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Aufrührerinnen der Liebe von Neukum, Thomas (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Aufrührerinnen der Liebe

In einem Bündel schillernder Erzählungen branden die Aufrührerinnen der Liebe - Frauen, die ein Leben der Einsamkeit, der öden Routine oder Überforderung satt haben - gegen ihre gesellschaftlichen Fesseln an. Manche mögen perverse Romantikerinnen und siegreich sein, andere nicht, doch dürfen wir bei so viel Sinnlichkeit uns auf eines verlassen: dass ihre Taten mit einer Prise Irrsinn gepfeffert sind.

Thomas Neukum, geb. 1980 in Süddeutschland, geriet früh aufgrund von Fehldiagnosen in der Psychiatrie zum Medikamentenopfer und lebt heute an der Ostsee.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 156
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741216695
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 216kBytes
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Aufrührerinnen der Liebe

Alissa

Wetterlichter einer weiblichen Tiefebene
1. Hälfte

B evor sie all ihren blonden Mut zusammenkratzte und damit begann, abends im Ledersessel des Firmenchefs - ihres Mannes - breitbeinig mit dem Finger langsam über ihre rosenfeuchte Knospe zu tingeln, fühlte sie innerlich sich längst wie ein zerbröckelndes Wrack an den Fjorden. In einem Roman hatte sie einmal gelesen: "Es ist hart, wenn das Äußere eines Menschen so wenig mit seinem Inneren übereinstimmt", und den Beweis hiervon bekam sie jeden Tag zu spüren. Denn sie war äußerlich das fleischgewordene Klischee der unterkühlten und hochmütigen Dänin, obgleich ihr Vorname, Alissa, nicht übermäßig konventionell in den Ohren klang. Bestandsaufnahme:

Ihr Mann, Yorik Peter Möller, einundvierzig, besaß ein Versandhaus mit Kuriositätenartikeln. So wenig, wie Alissa das Sortiment von Drogerien begriff, wo sie als Kundin ihre Kosmetik aus einem Regal neben Fotografie-Angeboten zog, so wenig erblickte sie eine klare Linie im Erfolgskonzept ihres Gatten: Neben beispielsweise Plüschkissen mit aufgedruckten Haustieren in der Travestie von Prominenten, einem runden Zettelblock in Salami-Imitat, Socken-Anzieh-Hilfen für eingerostete Menschen oder Kondomen mit aufgemaltem eichelrundem Gesicht führte er in seinem Programm gewisse Ratgeber zur Lebensführung, esoterische Bücher und fantastische Krimis, aber auch Mittel zur Anregung des Haarwuchses. Letztere konnte er selber gebrauchen, doch Alissa sah keinen Unterschied. Seinetwegen vermaß sie übrigens von Schuhen, die sie anziehen wollte, vorher den Absatz, denn er durfte nicht höher als vier oder fünf Zentimeter sein, nicht weil sie es anderenfalls als unschicklich oder unbequem empfand, sondern weil sie nicht gerne größer als ihr Chef und Mann war. Mit ihnen zusammen arbeiteten im Unternehmen nur zehn Personen, und das bedeutete, dass Yorik selber sich mindestens eine Sechzig-Stunden-Woche leistete; eine genaue Zahl anzugeben, war unmöglich. Die beiden Büroräume mit dem großen Lager waren nahezu übergangslos ans Privathaus rangebaut, und manchmal am Samstag fiel es ihm ohne jede Vorankündigung ein, dass er noch nicht genug am Schreibtisch gesessen hatte. Manchmal aber merkte sie auch voll resignierter Gereiztheit wochentags am Frühstückstisch, wenn sie im Overall beispielsweise fragte: "Ist der Vollkorntoast knusprig genug? Sonst verfeinere ich ihn mit Acrylamid", und er als Antwort endlich mümmelte: "Lass nur, noch eine Tasse Schwarzen muss nicht sein, Schatz, du hast recht", da merkte sie natürlich, dass er in diesem Moment ebenso wenig anwesend und schon im Büro war, falls nicht woanders. Oder er starrte neben ihr im Bett liegend an die dunkle Schlafzimmerdecke. Sie wohnten im Süden Jütlands; mit zwanzigtausend Einwohnern zählte der Ort bereits zu den größeren in der nahen Umgebung, wo sattgrüne Gräser sich im Wind beugten. Yoriks Vorfahren waren Deutsche, falls eine solche Abgrenzung nennenswert wäre.

Sein Jugendfreund, Severin, achtunddreißig, war zuständig für die Logistik und arbeitete dadurch eng mit den drei Männern im Lager zusammen, die sämtliche Artikel raus- wie reinpackten. Er hatte in der Schule als zweite Fremdsprache Deutsch gelernt, ohne es natürlich darin zur überzeugendsten Konversation gebracht zu haben, und als vor zehn oder fünfzehn Jahren einmal in Schleswig-Holstein eine Wildschweinplage ausgebrochen war, überredete er Yorik mit ihren Jagdscheinen dorthin zu fahren. Trotz dessen Hilfe stellte es sich zu ihrem damaligen Erstaunen aber als unmöglich heraus, von den zuständigen Stellen eine Erlaubnis zu erhalten. Inzwischen jagte Severin selbst in Dänemark alleine, da Yoriks sanftes Wesen zur veganen Lebensanschauung tendierte (ohne dass er Veganer war). Im Unterschied zu diesem war jener groß mit vollem kiefernbraunem Haar, und Alissa hätte lügen müssen, um seine Attraktivität ihm abz

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