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Aus dem Feuer von Ambjørnsen, Ingvar (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.08.2016
  • Verlag: Edition Nautilus
eBook (ePUB)
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Aus dem Feuer

Der norwegische Bestsellerautor Ingvar Ambjørnsen schreibt über Liebe, Schuld und Scham des norwegischen Bestsellerautors Alexander Irgens - eine Persiflage auf den Literaturbetrieb von dostojewskihafter Dimension! Dieser Roman ist ein Wunder: eine schräge Satire auf den Literaturbetrieb, eine traurige Liebesgeschichte, lyrische Naturprosa - und das immer dunkler werdende Porträt eines Mannes, der sich durch Scham und Verdrängung tiefer und tiefer in seine Schuld verstrickt. Alexander Irgens, Norwegens Krimikönig, sind offenbar sowohl der Erfolg als auch der Alkohol zu Kopf gestiegen, als er und seine Geliebte Vilde nach einem opulenten Dinner mit elf Buchhändlerinnen in Lillehammer einen zudringlichen Fan krankenhausreif schlagen. Plötzlich will die Presse ihn nicht mehr zu seinem gerade erschienenen Roman befragen, sondern interessiert sich vor allem für den Skandal. Irgens lässt Vilde und auch seine Ehefrau Ada nach dem Tod ihrer Mutter zurück und unternimmt eine Buchvorstellungstournee in Island und Deutschland, die eher eine Flucht ist, auch eine Flucht vor sich selbst. Vom Erfolg korrumpiert, wird er von Ada und Vilde verlassen, sein Sohn kehrt sich von ihm ab. Gerade, als Irgens durch dieses Feuer geläutert scheint und im Begriff ist, eine Heimat zu finden und zudem mit dem größten Preis der Kriminalliteratur geehrt zu werden, holt ihn seine Vergangenheit ein. Und dieser Roman wird selbst zum Krimi ... Ingvar Ambjørnsen, geb. 1956 in Tønsberg, Norwegens kneipenreichster Stadt, aufgewachsen in Larvik. Nicht vollendete Gärtnerlehre und mancherlei Jobs in Industrie und Psychiatrie. Erste Buchveröffentlichung 1981: 23-salen, seitdem zahlreiche Romane, Welterfolg mit den Elling-Romanen. Lebt seit 1985 in Hamburg. Bei Edition Nautilus erschienen zuerst der autobiografische Roman Weiße Nigger und zuletzt der Roman Die Nacht träumt vom Tag. Ingvar Ambjørnsen wurde mit dem Willy-Brandt-Preis 2012 ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 25.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960540137
    Verlag: Edition Nautilus
    Originaltitel: Ut av ilden
    Größe: 1200 kBytes
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Aus dem Feuer

Teil I

1

Vilde

Im Schilf liegt eine tote Krickente. Genauer gesagt ein Krickerpel. Das Sonnenlicht lässt das grüne Feld um die Augen leuchten wie blankes Metall. Das mir zugekehrte Auge ist geborsten. Winzige Fliegen krabbeln durch die Federpracht. Drehen kleine Pirouetten. Lassen sich abermals nieder. Um den Hals, als feste Schlinge - eine blaue Angelschnur, die sich tief in den dunklen Abgrund beim Anleger hinunterzieht.

Das Bild des toten Vogels erinnert mich an etwas.

An etwas von vor langer Zeit.

Ich kann es nicht an die Oberfläche holen.

Ich habe es nur kurz zu heben versucht, dann habe ich aufgegeben. Es spielt keine Rolle. Ein Traum. Etwas, das ich gelesen habe. Eine Bagatelle.

Es ist Samstag, der 2. Oktober. Herbst. Trotzdem fast Sommer. Der ganze Wald summt vor Insekten, wie es Ende Juli oft der Fall ist. Ich sitze in Hemdsärmeln da, auf einem alten Sägebock, den irgendwer angebracht hat, seit ich zuletzt hier war. Die Wespen gehen im Heidekraut Streife; sie sind in diesem Jahr klein und ziemlich friedlich; dieses Phänomen ist mir schon längst aufgefallen. Ich sitze zu Hause in Majorstua auf dem Balkon und frühstücke, mit Ei und Marmelade, den ganzen Spätsommer hindurch, ohne von den Schwarzen und Gelben gestört zu werden. Sie sind da, aber sie lassen sich vom Winde verwehen. Hier im Wald ignorieren sie den Menschenmann vollständig, sie wimmeln im Heidekraut umher und gleiten seitlich über das Wasser oder zwischen die Kiefernstämme. Um diese Jahreszeit sind sie heimatlos. Bald werden sie sterben.

Ja. Ein Sommer, der die Landschaft nicht loslassen will. Der sich in einen anderen Raum erstreckt als den, der ihm gehört.

Das sind so meine Gedanken.

Es ist heiß. Das Hemd klebt mir am Rücken.

Ich bin vom Auto her fünfzig Meter hier heraus auf die Landspitze gegangen. Ich bin triefnass.

Aber Luft und Licht gehören dem Oktober, wie ich ihn aus früheren Jahren kenne, so weit ich mich zurückerinnern kann. Der blaue klare Herbsthimmel und das Sonnenlicht, das durch die farbenfrohen Baumwipfel sickert. Der große Laubfall hat noch nicht eingesetzt. Noch ist der Waldboden nackt. Das Gras steht grün an den Hängen. Noch hängen die Farben an den Zweigen, Milliarden, Myriaden von wehenden Wimpeln in Gold, Rot, Braun und Orange, in allen Schattierungen.

Und das klare Licht fällt zwischen sie und durch sie und malt wundersame Schattentänze auf Pfade und Wege.

Wo jemand geht oder niemand kommt.

Der Wasserspiegel ist in zwei Hälften geteilt. Einen leuchtendblauen Teil, einen Himmelsspiegel. Und einen, der schwarz und glänzend ist wie Öl. Der im Schatten des hohen Waldes unter dem Steilhang im Osten ruht.

Jetzt schwimmt sie hinaus aus ihrem Leben und hinein nach Mordor.

Ich sitze hier. Ich sage nichts. Ich bin nicht so leicht zu bewegen. Ich sitze hier und denke, so ist sie. Von Licht zu Schatten, in Sekundenschnelle.

Es ist, als werde ihr Körper in einer Art Fixierbad entwickelt, wenn sie in die Dunkelheit hineingleitet. Im Sonnenlicht sehe ich nur ihren Kopf über dem glitzernden Wasserspiegel. Und die Haare, die in ihrem Kielwasser treiben. Im tiefen Schatten leuchtet ihr Körper unter der Wasseroberfläche fast weiß. Er wirkt fast selbstleuchtend.

Die ruhigen Armbewegungen. Der Rücken. Die Hüften und die starken Beine beim Abstoßen. Sie dreht sich auf den Rücken. Winkt.

"Komm doch!"

Unter der toten Ente ist feiner Sandboden. Fast wie feinkörniges Gold im Sonnenlicht. Das dünne Schilf ragt wie grüne Trinkhalme aus dem Sand. Zwei Meter vom Land entfernt beginnen Dunkelheit und Modderboden. Die Tiefe.

Ungefähr mitten zwischen Strand und Dunkelheit liegt auf dem Grund ein hellblauer Wobbler mit schwarzen und roten Flecken.

"Du bist ja vielleicht blöd! Dummer alter Mann!"

Sie ist wieder im Licht.

Ich halte mir die Hand über die Augen. Hin

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