text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Am Winterhof Eine historische E-Only-Kurzgeschichte von Courtney, Joanna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.11.2017
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
2,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Am Winterhof

England 1051: König Edward empfängt William, den Herzog der Normandie, zu Weihnachten in Westminster. Die englischen Adligen munkeln, dass der ehrgeizige Herzog sich als Thronfolger seines kinderlosen Cousins sieht. Die beiden jungen Hofdamen Freya und Alodie interessieren sich jedoch mehr für die bunten Weihnachtsmärkte Londons als für politische Intrigen. Außerdem geht von dem normannischen Gefolge ein gewisser Reiz aus. Und als die Festtage beginnen, Tänze und Mistelzweige die Geladenen locken und der Wein besonders süß schmeckt, verliert Freya ihr Herz ausgerechnet an einen Mann von der falschen Seite des Meeres ... Joanna Courtney studierte mittelalterliche Literatur und Geschichte an der Cambridge University. Heute lebt sie mit ihrem Mann und vier Kindern in Derbyshire. Ihre mitreißende historische Drei-Königinnen-Trilogie handelt von drei großen Frauen im Mittelalter, die um den englischen Thron kämpften.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 13.11.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641218560
    Verlag: Goldmann
Weiterlesen weniger lesen

Am Winterhof

KAPITEL EINS

23. Dezember 1051

K inderstimmen erhoben sich aus der Dämmerung, wirbelten auf den Schwaden des Bodennebels, der sich aus dem Dunkel erhob, und Freya ließ ihr Pony in langsamen Trab verfallen, bezaubert von den Lauten.

"Hör doch, Vater."

Lord Galan ritt an ihrer Seite, und zusammen betrachteten sie das Schauspiel. Hinter ihnen tauchte die bleiche Wintersonne langsam dem Horizont entgegen, und schon jetzt bildete der Frost Kristalle auf dem Gras zu beiden Seiten des Weges. Durch den dichten, feuchten Nebel der Themse hindurch konnte Freya warme Lichtpunkte ausmachen. Und je näher ihre Reisegesellschaft der Stadt kam, umso deutlicher waren neben den winzigen Kerzenflammen die Gesichter der Kinder zu erkennen, die sich zum immer dunkler werdenden Himmel emporneigten und eine süße Weihnachtsmelodie zu Gott sandten. Sie standen im Kreis um eine junge Eiche herum, die mit Bändern und süßem Gebäck geschmückt war. Freya sah, wie die großen blauen Augen des ihr am nächsten stehenden Jungen immer wieder zu einem köstlichen Keks wanderten, der von einem verführerisch nah hängenden Zweig herabbaumelte. Sie lächelte und zügelte ihr Pony.

"Ein Krippenspiel, Vater - sieh doch!"

Freya deutete in die Mitte des Kreises, wo man eine mit Schafsfellen ausgelegte Futterkrippe aufgestellt hatte. Stolz standen zwei Kinder dahinter, das Mädchen in dem sanften Blau der Muttergottes und der Junge mit einem Hirtenstab, der seinen blonden Schopf weit überragte. Den anderen Arm hatte er steif seiner Maria um die Schultern gelegt, und beide blickten auf die Bettstatt hinab, in der ein Säugling lag, fest gewickelt und in wollene Decken gehüllt.

"Ist das ein richtiges Kind?", fragte Freya atemlos.

Und tatsächlich sah das Kind sie nun an, als hätte es sie gehört. Es gurrte leise, und einen Augenblick lang hatte Freya die Empfindung, als ob Christus selbst sie in London willkommen hieße. Sie berührte das Kreuz, das an einem ledernen Band über ihrem Herzen hing, ein Geschenk ihrer Mutter in den letzten Tagen, die sie auf Gottes Erdboden geweilt hatte, und sandte ein ganz eigenes Dankgebet zum Himmel. Es war eine lange, kalte Reise von ihrer Heimatstadt Leominster im Westen Herefordshires hierher an König Edwards Weihnachtshof nach Westminster gewesen. Aber nun schien der Anblick des einfachen Krippenspiels sie von innen heraus zu wärmen.

"Wie früher bei uns." Wilfrid, ihr jüngerer Bruder, tauchte neben ihr auf und griff zu ihrer Überraschung nach ihrer Hand. Sie standen einander von jeher nahe, aber nun, da er sechzehn war, hatte er selten mehr als nur eine raue Umarmung für sie übrig. Sie drückte ihm die Hand. Er hatte recht. In ihrer Kindheit hatte ihre Mutter stets am Vorabend des Weihnachtstages eine Krippe auf den Hof gebracht, und sie hatten sich als Maria und Josef verkleiden dürfen. Zu sehen, dass diese Kinder hier das Gleiche taten, fühlte sich merkwürdigerweise an, als käme sie nach Hause.

"Vielleicht will unsere Mutter uns ein Zeichen schicken", schlug Freya leise vor, "um uns zu zeigen, dass sie über uns wacht."

Sie hörte, wie ihr Vater scharf den Atem einsog, und fürchtete, zu weit gegangen zu sein, aber als sie zu ihm hinübersah, entdeckte sie, dass er lächelte, obwohl seine alten Augen feucht waren.

"Das ist möglich, mein Liebes", erwiderte er leise. "Dieser Augenblick hätte sie zutiefst berührt, denn sie liebte Kinder. Sie liebte euch, und sie wäre glücklich gewesen, euch zu so prächtigen Menschen heranwachsen zu sehen."

Freya beugte sich zu ihm herüber und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Gemeinsam blieben die drei stehen und lauschten, bis das Lied der Kinder verklungen war. Sie klatschten, als es zu Ende war, und Galan suchte ein paar Pennys für ihr Kästchen zusammen. Dann beobachteten sie amüsiert, wie die Kinder sich auf die am Baum hängenden Süßigkeiten stürzten. Der Junge, den Freya v

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen