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Beate und Mareile Eine Schlossgeschichte von Keyserling, Eduard von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.03.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Beate und Mareile

Eduard Graf von Keyserling (2.5.1855 - 28.9.1918), war ein deutscher Schriftsteller und Dramatiker. Keyserlings Roman "Beate und Mareile" wurde 1909 veröffentlicht. Eduard Graf von Keyserling (2.5.1855 - 28.9.1918), war ein deutscher Schriftsteller und Dramatiker.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 116
    Erscheinungsdatum: 30.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839120439
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 631 kBytes
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Beate und Mareile

3. Kapitel

Die alte Baronin von Losnitz saß in ihrem Voltairesessel und strickte einen blauen Kinderstrumpf. Schöne Haartrompeten, blank und weiß, rahmten das fette, weiße Gesicht ein mit den regelmäßigen Zügen. Seneïde saß am Fenster und nähte. Ihre Züge waren scharf und gezogen, die Lippen fast weiß, und die Augen lagen tief in den Höhlen und gaben dem Gesichte einen kummervoll-erregten Ausdruck. Sie legte ihren Fingerhut mit einem lauten "Klap" auf den Tisch, lehnte den Kopf zurück und schloss die Augen. "Beating", begann sie, "war heute wieder wie sonst. Gestern, da war etwas Fremdes in ihrem Gesichte - etwas - ich weiß nicht?"

Die Baronin schaute ihre Schwester über die Brille hinweg an: "Hör, Seneïdchen, du machst die Dinge gern geheimnisvoll. Für ein junges Ehepaar ist das nichts. In deiner Milchkammer rührst du auch nicht in den Töpfen herum; du wartest doch ruhig, bis die Sahne sich absteht. Na - also!"

Seneïde beugte sich still auf ihre Arbeit nieder.

Nun kamen Günther und Beate. Günther begann sofort die alten Damen zu bezaubern. Nichts im Leben war ihm ungemütlicher, als wenn er nicht gefiel. Bei der Toilette bemühte er sich, Peter zu gefallen, und auf der Reise dem Schaffner. "O Mama, wie blühend du aussiehst, hübsch und sommerlich. Und Tante - Ihr Harmonium habe ich heute früh schon im Bette gehört. Geradezu heilig hab' ich dabei geschlafen - auf Ehre. Gott, hier muss man ja gut sein."

Dann sprachen sie von Mareile Ziepe, der Inspektorstochter. "Oh, unsere Mareile", rief Günther, die ist groß! Also - nicht nur die berühmte Sängerin; sie ist die gefeiertste Schönheit der Gesellschaft - der Gesellschaft - bitte."

Die Baronin lachte: "Meine Mareile! Die hatte immer eine feste Hand... Wenn man Ziepe heißt und dann..."

"Na ja, Ziepe", meinte Günther, "das hat sie abgelegt. Sie heißt Cibò! Ist auch besser. Die Fürstin Elise kann ohne Mareile nicht leben, der Fürst Kornowitz schmachtet sie an."

Durch die Seitentür kam jetzt Frau Ziepe herein. Sie wollte die jungen Herrschaften begrüßen. Erhitzt und verlegen saß sie neben Beate und sprach von ihren Zwillingen. Plötzlich verklärte sich ihr Gesicht. Mareile war genannt worden.

"Auf Ihre Tochter", wandte sich Günther an die Inspektorsfrau, "sind wir alle stolz."

"Danke, Herr Graf, danke." Frau Ziepe errötete. "Und ich hab' mich so vor der Kunst gefürchtet. Man spricht so viel. Aber Mareiling hat Charakter, Gott sei Dank."

"Was tun wir?" fragte Günther seine Frau, als sie wieder allein in Beatens blauem Kabinett auf den weißlackierten Stühlchen saßen. "Natürlich beieinander sein!" Er nahm Beatens Hand und küsste vorsichtig jede Fingerspitze. "Ja, was tun wir?" wiederholte Beate.

Günther dachte nach. "In den Garten müssen wir, damit wir so das Sumsum des Sommers hören. Nicht? Im Park unter den Linden muss es jetzt gut sein. Suche ein Buch heraus. So was Altmodisches, ganz Süßes, weißt du. Ich bestelle die Hängematten?"

"Ah! So ist's gut!" rief Günther, als sie beide unter den Linden in den Hängematten lagen. "Nun lies, Schatz."

Zwischen den starken Stämmen hindurch sah Günther ein Stück des Teiches mit seinen Inseln von Froschlöffel und Wasserlinsen. Libellen, kleine blanke Lichtgestalten wiegten sich in der heißen Luft. Unter den Weiden am Ufer aber saßen die Schwäne, weiße, regungslose Gebilde. Günther blickte auf die schmale, helle Gestalt neben sich in der Hängematte. Lichter und Blätterschatten huschten über sie hin: Gott ja! dachte er, unsere Frauen, die sind eigen! So 'ne kühle, klare Luft ist um sie her. Die anderen sind auch schön - o ja! Mareile zum Beispiel, aber so das - das Festliche fehlt.

Beate hielt inne und blickte zu Günther hinüber. "Du hörst mir nicht zu. Woran denkst du?"

"Ich denke - ich denke an dich - und dass es gut ist, dass du hier in der Hängematte liegst und nicht - eine andere - Mareile oder sonst eine von den anderen

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