre Überlebensgeschichte zweier junger Schwestern

Maya Freiberger ist das Pseudonym des Autors Christian Zeitmann. Als Maya Freiberger schreibt er gemeinsam mit seiner Frau zeitgenössische Romane. Er wurde 1975 im Rheinland geboren, wo er auch heute lebt und arbeitet. Er glaubt daran, dass Geschichten nicht erfunden werden, sondern Realität sind und man sie nur entdecken muss.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 18.08.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841225405
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 2457 kBytes
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Am Himmel drei Sterne

Prolog

Hamburg
2001

Die Schatten an der Decke hatten keine festen Konturen. Jede Form war wie eine vorsintflutliche Amöbe. Sie zerfloss und bildete etwas Neues. Aus dunklen Linien formten sich Gesichter. Gesichter, die ihr einen Schauder über den Rücken jagten und ihr einen Seufzer entlockten. Irgendwann wurden die Gesichter und die Erinnerungen, die mit ihnen einhergingen, so drängend, dass Selma König die Bettdecke zur Seite schlug und all ihren Mut zusammennahm. Die Kälte der Bodendielen nahm sie nur beiläufig wahr. Ihre nackten Füße suchten sich trittsicher ihren Weg durch das Halbdunkel ihres Schlafzimmers. Die Rollläden waren zur Hälfte heruntergelassen. Selma mochte es nicht, in absoluter Finsternis zu schlafen. Von ihrem Bett aus musste stets der Himmel zu sehen sein. Das Fenster war gekippt, und durch den offenen Spalt drang eine empfindliche Kälte herein, die sich in jedem Winkel des Raumes ausgebreitet hatte. Das dünne Nachthemd schützte ihre alten Knochen nur bedingt, aber sie war ganz andere Kälte gewohnt. Was ihr dagegen Unbehagen verursachte, war das leise Pfeifen des Herbstwindes, der durch den Spalt drang. Es war lediglich ein Geräusch, aber es versetzte ihren schlaftrunkenen Verstand viele Jahre in die Vergangenheit zurück.

Längst stand sie nicht mehr im Nachthemd in ihrem Schlafzimmer und starrte auf den großen Ahorn vor dem Fenster, der seine letzten Blätter verlor. Sie war an einem anderen Ort, in einem jungen Körper.

Sie spürte die wachsende Angst in ihrem Herzen, das Gefühl von Verlust und unbändiger Sehnsucht. Sie sah sich um in dem Raum, der kein Schlafzimmer mehr war. Er war zu einem dunklen Ort geworden, der ihre Ängste und Sorgen schürte.

Da waren sie wieder, die Gesichter. Bekannte wie fremde. Alle blickten Hilfe suchend und verzweifelt in ihre Richtung. Sie musste handeln.

Das Pfeifen des Windes dröhnte in ihren Ohren. Die Kälte kroch ihr unter den dünnen Stoff des Nachthemdes, und ein weiterer unliebsamer Begleiter gesellte sich zu ihren Empfindungen: Hunger.

Ihre Decke. Sie sah sie auf der Pritsche liegen und griff danach. Es bereitete ihr einige Mühe, sie in den Spalt zwischen Fensterrahmen und Wand zu schieben, doch sie war wieder jung und ihr Wille zu überleben stark.

Da begann der Boden unter ihren Füßen zu wanken, und sie musste sich an der Wand abstützen. Das Pfeifen des Windes war abgelöst worden von einem fürchterlichen Fauchen und Quietschen. Sie schloss für einen Moment die Augen und konzentrierte sich auf ihr Gleichgewicht, bis es vorbei war. Die Geräusche, das Ziehen und Zerren an ihrem Körper. Für Augenblicke herrschte Stille. Ihre Hand löste sich zögerlich von der Wand. Das raue Holz rieb wie Schmirgelpapier über ihre Haut. Ein kleiner Splitter bohrte sich in ihren Handballen.

Schwer atmend blickte sie nach rechts. Die Tür stand offen! Jemand musste sie geöffnet haben. Sie sah zurück in die Gesichter, in die Verzweiflung darin. Sie wollte etwas sagen, aber ihre Stimme versagte.

Sie musste fort. Die Tür stand offen, und niemand konnte sagen, wie lang noch. Sie würde die Gelegenheit nutzen. Sie war jung und wollte leben. Also lief sie los.

Es ging nicht so schnell wie erhofft. Die Kälte hatte ihre Knochen bereits erreicht, und sie spürte die Müdigkeit darin. Hinter der Tür umfing sie eine Dunkelheit, die sich mit nichts vergleichen ließ. Mit ausgebreiteten Armen tastete sie sich vorwärts, bis sie auf eine weitere Tür stieß. Sie drückte die Klinke und öffnete sie.

Ein kalter, feuchter Luftstrom erfasste ihr erhitztes Gesicht und zerzauste ihr Haar. Regen peitschte ihr entgegen, und die Kälte ließ sie zurücktaumeln. Sie sah auf ihre blassen, weißen Beine hinab und das bisschen Stoff, das ihren dünnen Leib umfing.

Dann lief sie los. Ihre Fußsohlen erzeugten matschende Geräusche auf dem durchnässten Rasen. Der Wind blies ihr entgegen und ließ sie zittern, aber sie stemmte

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