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Beim Ruf der Eule Roman von Sweeney, Emma Claire (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.07.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Beim Ruf der Eule

Vincent Roper ist der Letzte, den Maeve Maloney in ihre Pension am Meer sehen will. Nach fast 50 Jahren steht er vor ihrer Tür und lässt sich nicht abweisen. Sie beide verbindet eine gemeinsame Jugend - und das Wissen um Maeves Zwillingsschwester: Edie, die singen konnte wie eine Nachtigall und berühmt geworden wäre, hätte sie die gleichen Chancen wie Maeve gehabt. Widerwillig gesteht Maeve sich ein, wie viel ihr Vince noch immer bedeutet. Wie ist es, zu lieben und geliebt zu werden? Jahrelang hat Maeve die Frage verdrängt, jetzt aber stellt sie sich wie nie zuvor ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 414
    Erscheinungsdatum: 27.07.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732556649
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Owl Song at Dawn
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Beim Ruf der Eule

Kapitel eins

An dem Tag, als Vincent Roper zurückkehrte, befand ich mich im Geißblatt-Zimmer und bezog die Betten. Die vertrautesten Einzelheiten erscheinen mir plötzlich wichtig: die Barbershop-Band, die in unserer Lounge probte, das blasse Gelb des Deckenbezugs, das Aroma des Wäscheschranks, in dem es nach Lavendelsäckchen, Kupferrohren und warmer Wolle roch - ein Duft, der ein wenig an Milch kurz vor dem Sauerwerden erinnert, der Tribut, den die Arbeit von meinem Rücken forderte.

Vielleicht wurde ich ja wirklich langsam zu alt für all das. Vielleicht hatte Zenka recht, wenn sie mich wieder einmal drängte, die Hausarbeit doch ihr zu überlassen. Aber wie üblich war sie in hochhackigen Schuhen und Minirock erschienen, um in Sea View Lodge zu putzen, und ich hatte sie zur Küchenarbeit verdonnert, damit unsere Gäste sie nicht zu Gesicht bekamen.

Ich gönnte mir eine Atempause, denn das Geißblatt-Zimmer bietet eine herrliche Aussicht auf die Morecambe Bay: taubengrauer Sand, der sich über viele Meilen erstreckt, ehe er die kohlschwarzen Wellen erreicht; ein Himmel in allen Grauschattierungen.

Als ich den älteren Herrn sah, der auf unsere Haustür zukam, dachte ich zunächst, es handele sich um einen Franzosen. Etwas am Schnitt seines Jacketts, dem legeren Schal und der rechteckigen Form seiner Brille ließ darauf schließen. Sein glänzend polierter Gehstock jedoch und die Art, wie er in einer Mischung aus Angriffslust und Kapitulation den Kopf gegen den Wind neigte, waren unverkennbar englisch.

Lange blieb er mit der Hand am Tor vor dem Haus stehen und betrachtete Sea View Lodge. Vielleicht war ihm aufgefallen, dass die Wände wieder einmal gestrichen werden müssten oder dass die Regenrinne einer Reparatur bedurfte.

Als der Mann direkt zum Geißblatt-Zimmer hinaufblickte, überkam mich eine Erinnerung: ein Mädchen, das seine Schwester über die Wellen hielt, bis das Wasser die Zehen der Kleinen benetzte, das Staunen im elfenhaften Gesicht des Kindes, als sich schaumige Gischt in seinen Locken verfing.

Ich erstarrte am Fenster. Vincent Roper blickte zu mir hinauf. Seine blauen Augen sahen jetzt, wo sein Haar so weiß wie Möwengefieder war, noch viel heller aus.

"Steph!", rief ich. "Len!" Ich schüttelte den Kopf, um die Erinnerung loszuwerden, versuchte, die Panik in meiner Stimme zu unterdrücken, und fügte hinzu: "Würde bitte einer von euch herkommen?"

Steph erschien schnaufend an der Tür. In der Hand hielt sie die zusammengefaltete, malvenfarbene Tagesdecke aus dem Flieder-Zimmer. "Probleme?", fragte sie. Ihre Hand öffnete und schloss sich - wie immer, wenn sie abgelenkt oder bedrückt ist.

"Tut mir leid, Liebes", sagte ich, als sie besorgt zu mir aufblickte. "Ich wollte dir keinen Schrecken einjagen."

Len polterte gerade ins Zimmer, als die Türglocke läutete.

"Würdet ihr unserem Besucher bitte sagen, dass ich nicht zu Hause bin?"

"Aber du bist doch zu Hause, Maeve!", widersprach Steph.

"Erinnerst du dich, wie wir es vor dem Spiegel geübt haben, Liebes?", fragte ich und versuchte, meine Panik zu verbergen.

Steph nickte und stellte sich gerade hin. "Willkommen in Sea View Lodge. Wie kann ich Ihnen helfen?"

"Ganz genau so, Liebes. Und jetzt los."

Len strahlte sie an. "Du bist die beste Empfangsdame der ganzen Welt."

"Das bist du wirklich", bestätigte ich. "Und wenn der Herr mich sprechen möchte, sagst du, ich wäre nicht da."

"Du wärst nicht da?"

"Genau."

"Aber das stimmt doch nicht!", rief sie, als ob wir für ein Theaterspiel probten.

"Im Augenblick ist Ehrlichkeit aber nicht angebracht", erwiderte ich kurz angebunden. Menschen mit Down-Syndrom - so nennt man es heutzutage - fällt das Lügen oft schwer.

Len begutachtete sich im Spiegel und schob den Ärmel seines knallbunten Weihnachtspullovers ein Stück höher, um seine angespannten Muskeln zu zeigen. "Ich kann d

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