text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

An einem Tag im Mai Roman von Bond, Jenny (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.11.2015
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
7,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

An einem Tag im Mai

Amerika, Anfang der Dreißigerjahre. Iris McIntosh hat alles verloren: ihren Job, ihre Freunde, ihr Zuhause. Doch eine zufällige Begegnung mit der mächtigsten Frau des Landes, Eleanor Roosevelt, gibt ihrem Leben eine neue Richtung. Sie verschafft Iris Zugang zum innersten Zirkel des Weißen Hauses - in einer Zeit, als die Welt kurz vor einem neuen Krieg steht. Iris steigt zur Beraterin des Präsidenten auf, genießt den Glanz der Macht und die neuen Möglichkeiten, die sich ihr eröffnen. Als sie zwei besondere Männer trifft, muss sie sich entscheiden ... An einem Tag im Mai Unter dem Nordlicht

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 460
    Erscheinungsdatum: 16.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832188924
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Originaltitel: The President's Lunch
    Größe: 1120 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

An einem Tag im Mai

Kapitel 4

WASHINGTON , D. C.

März 1933

Hick folgte ihrer Freundin, die zielstrebig über den Friedhof marschierte. Mit ihren vierzig Jahren fiel es der beleibten Reporterin schwer, mit ihrer gertenschlanken Freundin mitzuhalten, und gelegentlich musste sie ihr sogar auf höchst unelegante Weise hinterherhasten. Nach einer Weile blieb Eleanor stehen und ließ sich auf der Granitbank vor dem Adams Memorial nieder.

Nach einem raschen Blick auf die Armbanduhr setzte Hick sich daneben. Es war erst halb neun, und sie spürte den dünnen feuchten Morgennebel im Gesicht. Sie sah zum Himmel. Er war immer noch wolkenverhangen, doch sie wusste, dass es sich schnell aufklaren würde, wenn die Sonne höher stand, obwohl es erst März war. Eleanor, die stocksteif neben ihr saß, hatte den Hut immer noch tief ins Gesicht gezogen und fixierte die eingehüllte Bronzefigur. Die Reporterin konnte das Schweigen kaum ertragen.

Hick betrachtete das Profil ihrer Freundin. Die Lider waren leicht nach unten gezogen, was den graublauen Augen eine Tropfenform verlieh. Fremde meinten darin ein Zeichen von Müdigkeit oder Strenge zu erkennen, weil sie nur die Form der Augen, nicht aber das verspielte, neugierige Blitzen darin sahen. Eleanors Nase war wunderbar gerade und sehr weiblich, wie Hick fand. Die vollen Lippen waren leicht geöffnet, sodass die Zähne hervorlugten. Eleanor sah immer aus, als würde sie gleich etwas sagen wollen, als hielte sie die Flut ihrer Worte zurück, bis der richtige Zeitpunkt gekommen wäre.

Obwohl sie zu abgeklärt war, um an Liebe auf den ersten Blick zu glauben, hatte Hick sich gleich bei ihrem ersten Treffen im Jahr 1928 zu Eleanor hingezogen gefühlt. Sie hatte den Auftrag gehabt, die Frau des Gouverneurs zu interviewen, und Eleanor hatte Hick zum Tee in ihre New Yorker Residenz in der East 65th Street eingeladen. Hick fand diese Einladung seltsam. Kein anderer Interviewpartner hatte ihr je Tee und Kekse angeboten. Eleanor Roosevelt hatte sie sofort in ihren Bann gezogen. Allein die Bewegung ihrer langen, schlanken Finger beim Arrangieren der Teekanne und der Tassen hatte sie zutiefst fasziniert, genauso wie ihr geschickter Umgang mit der winzigen Zuckerzange. Sie schaffte es, die Würfel ohne den kleinsten Spritzer in die Tasse gleiten zu lassen.

Während des Interviews war Eleanor höflich und herzlich, aber gleichzeitig auch vorsichtig geblieben. Normalerweise waren Reporter deswegen verärgert, aber Hick machte es überhaupt nichts aus. Hicks Artikel schloss mit dem Satz: "Die neue Herrin im Executive Mansion in Albany ist eine Grande Dame." Dem Herausgeber hatte ihre Formulierung nicht gefallen, er nannte sie "zu schön, um wahr zu sein", aber sie entsprach genau Hicks Einschätzung. In den siebzig Minuten mit Eleanor hatte sie das Gefühl gehabt, wahrer Größe begegnet zu sein.

Während Hick das Treffen Revue passieren ließ, beäugte sie die weiche Stelle am Mundwinkel ihrer Freundin, die sie so gern küsste. Schließlich setzte Eleanor dem Schweigen ein Ende.

"Weißt du, woran dieses Denkmal erinnert?"

"Nicht ganz genau. Henry Adams hat es im Andenken an seine Frau Clover errichten lassen. Sie hat sich umgebracht, oder?"

"Genau. Mit zweiundvierzig hat sie Zyankali getrunken." Eleanor hielt inne. "Früher, als wir in Washington lebten, war ich noch unreif und hatte keine Ahnung vom Leben. Manchmal war ich unglücklich und voller Selbstmitleid. Immer wenn es mir so ging, bin ich hergekommen und habe mir diese Frau angesehen. Danach fühlte ich mich besser. Und stärker. Ich bin schon oft hier gewesen."

Hick legte ihrer Freundin die Hand aufs Knie. "Bist du jetzt unglücklich?"

"Nein, nur ein bisschen gekränkt." Wieder hielt Eleanor inne, bevor sie weitersprach. "Ich habe Franklin gefragt, ob ich ihm nach der Wahl helfen solle, Briefe zu beantworten und so. Er hat mich gan

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen