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Arosa Von Bären, Eichhörnchen und Mister 99-Prozent von Imboden, Blanca (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.04.2018
  • Verlag: Wörterseh Verlag
eBook (ePUB)
19,99 €
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Arosa

Die Schriftstellerin Liz Lenzlinger hatte mit ihrem Buch 'Paris' einen in siebzehn Sprachen übersetzten internationalen Bestseller gelandet. Die Geschichte hinter dem Roman hat sie tatsächlich erlebt - eine ekstatische, inzwischen aber leider längst vergangene Liebe in Paris. Seit ihrem Erfolg schreibt sie zwar noch Kurzgeschichten und Kolumnen, aber für ein weiteres Buch fehlt ihr die zündende Idee, und so befürchtet sie, dass sie als literarisches One-Hit-Wonder in die Geschichte eingehen wird. Mit der Zeit weitet sich ihre Krise zu einer veritablen Schreibblockade aus. In ihrer Verzweiflung erreicht sie die Mail eines Singleportals, in das sie von ihrer Freundin eingeschrieben wurde. Man habe, steht da, ihren Traummann gefunden. Er stimme zu 99 Prozent mit ihrem Profil überein, was - sie könne jubeln! - einem Lottosechser gleichkomme. Liz interessiert aber nur eines: Kann dieser Mister 99-Prozent endlich den ersehnten Schreibrausch auslösen? Das wird sich schnell zeigen, denn die Sterne stehen auch sonst wieder besser - Liz erhält von einem Hotel in Arosa ein Literaturstipendium. Kaum in der Bergwelt angekommen, überschlagen sich die Ereignisse. Eine Jass-Wandergruppe rund um Monika Fasnacht sorgt für ordentlich viel Trubel. Das Zimmermädchen Maria verliert beinah seinen Job, ein Eichhörnchen seine Heimat, und ein Drohnen-Besitzer lässt sich auf ein Bärenabenteuer ein. Und dann taucht auch noch ein Mann auf, den Liz hier nie erwartet hätte. Blanca Imboden, geb. 1962, war Sekretärin, Sängerin und Seilbähnlerin, bevor sie ihren Traumberuf Schriftstellerin leben konnte. Heute schreibt sie neben ihren Büchern immer wieder Zeitungskolumnen und reist für ihre Lesungen quer durch die ganze Deutschschweiz. Weil sie Berge und den Kontakt zu Menschen liebt, hat sie wieder ein kleines Pensum als Seilbähnlerin angenommen, bei der Stanserhornbahn. Für Wörterseh schrieb sie zahlreiche Bestseller - der erfolgreichste: 'Wandern ist doof' - und zusammen mit Frank Baumann die Jugendbuchreihe 'Schule ist doof'. Als sie das Angebot bekam, sich in Arosa zu einem neuen Roman inspirieren zu lassen, war sie sofort bereit, sich im 'Arosa Kulm Hotel' einzunisten. Blanca Imboden lebt dort, wo sie geboren wurde, in Ibach SZ.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 15.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783037637470
    Verlag: Wörterseh Verlag
    Größe: 2564 kBytes
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Arosa

2
Frauen-WG im Herrenhaus

"Guten Morgen, Liz. Kommst du frühstücken?"

Meine Freundin Karin winkt fröhlich aus dem Fenster. Sie hat fast immer gute Laune und lacht bereits am frühen Morgen. Ich schüttle mich kurz und atme tief durch.

Wahrscheinlich ist es gut, dass ich nicht allein lebe. Ich würde in Selbstmitleid oder Depressionen versinken ohne diese liebenswerten Menschen um mich herum. Manchmal fühle ich mich von ihnen eingeengt, aber das sind nur kurze Momente. Niemals träumte ich von einer WG, und als man mir diese riesige Wohnung hier im Haus Immenfeld anbot, war ich begeistert von so viel Freiraum. Der junge Besitzer verlangte nur einen lächerlichen Mietzins. Das sei seine Art von Kultur-Sponsoring, erklärte der großzügige Mann. Nach meiner Scheidung von Leo war ich in ein extrem winziges, möbliertes Studio in Brunnen gezogen. Karin nannte es einen bewohnbaren Schrank. Hier im Haus Immenfeld fühlte ich mich wie neugeboren: Platz ohne Ende, ein Gefühl von Freiheit, leere Räume, großer Garten. Mir war sofort klar: Hier würde ich durchatmen und neu starten können.

Allerdings merkte ich dann leider bald, dass große Räumlichkeiten nicht automatisch große Ideen auslösen. Und eines Tages stand meine Freundin da, mit Sack und Pack, mit ihrem kleinen Sohn Sven und dessen Hund Struppi. Hätte ich sie zu ihrem jähzornigen Ehemann zurückschicken sollen, der gerade mal wieder in einem unbändigen Wutanfall ihre Wohnung zerlegt hatte? Nein. Ich hatte mir schon lange Sorgen um Karin gemacht.

So entstand diese Wohngemeinschaft. Ungeplant. Provisorisch. Vorübergehend. Und daraus wurde dann ein äußerst gelungenes Wohnmodell, mit dem Segen unseres Vermieters.

"Hast du geweint?", fragt Karin voller Mitgefühl, als ich mich zu ihr und Sven in die Küche setze. Sie streicht mir kurz übers Haar und stellt eine Tasse Kaffee vor mich hin. Ich winke ab, mag nicht darüber reden. Es gibt ja nichts Neues zu erzählen. Es ist das alte Lied.

"Hast du geweint?", wiederholt der kleine Sven, der sich gerade sein Gesicht mit Nutella verschmiert hat und furchterregend aussieht, wie ein Krieger aus einer fernen Galaxie.

"Höchstens ganz kurz, nur so ein paar Tropfen", erkläre ich, und ausnahmsweise lässt Sven mir diese Antwort kommentarlos durchgehen, wahrscheinlich weil er Hunger hat.

Karin schüttelt den Kopf und meint: "Du müsstest wirklich mal raus und weg. Hast du schon Bescheid bekommen? Du hattest dich doch für ein weiteres Atelierstipendium in Paris beworben?"

"Ja, sogar für eines in Berlin und für eines in London. Aber ich glaube, meine Chancen sind gering. Solche Stipendien gibt man doch nicht einer Bestsellerautorin. Damit unterstützt man junge Talente, aufstrebende Autoren."

"Was ist auf... - äh - sterbend?", fragt Sven neugierig. Er hat gerade eine Fragephase. Damit kann er uns alle verrückt machen. Jeder Frage folgt garantiert eine Folgefrage, wenn man nicht ganz vorsichtig antwortet.

"Aufstrebend, Sven, aufstrebend!", korrigiere ich schon einmal.

Karin hilft mir dann: "Aufstrebende Autoren sind Schriftsteller, die gerade erste Erfolge haben. Nicht solche wie Liz, die schon richtige Stars sind."

Ich bin ein Star?

Ich lächle.

Selbst in meinen erfolgreichsten Tagen, als der plötzliche Ruhm wie ein Rausch war, fühlte ich mich nie wie ein Star. Es kam mir viel mehr vor, als wäre Aschenbrödel plötzlich im falschen Film gelandet und als könnte jederzeit einer mit dem Finger auf mich zeigen und rufen: "Das ist eine Betrügerin!" Ich stand im Mittelpunkt des Interesses, saß in jeder Talkshow, war in jedem Magazin abgebildet. Sogar meine Scheidung wurde medial ausgeschlachtet, was mich zutiefst schockierte. Die Idee, fremde Menschen könnten sich für meine Eheprobleme interessieren, fand ich völlig grotesk. Plötzlich konnte ich nicht mehr steuern, wie viel über mein Privatleben an die

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