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Arglos im Ausland von Linsel, Ingo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.09.2014
  • Verlag: Verlag Neue Literatur
eBook (ePUB)
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Arglos im Ausland

"Ob wir wollen oder nicht, schlüpfen wir im Ausland immer in eine Rolle und sind oft völlig arglos, wie wir dabei auf andere wirken." Nachts nach einer Pressekonferenz mit Hans-Dietrich Genscher in Kairo die Pyramiden besichtigen? Oder im Rumänien der 1980er Jahre verdorbene Würste an Hunde verfüttern? - Es gibt Dinge, die im Ausland äußerst missverständlich sind und unter Umständen sogar lebensgefährlich. Als Journalist bereist Ingo Linsel die Krisenregionen dieser Welt. Dabei trügt die Sicherheit bequemer Beobachterplätze, die für die Presse in Konfliktregionen eingerichtet werden. Ob Ostblock oder USA, Afrika oder Kosovo: Scharfsichtig, mit Feingefühl und einer gesunden Portion Humor erzählt er von fremdländischen Traditionen, Gewohnheiten und Unzulänglichkeiten. Minen, ausgebrochener Hass zwischen Volksgruppen, Straßenbanden und mancherlei Fettnäpfchen drohen an jeder Ecke. Ingo Linsel, ein Argloser im Ausland, spürt, wie wenig die heimischen Maßstäbe taugen und sieht sich plötzlich mit Situationen konfrontiert, in denen er selbst unfreiwillig zum Beteiligten wird. "Zehn Begebenheiten, verteilt über viele Jahre von 1982 auf der Krim, 1987 im völlig heruntergewirtschafteten Rumänien, über Reisen in das von einer Mordserie an deutschen Touristen heimgesuchte Miami bis zu den Anschlägen auf deutsche Patrouillen in Afghanistan, schildern Ereignisse, bei denen ich mir zuweilen selbst wie in einem Kino vorkam." (Ingo Linsel)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 18.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783945408094
    Verlag: Verlag Neue Literatur
    Größe: 3100 kBytes
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Arglos im Ausland

Salami und Krähe

"Da draußen steht jemand, wir müssen ganz leise sein", flüsterte ich. Eine seltsame Gestalt verbarg sich hinter dem Blätterwerk. Die Konturen kamen mir völlig verzerrt vor. Irgendetwas Längliches ragte aus dem Rücken. Der Nacken erschien wie der eines Stieres. Ohne dass ich es mir erklären konnte, strömte Gefahr von diesem Wesen aus.

Vorsichtig zog ich am Reißverschluss, um den Zelteingang noch etwas weiter zu öffnen. Mehr erkennen ließ sich dennoch nicht.

"Du hast ein schlechtes Gewissen und siehst Gespenster", versuchte Angelika, viel lauter als mir jetzt lieb war, das Ganze zu bagatellisieren.

Ich zischte wie eine Schlange und bat mir Ruhe aus.

Übertrieb ich? Sicher, wir zelteten schwarz. Begeistert sein werden die Bauern nicht, dass wir unmittelbar an ihrem Maisfeld lagerten. Erst recht klatschen sie nicht vor Freude in die Hände, wenn sie am Autokennzeichen die Deutschen erkennen. Doch ist das alles noch kein Grund, gleich mit der Sense auf uns loszugehen. Sollte es Ärger geben, kann ich ihnen ja die Karte zeigen, auf der hier ein Campingplatz eingezeichnet ist, dachte ich. Mein guter Wille war schließlich vorhanden, trotz der auf kleine Tagesrationen beschränkten Umtauschmöglichkeit von DDR-Mark in tschechoslowakische Kronen die Gebühren zu bezahlen.

Die Gestalt bewegte sich etwas. Noch war es schummrig im frühen Morgenlicht, unter dem Buschwerk kauerte völlige Dunkelheit. Aber das Längliche über der Schulter hob sich nun deutlicher ab. Eindeutig zeigte sich ein langgezogenes Messer. Eher verblüfft als erschrocken erkannte ich ein Bajonett. Darunter konnte also nur ein Gewehr sein, schlussfolgerte ich.

Wieso lief hier zwischen dem Maisfeld und dem kleinen Wäldchen, in das wir uns gestern Nacht verzogen hatten, ein Kerl mit aufgepflanztem Bajonett herum? Dass es eine Frau sein mochte, schloss ich inzwischen aus. Sollten wir in ein Manövergebiet geraten sein? Dann hätten doch aber Schilder auf den Truppenübungsplatz hinweisen müssen. Der Mann mit dem Gewehr machte noch einen Schritt zur Seite, ohne uns näherzukommen. Sein Stiernacken entpuppte sich als ein Netz, das ihm vom Stahlhelm herunterhing. Zum Glück schaute er in die entgegengesetzte Richtung. Wenn er mich wahrscheinlich nicht sehen konnte, so doch aber unser Zelt und erst recht unseren "Rosaroten Panther".

Angelikas Kopf schob sich nun neben meinen in den Zeltausgang. "Wer ist das?", zeigte sie auf den Mann. Ich zuckte mit den Schultern.

"Wohl kein Bäuerlein, das auf seinen Mais aufpasst", versuchte ich zu scherzen. "Trägt er einen Mückenschutz?", raunte sie mir ins Ohr. Richtig, das Netz konnte nur gegen Mückenstiche dienen. Hier war doch aber weit und breit kein See.

Gedanklich breitete ich die Karte vor mir aus, die im Auto lag. Ich erinnerte mich an die kurz vor Bratislava eingezeichneten drei Campingplätze. Die Autobahn hatten wir schon zuvor verlassen. Das eingekreiste "C" stand zwei Mal auf der linken Straßenseite und einmal auf der rechten. Ein See wäre mir garantiert aufgefallen, weil wir dort ja zuerst den Zeltplatz gesucht hätten. Doch wir standen bereits vor dem Ortsschild Bratislava, ohne dass zuvor ein Hinweis an einer Kreuzung zum Campen einlud. Wir hatten also gewendet und fuhren zurück, bis wir an einen nach links abzweigenden Schotterweg kamen, auf den viele Autospuren führten. Auch hier stand kein Schild, aber es wurde schon dunkel, und wir beschlossen, einfach so weit zu fahren, bis wir irgendwo in der Botanik das Zelt aufstellen konnten. Es ging durch die Felder, an den Wegkreuzungen behielten wir unsere Richtung bei.

Wenn hier Wasser wa

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