text.skipToContent text.skipToNavigation

Aphorismen - Sudeleien - Stichelreden von Lichtenberg, Georg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2015
  • Verlag: Lambert Schneider
eBook (ePUB)
15,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Aphorismen - Sudeleien - Stichelreden

Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) ist vor allem für die Schärfe seiner Beobachtungen und die Treffsicherheit seiner Sprache bekannt. Seine Aphorismen sind in der deutschen Literatur einzig. Diese Auswahl belegt sowohl die Fülle der von Lichtenberg behandelten Themen als auch die Originalität seiner Sichtweisen. "Er gräbt", so Karl Kraus, "tiefer als irgendeiner". Ob Gedanken zur Wissenschaft, zum Menschsein, zum Verhältnis von Körper und Geist oder ganz einfach zum Denken selbst - überall offenbart sich sein Tiefsinn und Witz. Häufig bleibt offen, wo das Scherzhafte endet und der Ernst beginnt. Die Aktualität der hier versammelten Aphorismen ist in jedem Falle zu bewundern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 276
    Erscheinungsdatum: 01.04.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783650400864
    Verlag: Lambert Schneider
    Größe: 1057kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Aphorismen - Sudeleien - Stichelreden

[A]

[1765-1770]

Der grose Kunstgriff kleine Abweichungen von der Wahrheit für die Wahrheit selbst zu halten, worauf die gantze Differential Rechnung gebaut ist, ist auch zugleich der Grund unsrer wizzigen Gedancken, wo offt das Ganze hinfallen würde, wenn wir die Abweichungen in einer philosophischen Strenge nehmen würden.

Um eine allgemeine Charackteristick 1 zu Stande zu bringen müssen wir erst von der Ordnung in der Sprache abstrahiren, die Ordnung ist eine gewisse Musick, die wir festgesezt, und die in wenigen Fällen (zE. femme sage, sage femme ) einen sonderbaren Nuzzen hat. Eine solche Sprache die den Begriffen folgt müssen wir erst haben, oder wenigstens für besondere Fälle suchen, wenn wir in der Charackteristick fortkommen wollen. Weil aber unsere wichtigsten Entschlüsse, wenn wir sie ohne Worte dencken, offt nur Punckte sind, so wird eine solche Sprache eben so schwer seyn zu entwerfen, als die andere, die daraus gefolgert werden soll.

Es ist schwer anzugeben, wie wir zu den Begriffen gekommen sind die wir jezo besizzen, niemand, oder sehr wenige werden angeben können, wenn sie den HErrn von Leibniz zum erstenmal haben nennen hören; weit schwerer aber wird es noch seyn, anzugeben, wenn wir zum erstenmal zu dem Begrif gekommen, daß alle Menschen sterben müssen, wir erlangen ihn nicht so bald, als man wohl glauben solte. So schwer ist es den Ursprung der Dinge anzugeben, die in uns selbst vorgehen, wie wird es erst alsdenn ergehen, wenn wir hierinn [etwas] in Dingen ausser uns zu Stande bringen wollen?

Die Erfindung der wichtigsten Wahrheiten hängt von einer feinen Abstracktion ab, und unser gemeines Leben ist eine beständige Bestrebung uns zu derselben unfähig zu machen, alle Fertigkeiten, Angewohnheiten, routine , bey einem mehr, als bey dem andern, und die Beschäfftigung der Philosophen ist es, diese kleinen blinden Fertigkeiten, die wir durch Beobachtungen von Kindheit an uns erworben haben, wieder zu verlernen. Ein Philosoph solte also billig als ein Kind schon besonders erzogen werden.

Die grösten Dinge in der Welt werden durch andere zu wege gebracht, die wir nichts achten, kleine Ursachen, die wir übersehen, und die sich endlich häufen.

Rousseau nennt mit Recht den Accent die Seele der Rede (: Emile p. 96 T. I .) und Leute werden von uns offt für dumm angesehn und wenn wir es untersuchen, so ist es blos der einfache Ton in ihren Reden. Weil nun dieses bey den Schrifften wegfällt, so muß der Leser auf den Accent geführt werden, dadurch daß man deutlicher durch die Wendung anzeigt, wo der Ton hingehört, und dieses ist es, was die Rede im gemeinen Leben vom Brief unterscheidet und was auch eine blos gedruckte Rede von derjenigen unterscheiden solte, die man würcklich hält.

Die Versart den Gedancken anzumessen ist eine sehr schwere Kunst, und eine Vernachlässigung derselben ist ein wichtiger Theil des lächerlichen. Sie verhalten sich beyde zusammen wie im gemeinen Leben Lebens-Art und Amt.

Die Esel haben die traurige Situation, worinn sie jezo in der Welt leben, villeicht blos dem wizigen Einfall eines losen Menschen zu dancken, dieser ist Schuld, daß sie zum verächtlichsten Thier auf immer geworden sind und es auch bleiben werden, denn viele Eselstreiber gehen deswegen mit ihren eleven so fürchterlich um, weil es Esel, nicht weil es träge und langsame Thiere sind.

Plato sagt das poetische Genie werde durch die Harmonie und die Versart rege gemacht, und dieses sezze den Dichter in den Stand ohne Ueberlegung seine Gedichte zu verfertigen. Plato thou reason'st well , ein jeder wird dieses bey sich verspürt haben, wenn er mit Feuer Verse gemacht hat, villeicht könten wir durch ähnliche Kunstgriffe unsre übrige Fähigkeiten eben so in Bewegung sezzen, hauptsächlich auch die Ausübung der Tugend. Eine grose Fertigkeit im dividiren und zwar nach der Methode, die man über sich dividire

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    ALDI life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier finden Sie alle Ihre eBooks und viele praktische Lesefunktionen.