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Amerikatz von Bartsch, Wilhelm (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2016
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Amerikatz

Micah Macrobius, Mitinhaber des Detektivbüros "Micah & Adele" in Berlin-Charlottenburg und Enkelsohn eines Armeniers aus Nagorny Karabach, ist Spezialist für die Suche nach verschollenen Zeitgenossen. Diesmal soll er den todkranken Sohn eines Stasi-Generals finden, den Schriftsteller Jan Untied. Der hatte mit "Amerikatz", der cherokesischen Land-Art-Künstlerin Jensie Stone, eine Liebesaffäre und war somit nicht nur ins Visier der NSA, sondern auch des Milliardärs Deodat Mason geraten. Die Suche wird immer mehr zu einem irren Wettrennen. Sie führt durch den Kaukasus über New York bis nach Oklahoma und am Ende zu den Gespenstern er Vergangenheit, die auf die Gegenwart deuten wie Hitchcocks Messer hinter dem Duschvorhang. Wilhelm Bartsch lädt uns mit seinem neuen Roman in eine Welt ein, in der manches anders ist, als es die Wirklichkeit vorschreibt. In einem furiosen sprachlichen Parforceritt voller Action und kluger historischer Exkurse demonstriert er, dass die einfachen Wahrheiten nicht genügen. In von tragischen Ereignissen tief gezeichneten Weltgegenden verfolgt dieser ungewöhnliche Ermittler viel mehr als nur seinen Fall. Wir lesen staunend, schmunzelnd und gebannt eine abgründige Liebesgeschichte, eine andere Detektivstory und eine philosophische Weltdeutungsparabel über die verblüffenden Verbindungen nur scheinbar entlegener Dinge... AUTORENPORTRÄT Wilhelm Bartsch, geboren 1950 in Eberswalde, debütierte 1986 mit dem Band "Übungen im Joch", der ihn schlagartig in beiden Teilen Deutschlands als Dichter bekannt machte und ihm 1987 den Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau eintrug. Weitere Gedicht- und Prosabände folgten, aber auch viele Herausgaben, Theater-, Rundfunk-, Film- und andere künstlerische Arbeiten. Außerdem erhielt er den Walter-Bauer-Preis 2000, zuletzt 2007 den Wilhelm-Müller-Preis des Landes Sachsen-Anhalt für sein Lebenswerk. Bartsch ist Mitglied des P.E.N. und der Sächsischen Akademie der Künste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 394
    Erscheinungsdatum: 01.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711449585
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 539kBytes
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Amerikatz

1

Charlottenburg

Amerikatz hatte ihn verkehrt herum aufgehängt und sofort gesehen, dass er dadurch viel mehr war als Kunst. Nämlich die Einladung, jemand ganz Bestimmten sehr tief unter die Erde zu bringen, und zwar auf die grausige Weise der alten Cherokesen.

Ein schnurgerader dunkler Blitz schießt auf ihrem nächtlichen Schnappschuss von der Brooklynbridge aus tief hinab und wird sich, so fühlt man es gleich, unterwegs mit allen Stufen der Finsternis aufladen.

Der abgrundtiefe Fall Luzifers zeige nur, was in uns allen, wirklich in uns allen stecke, hatte Amerikatz später zu mir gesagt. Es wäre wie eine düstere Erleuchtung im Sekundenbruchteil gewesen, eine Gewissheit, die da längst keine Worte mehr gebraucht hätte.

Der nächtliche Schnappschuss zeigt die fahl erleuchteten Brückenseile auf der Manhattanseite. Verkehrt herum aufgehängt verbreiten die Stahlseile jedoch eine Titanicstimmung wie in die Tiefe sinkende Geländer oder das Netz eines Spinnenungeheuers. Was dahinter ja eigentlich den Nachthimmel abbildet, erscheint hier zwingend als ein nach unten hin abnehmendes Licht, und das weht einen sofort an wie eine Nahtoderfahrung, während aus dem oberen Bildrand das strahlende Märchen des Lebens verschwindet. In diesem Fall sind es das New York World Building und Verizon, der dickste Freund der NSA, mit seinem oben an der Fassade rot strahlenden Haken, als wäre auch dieses Gebäude bereits erledigt.

Mit dem Dreher eines Fotos also, ob nun versehentlich geschehen oder nicht, hatte der ganze Fall seinen fatalen Lauf genommen, wie ich heute weiß. Jan Untied, den ich im Auftrag seines Vaters suchte, war ja in der Nähe von Amerikatz und somit immer auch in der Nähe des unheimlichen evangelikalen Milliardärs Deodat Increase Mason zu vermuten gewesen. Jan hatte den Namen Amerikatz allerdings nicht erfunden. Wer denn dann? Deodat? Boris? Archag?

Oder etwa ich?

Ich werde es beim Aufschreiben all des Unglaublichen mit meinem Parker-51-Füller in die drei großen Moleskine-Hefte schon noch herausfinden. Wenn nicht, soll es auch egal sein. Also ein berühmter alter amerikanischer Füller. Gleich in meinen Apple gehe ich nämlich keinesfalls, ein frisch gebranntes Kind scheut das Web, sogar die eigene Festplatte.

Amerikatz, das ist Jensie Immakoolee Stone, inzwischen eine Meisterin der Land & Body Art. Sie stammt von den Cherokees ab wie Johnny Depp, Jimi Hendrix und Elvis Presley. Wer Jensie Amerikatz nennt, weist also vielleicht sogar unbeabsichtigt nicht nur auf etwas mehr als nur Uramerikanisches, nämlich Präkolumbianisches hin, sondern auch darauf, dass Jensie ein Puma, eine Berglöwin, also ein Cougar ist, nämlich eine ältere taffe Frau. Dabei ist Jensie noch gar nicht alt, aber ihr Haar könnte das durchaus vermuten lassen. Ihre Haarpracht wiederum passt ja auch zu Jensies Cherokee-Namen Immakoolee, der Wasserfall bedeutet. Übrigens hatte auch eine ihrer ersten Arbeiten in der Landschaft, mit der sie Aufmerksamkeit erregte, mit dieser amerikanischen Großkatze zu tun, denn sie trug den cherokesischen Titel Tiv Da Tsi, also Puma.

Ich würde jetzt weiter von Amerika und Amerikatz erzählen, um es hinter mich zu bringen, aber dies hier ist vermutlich auch eine Doppelgängergeschichte, also nicht nur der Fall Jan, sondern zugleich der Fall Micah Macrobius. Und das bin ich.

Ich bin wohl ein ziemlich absonderlicher Detektiv, und ich lasse mich, wenn es sein kann und sein darf, auch gefühlsmäßig, ja sehr persönlich in einen Fall verwickeln. Einer, der mittendrin ist, kriegt bei einem Job, wie ich ihn mache, oft mehr mit als ein Außenstehender.

Das hat bisher meinen Erfolg ausgemacht, und zwar seit 1991 als Einzeltäter und seit 1995 als Adele von Strauchs Partner in der Detektei Micah & Adele, Berlin-Charlottenburg, Knesebeckstraße. Meine Spezialstrecke ist die Suche nach Vermissten in den USA.

Der Fall Jan Untied begann damit, dass de

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