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Beim Leben meiner Mutter Roman von Coleman, Rowan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.11.2017
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Beim Leben meiner Mutter

Als Marissa stirbt, beschließen ihre beiden Töchter Luna und Pia nach Brooklyn, Marissas Geburtsort, zu reisen. Hier wollen sie mehr über das dunkle Geheimnis erfahren, das ihre Mutter jahrelang gehütet und sie schließlich zugrunde gerichtet hat. Doch die beiden Schwestern stoßen nur auf noch mehr Fragen, statt auf Antworten. Bis Luna eines Tages eine rätselhafte - ja, magische - Erfahrung macht: Sie begegnet ihrer Mutter als junge Frau, im Sommer 1977. Erst glaubt Luna, verrückt geworden zu sein. Doch dann wird ihr klar: Wenn sie tatsächlich die Fähigkeit besitzt, durch die Zeit zu reisen, dann kann sie auch die Vergangenheit ändern. Doch ist es möglich, das Leben ihrer Mutter zu retten, ohne ihr eigenes zu opfern? Rowan Coleman lebt mit ihrer Familie in Hertfordshire. Wenn sie nicht gerade ihren fünf Kindern hinterherjagt, darunter lebhafte Zwillinge, verbringt sie ihre Zeit am liebsten schlafend, sitzend oder mit dem Schreiben von Romanen. Da kann das Bügeln schon mal zu kurz kommen. Rowan wünschte, ihr Leben wäre ein Musical, auch wenn ihre Tochter ihr mittlerweile verboten hat, in der Öffentlichkeit zu singen. Sie hat bereits mehrere sehr erfolgreiche Romane veröffentlicht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 02.11.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492977975
    Verlag: Piper Verlag
    Originaltitel: The Summer of Impossible Things
    Größe: 1162 kBytes
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Beim Leben meiner Mutter

1

Wir befinden uns in einer Art Blase, meine kleine Schwester Pia und ich. Wir sitzen im Schutz der ruhigen, kühlen Kabine eines klimatisierten Taxis und fahren durch uns unbekannte, brütend heiße Straßen in einem fremden Land. Wir kommen an Brücken und Gebäuden vorbei, die uns doch irgendwie bekannt vorkommen, weil sie immer wieder in den Erzählungen vorkamen, mit denen wir aufwuchsen. Keine von uns ist je hier gewesen, und doch ist ein Teil dieser Welt ein Teil unserer DNA.

Ich habe im Laufe meines Lebens viele in New York spielende Kinofilme gesehen, aber in der Realität sieht der Brooklyner Stadtteil Bay Ridge ganz anders aus, als ich ihn mir vorgestellt hatte: breite Straßen, maximal zwei Stockwerke hohe Häuser mit Holzfassaden - amerikanisches Kleinstadtflair gleich neben einer der größten und großartigsten Städte der Welt. Mir kommt es vor, als würde New York über den breiten Hudson hinweg nach Bay Ridge schielen und dabei gleichgültig mit den Schultern zucken.

Die Julisonne brennt vom Himmel, und es herrscht eine ruhige Atmosphäre. Die Fußgänger auf den Straßen wirken alle so gelassen, als wäre dies hier ihr ganz eigener, sicherer Ort, ein Ort, um den sich der Rest der Welt sonst nie kümmert, ein Ort, an dem Geheimnisse, wenn man sie gut versteckt, für immer unentdeckt bleiben. Hier können das Leben, die Liebe und der Tod sich leise entfalten, ohne dass es sonst irgendwo auf der Welt bemerkt wird. Fast kommt es mir vor, als würde die Zeit ein klein wenig langsamer vergehen, wenn man erst die Brooklyn Bridge hinter sich gelassen hat.

Dies ist die Welt, in der unsere Mutter aufwuchs, die Welt, aus der sie floh und in die sie nie wieder zurückkehrte. Uns war nie in den Sinn gekommen, dass ausgerechnet wir - Pia und ich - eines Tages eine Reise hierher unternehmen würden, eine Reise zurück an den Anfang des Lebens unserer Mutter. Offiziell sind wir hier, um ihren Nachlass zu regeln und den Verkauf eines heruntergekommenen, mit Brettern vernagelten Hauses in die Wege zu leiten, das ihr gemeinsam mit ihrer Schwester gehört hatte - einer Frau, mit der sie die letzten dreißig Jahre keinen Kontakt mehr hatte. Das Haus ist ihr Elternhaus und war viele Jahre ihr Lebensmittelpunkt. Inoffiziell und insgeheim sind wir hier, weil sie uns dazu aufgefordert hat. Weil sie möchte, dass wir sie suchen und etwas über meinen leiblichen Vater herausfinden. Mir kommt das immer noch alles wie ein böser Traum vor.

"Vielleicht hat sie da einfach nur was durcheinandergebracht", hatte Pia gesagt, als der Film fertig war und aufgewirbelter Staub im Lichtstrahl des Projektors tanzte, den wir uns unbemerkt von unserem Vater geliehen hatten. "Ich meine, in ihren dunkelsten Phasen hat sie doch Wahnvorstellungen gehabt. Hat sich Sachen eingebildet. Vielleicht erzählt sie in Wirklichkeit nur von einem schrecklichen Albtraum und an der Sache ist gar nichts weiter dran."

"Ja", sagte ich. Langsam. Verunsichert. Ich ließ ihre Worte in mich hineinsickern. "Ja, könnte schon sein ... aber ..."

Ich sah meine Schwester an, und jetzt begann sie zu begreifen, was ich längst wusste. Meine strahlend blauen Augen, die einzigen blauen Augen seit Generationen.

"Aber du musst der Sache auf den Grund gehen", beendete Pia den Satz für mich. "Die beiden haben sich so geliebt, vor allem damals, als sie aus Brooklyn weg ist und für ihn ihre Familie aufgegeben hat. Das passt doch hinten und vorne nicht zusammen, dass da ein anderer Mann im Spiel gewesen sein soll ... Und selbst wenn, dann ändert das ja nichts. Du bist immer noch du. Du bist immer noch unsere Luna."

Pia konnte nicht wissen, dass ich mich zeit meines Lebens ein wenig fremd gefühlt hatte in unserer Familie. Ein klein wenig außer Takt. Und dass das, was unsere Mutter in ihrer Videobotschaft offenbart hatte, mir ein seltsamer Trost war.

Unser Vater hätte uns gerne begleitet, aber wir konnten ihn ü

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