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Bärlinger. Splitt von Reckmann, Jörg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2010
  • Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt
eBook (ePUB)
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Bärlinger. Splitt

Als der Immobilien-Tycoon Werner Gerlach beim Frankfurt-Marathon mit seiner persönlichen Bestzeit durchs Ziel läuft, ist er bereits seit Stunden tot. Ein Fall, der Kommissar Schurmann und seinem Team Rätsel aufgibt. Denn auch der Tatort am Main und die seltsam arrangierte Leiche deuten darauf hin, dass man der Polizei einen deutlichen Hinweis geben will. Ein Junkiepärchen, das man nicht weit vom Tatort aufgreift, entwischt der Polizei. Waren es die Täter? Für den zwielichtigen Innenminister, der sich mitten im Anti-Drogen-Wahlkampf befindet, ein gefundenes Fressen. Der Mord am Main wird zum Politikum. Und dann funkt Kommissar Schurmann auch noch immer dieser Bärlinger dazwischen. Wäre der offensichtlich etwas gelangweilte Wirtschaftsanwalt und frühere Strafverteidiger Bärlinger nicht ein enger Freund Schurmanns, hätte ihn sein ungesunder Hang zur Kriminalistik vermutlich längst selbst ins Gefängnis gebracht - oder sogar ins Grab. Denn die Zahl der Toten nimmt im Verlauf der Handlung zu, und immer mehr scheint es, als lege der Mörder eine Spur in die Vergangenheit. So sehr der Kommissar sich auch über Bärlingers eigensinnige Ermittlungen in dem ungeklärten Mordfall ärgern mag, dieses Mal wird er seine Hilfe brauchen.

Jörg Reckmann, geboren 1951 in Berlin, hat in jahrelanger journalistischer Arbeit immer wieder spektakuläre Kriminalfälle als Berichterstatter verfolgt. Er schreibt Chansons und Erzählungen. Als passionierter Hobbykoch holt er sich die bei inzwischen fünf Marathonläufen verlorenen Pfunde leider immer viel zu schnell wieder zurück. Die in diesem Band enthaltenen Rezepte stammen von internationalen Spitzenköchen und sind während der Romanarbeit vom Autor nachgekocht und mit Genuss verspeist worden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 01.09.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783627021689
    Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt
    Größe: 1327 kBytes
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Bärlinger. Splitt

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Ein Traum

Montag, 8. November

Von der herrschaftlichen Westend-Villa, die Peterson & Partner als Domizil erkoren hatten, waren nur die Fassade, das in Marmor und Eiche gehaltene Vestibül und die geschwungene Holztreppe übrig geblieben, die zu den Konferenzräumen im ersten Stock und dem mit Mahagoni getäfelten Chefbüro gleich daneben führte. Der Rest war entkernt und umgebaut worden. Der Garten hatte einem modernen Anbau aus Glas und Beton Platz machen müssen, in dem ein Großraumbüro für die angestellten Anwälte untergebracht war, und im Halbkreis darum verteilt, allerdings leicht erhöht, die gläsernen Büros der zwölf Partner, die Apostel, wie sie hier hießen. In einem dieser Aquarien, das ihm leihweise zur Verfügung stand, bis ein neuer Partner gefunden war, saß Peter Bärlinger und versah eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs mit Randbemerkungen. Gelegentlich markierte er eine Fußnote mit gelbem Leuchtstift. Apostel zu sein war in dieser Welt das Höchste. Er aber hatte diese letzte Ehre abgelehnt und galt seither als etwas verschroben. Ein Arbeitstag von sechzehn Stunden, davon die Hälfte im Flugzeug oder in immer gleichen Hotelzimmern irgendwo auf der Welt, war seine Sache nicht. Er arbeitete auf Stundenbasis, projektbezogen, war im Prinzip unabhängig. Ein wohlhabender Tagelöhner, dem legendäre Fähigkeiten zugeschrieben wurden, seit er einem Klienten mehrere hundert Millionen Euro Kartellstrafe erspart hatte. Bei der EU-Kommission in Brüssel die richtigen Leute zu kennen hatte sich ausgezahlt.

Er arbeitete konzentriert, aber letztlich lustlos. Dieses prickelnde Gefühl, in dem komplexen Gewirr von Paragraphen, Gerichtsentscheidungen und Auslegungsvarianten einen neuen, noch nicht betretenen Argumentationspfad zu finden, hatte sich mit den Jahren verflüchtigt. Die trotz seiner hohen Honorare wiederkehrende Frage, ob er den richtigen Beruf ergriffen hatte, ließ sich immer schwerer unterdrücken. Es gab, so seine Erfahrung, im Steuerrecht kaum einen Tatbestand, der nicht auf die ein oder andere Weise umgangen werden konnte, ganz legal natürlich. Je lauter die Politik von Reformen und Gerechtigkeit sprach, desto größer wurde die Zahl der Hintertürchen für Steuerflüchtlinge. Diese Türen zu öffnen war sein Job. Er bescherte ihm ein sorgenfreies Leben, aber war das alles?

Gerne hätte er Geige gespielt oder ein anderes Instrument - Klavier, eine wunderbare Vorstellung. Nur leider war es mit seiner Musikalität nicht sonderlich weit her, und zum Literarischen tendierten seine Talente auch nicht gerade. Sein Versuch, die Geschichte von Schneewittchen und ihrer Stiefmutter in rechtliche Sicht umzuformulieren, war unter seinen Kommilitonen im ersten Semester immerhin ein Achtungserfolg gewesen.

Schwere Körperverletzung, versuchter Mord und wegen des sprechenden Spiegels Verdacht auf nachrichtendienstliche Tätigkeit bei der bösen Königin, Schneewittchen hatte sich des Hausfriedensbruchs und zumindest des Mundraubs zum Nachteil der sieben Zwerge schuldig gemacht. Die waren vor Nötigung nicht zurückgeschreckt und hatten das junge Mädchen in Ausnutzung ihrer Zwangslage offenbar als billige Haushaltshilfe in Schwarzarbeit beschäftigt. Selbst dem Prinzen war zumindest Störung der Totenruhe anzulasten, wenn nicht gar Entführung, möglicherweise auch sexuelle Handlungen an einer Minderjährigen.

Mit dieser Geschichte hatte seine literarische Karriere ihren Höhepunkt erreicht und gleich auch überschritten. Was sprachliche Feinheiten anging, verschrieb er sich bei seinen Gutachten dem berühmten Satz, die Zehn Gebote seien deswegen so kurz und logisch, weil sie ohne Mitwirkung von Juristen zustande kamen. Seine Prägnanz wurde gelobt, er langweilte sich, sein Fluchtweg aus dieser Welt war das Strafrecht. Er verteidigte mit Hingabe kleine Gauner.

Manche vo

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