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Beim Morden bitte langsam vorgehen Roman von Paborn, Sara (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.04.2018
  • Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
eBook (ePUB)
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Beim Morden bitte langsam vorgehen

"Mittlerweile liegt das Ganze sechs Jahre zurück und noch ist mir niemand auf die Schliche gekommen ..." Nach 39 Ehejahren voller Sticheleien hat Irene endgültig genug von ihrem Mann. Als sie eines Tages in einer alten Schachtel Bleibänder zum Beschweren von Vorhängen findet, kommt ihr die beste Idee ihres Lebens: Aus der immer so netten Bibliothekarin wird eine gerissene Hobbychemikerin, die ihre bisher von Braten- und Kuchenduft erfüllte Küche in ein Labor verwandelt. Dort bereitet sie Bleizucker zu. Geduldig rührt sie ihrem Mann täglich ein Löffelchen in den Kaffee. Bei den wirklich wichtigen Dingen muss man langsam vorgehen ... Sara Paborn, 1972 in Sölvesborg geboren, war früher in der Werbebranche tätig und lebt heute als Autorin in Stockholm. 2009 veröffentlichte sie ihr Debüt. Ihr Überraschungsbestseller 'Beim Morden bitte langsam vorgehen' ist ihr vierter Roman; damit ist Sara Paborn erstmals auf Deutsch zu entdecken.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 16.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641225315
    Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
    Originaltitel: Blybröllop
    Größe: 3101 kBytes
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Beim Morden bitte langsam vorgehen

H orst und ich heirateten in einer kleinen Dorfkirche. Es war Februar, der schlimmste Monat zum Heiraten, aber Horst hatte ausgerechnet, dass unser neues Haus noch in derselben Woche beziehbar sein würde, und praktische Überlegungen standen natürlich an erster Stelle. Es waren kaum Blumen für den Brautstrauß aufzutreiben. In letzter Sekunde gelang es mir noch, Rosen zu bekommen. Rot und ohne Duft. Das Brautkleid hatte ich mir von einer Schneiderin in der Stadt nähen lassen, weißer Brokat mit U-Boot-Ausschnitt. Figurbetont. Damals hatte ich eine Sanduhrfigur. Leider war mir selbst nicht klar, wie hübsch ich war. Vielleicht war ich auch deswegen so froh, dass Horst mich haben wollte. Ich fand ihn nämlich unglaublich elegant. Er hatte die Art von Aussehen, mit dem manche Menschen in ihrer Jugend vorübergehend gesegnet sind, das dann aber bald in charakterlose Schwammigkeit mündet. Tatsächlich erinnerte er mich ein bisschen an Marlon Brando, als wir uns kennenlernten. Klare Gesichtszüge. Hübscher Mund, grünbraune Augen.

Nur dass Horst goldblondes Haar hatte. Später wurde es aschblond und zottelig. Er hielt nicht so viel davon, sich um sein Äußeres zu kümmern. Er meinte wohl, dass er ohne jede Anstrengung gut aussah, so wie früher. Das war jedoch nicht der Fall. Die Augen, die ich zu Anfang so verführerisch gefunden hatte, waren eigentlich nur kurzsichtig. Als er achtzehn Jahre alt war, schickte seine Großmutter ein Foto von ihm an eine Illustrierte, als Beitrag für den Wettbewerb um den Titel "Mann des Jahres", den er auf Anhieb gewann. Das Heft hatte er aufgehoben. Auf dem Gewinnerbild strahlte sein Gesicht vor gelangweilter Lässigkeit. Seiner Meinung nach war es Sache der anderen, ihm zu imponieren, nie umgekehrt. Die Leute mussten ihr Bestes geben, und dann lag die Entscheidung bei ihm, ob er sie interessant fand oder nicht. Wie alle schönen Männer war er faul.

Ich hingegen hatte lernen müssen, dass ich mich anstrengen musste. Ich musste ihn unterhalten und ihm gefallen. Dafür sorgen, dass alles funktionierte, dass es anderen gut ging, dass ich die richtigen Fragen stellte und dem Mann die Bühne überließ. Schon früh hatte ich zu hören bekommen, dass ich zu hohe Erwartungen an die Liebe hätte.

"Für dich muss immer alles so groß sein, bis du mal zufrieden bist", meinte meine Freundin gereizt. "Mit der Einstellung wirst du nie heiraten! Du verjagst die Männer doch!"

Hohe Erwartungen seien ein sicherer Weg zur Enttäuschung, meinte sie. Um Zufriedenheit zu erlangen, müsse man lernen, Dinge zu übergehen, nicht so genau hinzuschauen, die eigenen Ansprüche zu senken. Nicht so kompliziert und fordernd zu sein. Also dachte ich: Wenn ein so normaler Mensch wie Horst Gefallen an mir finden kann, dann gibt es vielleicht doch eine Chance auf ein ganz normales Leben? Dann kann ich mich womöglich anpassen und muss nicht so große Träume hegen und Bücher verschlingen. Vielleicht konnte ich ja sogar Kinder bekommen, eine eigene Familie haben? Feiertage begehen. Meiner tosenden, gewaltigen Sehnsucht nach Dramatik, Größe, Sinnhaftigkeit Einhalt gebieten. Kurz und gut: Vielleicht konnte ja auch ich Zufriedenheit erlangen. Denn wer war ich denn schon, dass ich höhere Ansprüche hätte stellen dürfen als alle anderen Menschen?

Mit dieser Logik und dieser Angst wurde Horsts schlaffer, träger Stil natürlich zur Herausforderung. Etwas, das ich mir erobern und verdienen musste. Damit er irgendwann meine Eintrittskarte zu einem normalen Leben werden würde.

Meine Mutter hielt bei der Hochzeitsfeier keine Rede. Stattdessen nahm sie mich in der Garderobe des besten Hotels der Stadt beiseite, in dem wir einen Raum gemietet hatten. Sie drückte meinen Arm ganz fest und sagte: "Diese himmelstürmende Liebe, von der die Leute immer reden, die gibt es nicht. Nur dass du's weißt. So was schreiben sie nur in Büchern und Zeitschriften, um Geld zu machen. Die Ehe ist etwas ganz anderes."

Und

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