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August August, August. Eine Zirkusvorstellung von Kohout, Pavel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.10.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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August August, August. Eine Zirkusvorstellung

Der Zirkusclown August August hat einen Traum: Er möchte die acht weißen Lipizzaner dressieren. Diese Dressurnummer ist aber seit Jahren ein Privileg des Zirkusdirektors Holzknecht. Der Direktor und sein Stallmeister fühlen sich durch den dummen August in ihrer Autorität angegriffen und stellen dem Clown zahlreiche Bedingungen. Obwohl diese Bedingungen unerfüllbar zu sein scheinen, können sie August nicht abschrecken, und sein Traum überwindet alle Hindernisse. Der Direktor muss Augusts Wunsch erfüllen, und sehnsüchtig erwartet der Clown die Lipizzaner. Aber einen Trumpf hat der Direktor noch im Ärmel. AUTORENPORTRÄT Pavel Kohout, 1928 in Prag geboren, zählt zu den international bekanntesten Schriftstellern und Dramatikern. Als einer der Wortführer des 'Prager Frühlings' von 1968 wurde er aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen und über 20 Jahre totgeschwiegen. Mitverfasser der 'Charta 77', daraufhin 1979 ausgebürgert. Zu seinen bekanntesten Werken gehören 'Die Henkerin' (1978), 'Wo der Hund begraben liegt' (1987) und 'Sternstunde der Mörder' (1995). 2010 erschien seine Autobiografie 'Mein tolles Leben mit Hitler, Stalin und Havel'. Pavel Kohout lebt heute wieder in Prag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 64
    Erscheinungsdatum: 13.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711461464
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1561 kBytes
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August August, August. Eine Zirkusvorstellung

I

Wenn du heute abend ins Theater kommst, Liebling - festlich frisiert, und vielleicht auch festlich gestimmt - dann wirst du zuerst einmal überrascht sein bei dem Anblick, der sich dir bietet: statt der Bühne, die sonst so oft das Podium erhabener Gedanken war, findest du eine Manege, den wohlbekannten Zauberkreis, ausgestreut mit Sägespänen, von der Welt der anderen durch eine niedrige Bande getrennt - die Grenze, die nur von den Hufen der Pferde und den zerlatschten Schuhen des Clowns berührt wird. Es kann sein, daß dein Platz gar nicht im Zuschauerraum ist, sondern auf der Bühne, falls dort auch Zuschauer sitzen, damit die Illusion vollkommen ist. Wie dem auch sei - es wird nicht mehr lange dauern, und oben auf der Estrade, die in keinem Zirkus fehlen darf, über dem Entree mit dem roten Samtvorhang, wird die Zirkuskapelle erscheinen, in malerischer, goldbetreßter Livree. Die Uniformmützen werden nicht fehlen und auch nicht die großen Bierkrüge, denn der Abend ist lang, und die ausgetrockneten Kehlen wollen angefeuchtet sein. Sogleich beginnt die Musik, und du hörst gern wieder die alten Melodien von damals - so lange, bis ihr alle auf euren Plätzen sitzt, bis ihr euch an den Zirkusgeruch gewöhnt habt und eure erwartungsvolle Ungeduld kaum noch bändigen könnt. Dann ertönt der Gong, die Lichter im Saal verlöschen, die Bonbon- und Würstchenverkäufer verschwinden - ein weißer Lichtkegel richtet sich auf die Manege.

Jetzt spürst du den wohligen Schauer, Liebling, der uns alle befällt, wenn die Marschmusik einsetzt, wenn der Stallmeister in die Hände klatscht, wenn die Manegendiener - Buben noch, mit dichten Locken und weltmännischen Koteletten - im Trab die purpurrote Gardine aufziehen, damit er seinen Einzug in die Manege halten kann: der Zirkus! Urplötzlich ist er da in seiner ganzen unsterblichen Herrlichkeit, mit den Trikots, die sich um kräftige Muskeln spannen, mit glitzerndem Flitter, der den zarten Bauch freiläßt - es kommen die stämmigen Untermänner, die alle Last des Zirkus auf ihren Schultern tragen - die Kunstreiterinnen, die ihm Eleganz verleihen - die Jongleure, die seinen Raum mit dem Wirbel der Dinge erfüllen - die Trapezkünstler, denen die Höhe der Kuppel gehört - und mit denen stets ihr ewiger Partner die Manege betritt: der Tod.

Und dann, wenn sie sich alle aufgestellt haben, wenn die Atmosphäre bis zum Bersten mit Spannung geladen ist - dann bricht die Marschmusik plötzlich ab, die festliche Ouvertüre setzt ein, und durch das Spalier der Künstler erscheint in Frack und Zylinder der, durch dessen Wille der Zirkus Zirkus ist, sein Schöpfer und sein Gebieter, er - Der Herr Direktor Holzknecht. Er spricht - und die Kapelle untermalt melodramatisch seine Rede.

Direktor : Verehrteste! Ich und meine Frau,
meine Tochter, meine Leute, meine Tiere -
wir sind bereit! - Was wir wollen, ist einfach:
Sie für ein paar Stunden von der Last des Daseins befreien!
Ich seh's Ihnen an, meine Damen und Herren,
wie sehr diese Last Ihre Seele bedrückt -
auch in der Garderobe wird man sie nicht los -
eine schwere Last, und nicht abzuschütteln -
auch nicht, wenn Sie Trost bei der Flasche suchen -
auch nicht, wenn Sie nachts vor Liebe zu sterben vermeinen
in den Armen Ihrer Geliebten - oder gar der eigenen Frau.
Ich sehe die Gespenster,
die Ihre Seelen quälen:
Die Fliegen Ihrer Lügen,
die Hengste Ihrer Ängste,
die Mauer Ihrer Trauer -
die furchtbare Last der Angst vor dem Leben -
so viel stärker oft als die Angst vor dem Tod.
Doch nun sind Sie hier! Und ich und meine Frau,
meine Tochter, meine Leute, meine Tiere -
wir sind bereit, Sie von der Last zu befreien -
ganz gleich, wie teuer Sie Ihren Platz bezahlten.
Wir sind der Zirkus! Von Gott erschaffen! Denn als der Herr
der Träne befahl, sie solle fließen,
erschrak er darüber. Und er schuf dieses Zelt,
und lächelte und sprach:

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