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Apfelbaum Roman von Rabl, Gernot (eBook)

  • Verlag: Morawa Lesezirkel
eBook (ePUB)
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Apfelbaum

Nach dem Tod von Alberts Frau mussten er und seine beiden Söhne erst wieder lernen 'richtig zu laufen'. Während Albert erneut heiratet, versteckt sich der jüngere Sohn hinter seiner Kunst beziehungsweise findet der ältere Sohn sein Heil in einem durchstrukturierten Tagesablauf. Doch als Albert von seiner zweiten Frau verlassen wird, beginnt die lang unterdrückte Trauer der drei Männer endgültig aufzubrechen. So verliert der Vater aus Kummer über den neuerlichen Verlust allmählich den Verstand, flüchtet sich in Traumwelten, und treibt dadurch auch seine beiden Söhne in ein absolutes Gefühlschaos hinein. Apfelbaum zeigt mittels wundersamen Erlebnissen sowie realen, als auch nicht-realen Liebesbeziehungen auf, wie unterschiedlich jeder einzelne mit Verlust und Trauer umgeht, und wie viel Sprengkraft - im positiven wie im negativen Sinn - Liebe besitzt.

Gernot Rabl, geboren 1972 in Bruck an der Mur, promovierter Kunsthistoriker. Lebt und arbeitet in Graz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 272
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990843086
    Verlag: Morawa Lesezirkel
    Größe: 550 kBytes
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Apfelbaum

Kapitel 1

Nachdem seine Frau die Tür hinter sich zugemacht hatte, brach Albert zusammen. Wie hatte es nur so weit kommen können? Was war geschehen? Er liebte sie doch von ganzem Herzen, aus tiefster Seele. Nein, sie durfte ihn nicht verlassen, nicht nach all den Jahren, nicht nach all den wundervollen Momenten. Je länger Albert auf die geschlossene Tür starrte, desto schmerzlicher wurde ihm die Endgültigkeit ihrer Handlung, als auch seine eigene Machtlosigkeit bewusst. Es zerriss ihn förmlich - er glaubte nicht mehr atmen zu können, schnürte ihm doch alles, ausnahmslos alles die Kehle zu. Am liebsten hätte er jetzt seinen gequälten Körper gegen die Wand geschleudert, um auf diese Weise seinen seelischen Schmerz durch einen körperlichen zu ersetzen. Kündigte sich bereits ein Herzinfarkt an, war es am Ende schon so weit, musste er gleich sterben? Doch selbst der Tod erschien Albert nun weniger bedrohlich, als die Vorstellung auch nur einen einzigen Tag ohne seine innig geliebte Frau verbringen zu müssen. Mein Gott, wie sollte er ihren Fortgang jemals verkraften, und was sollte er seinen beiden Söhnen erzählen? Wenn sie, so wie seine erste Frau, die Mutter seiner Söhne, gestorben wäre, dann könnte er wenigstens ihren Tod beklagen, Gott verfluchen und endgültig dem Glauben abschwören. Aber es war eben keine höhere Macht, kein grausames Schicksal gewesen, die ihr gemeinsames Leben zerstört hatte, sondern ein um viele Jahre jüngerer Mann. Der Gedanke den nächsten Morgen, den nächsten Tag, den Rest des Lebens fortan getrennt voneinander bestreiten zu müssen, war Albert unerträglich, ließ ihn wieder und wieder zusammenbrechen. Völlig unter Schock stehend, war es ihm unmöglich zu weinen, laut zu schreien oder seinen Kummer mit irgendeiner Ersatzhandlung - etwa Wäsche waschen, das Haus aufräumen, ins Auto steigen und einfach losfahren - zu bekämpfen. Würde er ihr, wenn sie jetzt gleich wieder durch diese Tür käme, verzeihen? Würde er ihren Betrug vergessen, ihr ihre immerhin schon über ein halbes Jahr lang andauernde Hintergehung verzeihen? Ja, selbstverständlich, so musste er sich eingestehen, trotz seines erbärmlichen Zustands, tief gekränkt und auf abscheuliche Weise getäuscht, würde er die Tür wieder weit öffnen und sie erneut in sein Haus, in sein Leben lassen. Alberts Söhne hatten ihn mehr als nur einmal gewarnt, waren zu keinem Zeitpunkt mit dieser Verbindung einverstanden gewesen. Sie wäre nicht gut genug, nur auf sein Geld aus, viel zu jung und außerdem berechnend und kalt. Aber hatte er nach dem Tod seiner ersten Frau, über deren Verlust er lange geglaubt hatte nicht hinweg zu kommen, nicht auch ein Recht darauf glücklich zu sein? Er hatte so lange um sie getrauert, bis er sich absolut sicher gewesen war, nie mehr wahre Liebe - außer jener zu seinen Söhnen - empfinden zu können. Doch als schließlich dieses wunderbare Wesen, bildhübsch und blutjung, in sein Leben getreten war, hatte ganz plötzlich eine neue Zeitrechnung begonnen, gehörten Schmerz und Trauer ab dann einer tränenreichen Vergangenheit an. Im Grunde war es ein unerwartetes, dafür aber umso schöneres Wunder gewesen, denn er hatte sich wieder verliebt - heftig, ehrlich und rein. Wie sollte er bloß ohne sie weiterleben? Wie seine Tage meistern, wie all seine zu gebende Liebe unterdrücken und tief in seinem Innersten verbergen? Doch die Tür, auf die Albert nach wie vor starrte, bewegte sich keinen Millimeter, schien so fest geschlossen zu sein, wie niemals zuvor.

Wie lange Albert am Boden gelegen hatte, wusste er am Ende selbst nicht mehr. Obwohl er Höllenquallen litt, war ihm allerdings klar, dass er, noch bevor einer seiner Söhne auftauchte, aufstehen und sich wieder einigermaßen sammeln musste; denn würden sie ihren Vater auf diese Weise vorfinden, bekämen sie bestimmt einen gewaltigen Schrecken. Dies galt es jedoch mit allen Mitteln zu verhindern - sie sollten nichts von seinem Kummer mitbekommen, nicht den leisesten Verdac

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