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Auf See Die Geschichte von Ayan und Samir von Müller, Michaela Maria (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.05.2016
  • Verlag: Frohmann Verlag
eBook (ePUB)
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Auf See

Das Schicksal eines jungen somalischen Paares wird vom Bürgerkrieg bestimmt. Ayan ist schwanger und Samir heuert bei den Piraten an, um Geld zu verdienen. Ihre Wege trennen sich ungewollt: Ayan versucht, mit Hilfe von Schleppern vom Flüchtlingslager Dadaab aus übers Mittelmeer zu fliehen, während Samir ungeplant und unter denkbar negativen Vorzeichen nach Europa gelangt. In Auf See

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 73
    Erscheinungsdatum: 30.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783944195834
    Verlag: Frohmann Verlag
    Größe: 537kBytes
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Auf See

2.

"Kannst du mir den Koriander geben?", bat Isra.

Sie hatten sich heute Morgen auf dem Markt getroffen und beschlossen, gemeinsam zu kochen. Ayan reichte ihr über den Topf mit dem heißen Öl hinweg die grünen Stängel und fuhr fort, mit den Fingerspitzen Mehl, warmes Wasser, Öl und Salz zu einem klebrigen Teigklumpen zu kneten. Isra briet in einer Pfanne Lammhack, rote Zwiebeln und Koriander an, stieb Currypulver darüber und würzte die Mischung mit Salz und Pfeffer. Sie bereiteten Sambusas, zu, einen Teil davon gefüllt mit Fisch, die anderen mit Hackfleisch.

Es klopfte an der Tür. Ayan sah auf die Uhr. Es war kurz vor elf und die Sonne schien schon in steilem Winkel durch das Küchenfenster herein. Sie klopfte sich das Mehl von den Händen, der weiße Staub tanzte durch den Raum. Sie deckte die Teigtaschen rasch mit einem Küchentuch ab und ging zur Tür.

Es war Guntaal. Ayan erkannte ihn kaum, er trug jetzt einen Vollbart, hielt sein Smartphone in der Hand und schrieb gerade eine Nachricht. Vor zwei Wochen war er aus London zurückgekommen, wohin er und seine Familie nach Ausbruch des Bürgerkriegs geflüchtet waren. Er sei in London strenger Muslim geworden und suche Anschluss, erzählte man sich. So lauteten zumindest die kutiri-kuteen, Gerüchte, die man sich in der Stadt erzählte.

Er sei nicht wiederzuerkennen, sagten die, die ihn seit seiner Rückkehr schon gesehen hatten. Zwischen dem alten und dem neuen Guntaal lagen der Krieg und die Zeit in England.

Als Ayan die Tür öffnete, ließ er das Telefon in seinem Gewand verschwinden. Er sah sie missbilligend an und deutete schweigend auf das locker um ihr Haar gelegte Kopftuch. Ayan wusste, dass sich in Zeiten wie diesen eine Frau einem solchen Blick besser beugte und zog das Tuch fester um den Kopf.

"Ich suche Samir", sagte Guntaal. Sein Somali hatte sich mit dem Londoner Cockney vermischt, was der Betonung der Vokale in seiner Muttersprache sogar entgegenkam. Ayan kannte Guntaal von früher, tat sich aber schwer, hinter dem Vollbart das Kindergesicht aus ihrer Erinnerung auszumachen. Samir kam zur Tür und bemerkte, wie Ayan verstohlen ihre Haare unter dem Tuch verbarg. Er legte seinen Arm um ihre Schulter.

"Salam aleikum. Ich möchte mir dir sprechen, Samir", erklärte Guntaal.

"Aleikum salam. Du bist unser Gast. Komm' herein. Das ist meine Frau. Kennt ihr euch noch?", erwiderte Samir.

Guntaal schaute Ayan an.

"Nein."

Man hörte das heiße Öl in der Küche schnalzen, der Geruch von frisch frittierten Sambusas zog durch den Flur.

"Willst du mit uns essen?", fragte Ayan.

Guntaal fuhr sich durch den Bart und wandte sich an Samir: "Lass' uns erst reden."

Samir bat Guntaal ins Wohnzimmer und Ayan ging zurück in die Küche. Isra stand am Herd und wendete mit einer Gabel die Teigtaschen hin und her, so dass diese gleichmäßig gebräunt wurden.

Ayan griff in die mit Zeitungspapier ausgelegte Schüssel mit den fertigen Sambusas. Küchenkrepp hatte sie seit Jahren nicht mehr gekauft, nahm jetzt immer alte Zeitungsseiten, um Teigtaschen zum Abtropfen darauf zu legen. Das Papier hatte das Frittierfett aufgesogen, das Öl ließ es leicht schimmern und machte es gleichzeitig transparent.

Tante Fadumo hatte Ayans Schulbesuch auf dem Internat bezahlt. Ayan hatte keine Erinnerung mehr an sie. Die Tante hatte das Land zwei Jahre nach Ausbruch des Bürgerkriegs verlassen. Zuerst war sie nach Dadaab geflüchtet. Eineinhalb Jahre später wurde sie in ein Resettlement-Programm der Vereinigten Staaten aufgenommen, das sie nach Minnesota brachte.

Ayan aß eine Sambusa und hing ihren Gedanken nach. Sie wusste nicht mehr, wie Tante Fadumo ging, Zwiebeln schnitt oder sich die Hände wusch. Ihre Stimme war ihr aber vertraut geblieben. Sie telefonierten oft. Tante Fadumo war die Schwester ihrer Mutter und hatte keine eigenen Kinder.

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