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Atacama Die Reise des Lenny Sterne von Vogel, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.08.2014
  • Verlag: Klöpfer & Meyer Verlag
eBook (ePUB)
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Atacama

Lenny Sterne, gefeierter Klarinettist und Entertainer aus New York, steht im Zenit seiner Karriere, als alles, was ihm lieb, wert und wichtig ist, nach und nach verloren geht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 190
    Erscheinungsdatum: 25.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863512286
    Verlag: Klöpfer & Meyer Verlag
    Größe: 1004 kBytes
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Atacama

Elaine's

Lenny Sterne begann zu erzählen. Erzählte der Reihe nach. Von jenem Dienstag also. Es war im Grunde ein Dienstag wie fast jeder Dienstag, sagen wir mal: wie eben all die Dienstage, an denen Lenny Sterne sich mit seinen Jazzkollegen in Bruno's Bar zum Spielen trifft, Sylvester Brotman, Kontrabass, Sammy T. Dupont am Schlagzeug, Tricky Fred Legof am Saxofon, Leroy Paine, Akkordeon beziehungsweise am Piano. Also, im Grunde, nichts wirklich Außergewöhnliches. Außer vielleicht, dass es schon wieder ein Dienstag ohne Sarah war, seit Wochen schon ohne Sarah, die einfach gegangen war, ausgezogen war, mit ein paar lapidaren Abschiedssätzen, die sie auf den Notizblock in der Küche notiert hatte. Das Einzige, was Lenny Sterne in einem Telefonat mit Sarahs Freundin Jessy nach langem Betteln hatte in Erfahrung bringen können, war, sie wolle in Ruhe gelassen werden. Okay, sie hat Reißaus genommen und vor ihrem Hypochonder und Egomanen das Weite gesucht. Und es war eben ausgerechnet ein Dienstag, an dem sie sich aus dem Staub gemacht hatte, weil sie ganz genau wusste, dass ihr Mann sich dann im Club mit seinen Musikern traf. In der Regel trifft man sich zweimal im Monat zur Jamsession. Und geht anschließend dann noch etwas essen. Da aber an jenem Abend, aus welchen Gründen auch immer, keiner darauf erpicht schien, war es Lenny Sterne auch recht. Ihm stand der Kopf weder nach tiefschürfender Konversation noch nach belanglosem Smalltalk. Also ging er alleine. Denn erstens hatte er den ganzen Tag nichts Nennenswertes zwischen die Zähne bekommen, und zweitens, was sollte er zu Hause, wo ihn eh keiner erwartet. Er hatte sich also ganz auf einen ruhigen Restabend eingestellt. Und ging wie üblich ins Elaine's , 2nd Avenue, seit Jahren schon sein Stammlokal. Ein Restaurant, Zwischending aus Nobel und Understatement. Das Lokal ist nicht übermäßig groß, wirkt aber durch die dezente Beleuchtung mittels dezentral angeordneter Milchglaskugelleuchten fast intim. Die Möblierung könnte man am ehesten als einen Bastardstil französischer Provenienz bezeichnen, mit weinroter Samtpolsterung auf den Stühlen und halbrunden Bänken. Insgesamt gibt sich die Atmosphäre betont leise, was durch den hochflorigen, dunkel gemusterten Teppichboden unterstrichen wird.

Lenny Sterne saß mutterseelenallein wie gewöhnlich an einem Tisch im hinteren Teil des Restaurants. Er starrte auf das Glas Wein, das ihm der Kellner bereits unaufgefordert serviert hatte.

Lenny Sterne trug wie fast immer, wenn man sich zum eher privaten Musikmachen traf, seine zweifarbigen, auffällig großen Lieblingsschuhe in Brauntönen, dazu eine weite, beigefarbene Hose mit Bundfalten. Über dem rot-grün-gelb karierten Hemd im Fisherman-style trug er das superleichte, senffarbene Jackett in grobem Fischgrät und Knitwear-Qualität, mit breitem Revers, das Sarah ihm bei Ralph Lauren hatte maßschneidern lassen.

Lenny Sterne wirkte an diesem Abend irgendwie ganz besonders hilflos, ein Ritter der traurigen Gestalt, verwundbar, schmächtig, ein Mann von Geschmack und doch irgendwie auch wieder haarscharf daneben. Sein putzwolliges Haar war zerzaust, und durch das altmodische Brillengestell schauten große, traurige Augen verloren ins Nichts. Er wirkte fahrig und so, als fühlte er sich beobachtet, fast gar peinlich berührt. Im Grunde fühlte er sich so, wie in letzter Zeit immer häufiger. Erst nachdem er einen Teller Nudeln gegessen und dazu ein zweites Glas Chardonnay getrunken hatte, wurde er ruhiger, packte seine Klarinette, die feinsäuberlich zerlegt im Instrumentenkoffer lag, noch einmal aus, um die Funktion einer der Klappen zu überpr&uum

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